32 Schwerstkriminelle in Nachtaktion nach Afghanistan abgeschoben
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Abschiebung

32 Schwerstkriminelle in Nachtaktion nach Afghanistan abgeschoben

Deutschland hat in der Nacht 32 verurteilte Straftäter per Charterflug nach Kabul gebracht. Der umstrittene Deal mit den Taliban ermöglichte bereits die fünfte Sammelabschiebung – doch die Kritik reißt nicht ab.

Deutschland hat in der Nacht zum Dienstag 32 verurteilte Schwerstkriminelle nach Afghanistan abgeschoben. Der Charterflug vom Flughafen Leipzig/Halle nach Kabul war der fünfte dieser Art seit Februar 2026 – und erneut hoch umstritten.

Bei den Abgeschobenen handelt es sich um vollziehbar ausreisepflichtige afghanische Männer, die in Deutschland wegen schwerster Delikte verurteilt wurden, darunter Totschlag, Vergewaltigung, Kindesmissbrauch, Drogenhandel und räuberische Erpressung. Zwölf Männer kamen aus Baden-Württemberg, 14 aus Bayern, die übrigen aus Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen und Schleswig-Holstein, wie die tagesschau berichtet.

Dobrindt: „Kein Anrecht, in Gesellschaft zurückzukehren“

Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) verteidigte die Abschiebung vehement. Gegenüber FOCUS online erklärte er:

„Wer hier Straftaten begeht, meine Damen und Herren, der hat kein Anrecht darauf, wieder in unsere Gesellschaft zurückzukehren.“
Alexander Dobrindt (Bundesinnenminister)

Der CSU-Politiker betonte, solche Abschiebungen hätten nichts mit mangelnder Menschlichkeit zu tun:

„An Humanität hat es in den vergangenen Jahren nicht gemangelt, aber an Ordnung hat es gemangelt. Unser Land ist in Teilen in Unordnung gebracht worden.“
Alexander Dobrindt (Bundesinnenminister)

Kritik: „Menschenrechtliche Bedenken über Bord geworfen“

Opposition und Menschenrechtler reagierten empört. Clara Bünger, innenpolitische Sprecherin der Linken, warf Bund und Ländern vor, menschenrechtliche Bedenken „vollends über Bord geworfen“ zu haben und kritisierte die Normalisierung des Taliban-Regimes.

„Es ist erschreckend, wie regelmäßig Bund und Länder inzwischen wieder nach Afghanistan abschieben. Menschenrechtliche Bedenken scheinen sie vollends über Bord geworfen zu haben, auch die Normalisierung des Taliban-Regimes bereitet ihnen offenbar keine Sorgen.“
Clara Bünger (Innenpolitikerin Die Linke)

Die Grünen-Migrationsexpertin Filiz Polat fragte, welchen Forderungen der Taliban sich die Bundesregierung gebeugt habe, nachdem eine für Mai geplante Abschiebung an mangelnder Kooperation der Islamisten gescheitert war:

„Die ursprüngliche Absage dieses Abschiebeflugs hat gezeigt, wie erpressbar sich Deutschland durch Dobrindts Zusammenarbeit mit den Taliban bereits gemacht hat.“
Filiz Polat (Migrationsexpertin Bündnis 90/Die Grünen)

Am Leipziger Flughafen versammelten sich in der Nacht rund 35 Menschen zu einer Mahnwache gegen die Abschiebungen. Der baden-württembergische Justizminister Moritz Oppelt (CDU) hingegen sprach von einem „enormen Sicherheitsgewinn für unser Land“.

Der umstrittene Deal mit den Taliban

Grundlage ist eine direkte Vereinbarung der Bundesregierung mit den islamistischen Taliban. Der Koalitionsvertrag sieht vor, Abschiebungen nach Afghanistan zu forcieren – beginnend mit Straftätern und Gefährdern. Die Abschiebung im Juni kam nur zustande, nachdem die Taliban-Führung im Mai blockiert hatte. Sie forderten mehr Diplomaten an den afghanischen Vertretungen in Deutschland – ein Zugeständnis, über das die Bundesregierung bisher schweigt.

Menschenrechtsorganisationen warnen, dass Abgeschobenen in Afghanistan Folter oder willkürliche Inhaftierung drohen könnten. Die Bundesregierung betont, es handele sich um regelmäßige Rückführungen, die „zentrales Element der Migrationswende“ seien.

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Die nächste Sammelabschiebung ist bereits in Vorbereitung. Wie lange die Taliban-Kooperation anhält und welche weiteren Zugeständnisse Deutschland dafür machen muss, bleibt offen.