Berlin gibt 300 Millionen Euro für Kiews Artillerie-Nachschub frei
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Munition für Ukraine

Berlin gibt 300 Millionen Euro für Kiews Artillerie-Nachschub frei

Obwohl sich die Teilnehmerzahl der tschechischen Munitionsbrücke halbiert hat, legt Deutschland weitere 300 Millionen Euro nach. Der Zuschuss sichert den Kauf von rund 50.000 weitreichenden Granaten für die ukrainische Artillerie.

Pistorius sichert 300 Millionen für tschechische Munitionsinitiative zu

Verteidigungsminister Boris Pistorius hat bei einem Treffen mit seinem neuen tschechischen Amtskollegen Jaromír Zůna in Berlin eine weitere Finanzspritze für die ukrainische Artillerie bekanntgegeben. Deutschland stellt 300 Millionen Euro (rund 345 Millionen US-Dollar) zusätzlich für die von Prag geführte Beschaffungsinitiative bereit, wie das Verteidigungsministerium mitteilte. Mit der Tranche könnten „rund 50.000 Schuss weitreichende Munition“ erworben werden, sagte Pistorius. Er nannte das Programm „unverzichtbar“ für die Versorgung Kiews mit dringend benötigten Großkalibergranaten.

Zůna, ein pensionierter Generalleutnant und seit Dezember 2025 im Amt der Regierung Babiš, versicherte, werde die Initiative fortsetzen – trotz sinkender Teilnehmerzahlen. „Deutschland spielt eine wichtige Rolle als Lieferant von militärischem Gerät und Munition und leistet gemeinsam mit unserer Verteidigungsindustrie einen bedeutenden Beitrag zur europäischen Sicherheit“, erklärte er nach dem Treffen.

Bilanz der Munitionsbrücke

Die Initiative, die Anfang 2024 unter dem damaligen Ministerpräsidenten Petr Fiala und Staatspräsident Petr Pavel ins Leben gerufen wurde, kauft auf dem Weltmarkt verfügbare Artilleriemunition und transportiert sie in die Ukraine. Nach offiziellen Zahlen hat das Programm bisher 4,4 Millionen großkalibrige Granaten geliefert – 1,5 Millionen im Jahr 2024 und 1,8 Millionen im Jahr 2025. Für 2026 bestehen Verträge über die Lieferung von rund einer Million weiterer Schuss.

Deutschland ist mit inzwischen über 1,2 Milliarden Euro der mit Abstand größte Geldgeber. Allein im Vorjahr hatte Berlin rund eine Milliarde Euro beigesteuert. Der tschechischen Regierung zufolge benötigt die Initiative 2026 insgesamt etwa fünf Milliarden Euro; bis Februar waren jedoch erst 1,4 Milliarden Euro zugesagt. Präsident Pavel hatte zudem beklagt, dass sich die Zahl der teilnehmenden Staaten seit dem Amtsantritt von Regierungschef Babiš von 18 auf nur noch neun halbiert habe.

Die anhaltende Bedeutung der Initiative unterstrich kürzlich auch eine Recherche von jux.net. Trotz der Rückschläge bleibt die Munitionsbrücke eine der zentralen Versorgungsadern für die ukrainische Artillerie, die täglich zwischen 5.500 und 6.000 Schuss verfeuert.

Deutschland will mehr Regierungsdeals

Am Rande des Treffens kündigte Pistorius an, dass Regierungs-zu-Regierungs-Geschäfte künftig ein fester Bestandteil des deutschen außen- und sicherheitspolitischen Instrumentariums werden sollen. Als erstes Beispiel nannte er den geplanten Verkauf von Hubschraubern an Montenegro – ein in Deutschland bislang unübliches Modell. „Regierungs-zu-Regierungs-Deals werden unseren Werkzeugkasten erweitern, solche Geschäfte werden in Zukunft häufiger vorkommen“, sagte der Minister.

Die neue Zusage Deutschlands unterstreicht zugleich die ungebrochene westliche Unterstützung für Kiew, während Russland seine eigene Munitionsproduktion massiv hochfährt. Monatlich stellt Moskau laut ukrainischen Angaben 40 bis 50 Marschflugkörper und 60 bis 70 ballistische Raketen her. Ob die Ukraine mit den zusätzlichen Granaten den Druck auf die russischen Linien dauerhaft aufrechterhalten kann, hängt nun auch von weiteren Gebern ab.