Nach Mette-Marits Lungen-OP: Verfassungsänderung soll Ingrid Alexandra zur Regentin machen
KI-Bild
Norwegische Thronfolge

Nach Mette-Marits Lungen-OP: Verfassungsänderung soll Ingrid Alexandra zur Regentin machen

Während Kronprinz Haakon an der Seite seiner schwerkranken Frau steht, will das Parlament eine Verfassungslücke schließen: Prinzessin Ingrid Alexandra soll als Regentin einspringen dürfen. Die Opposition kritisiert die Maßnahme als zu maßgeschneidert für die 22-Jährige.

Doppelte Krise für das Königshaus

Norwegens Kronprinz Haakon (52) hat am 16. Juni 2026 offiziell sein Arbeitspensum reduziert, um seiner Ehefrau Mette-Marit (52) beizustehen. Die Kronprinzessin, die seit 2018 an Lungenfibrose leidet, erlebte Anfang 2026 eine dramatische Verschlechterung und wurde auf die Warteliste für eine Lungentransplantation gesetzt. Am 17. Juni vermeldete das Universitätskrankenhaus Oslo die erfolgreiche Transplantation – für Mette-Marit die letzte Überlebenschance.

Prinzessin Ingrid Alexandra (22) kehrte im Juni 2026 vorzeitig von ihrem Studium an der University of Sydney nach Norwegen zurück. Erst im Mai hatte sie in ihrer ersten offiziellen Royal-Funktion die Parade zum Nationalfeiertag in Sydney angeführt und führt ihr Austauschprogramm nun in Oslo fort. Parallel dazu wurde am 15. Juni Mette-Marits Sohn Marius Borg Høiby zu vier Jahren Haft verurteilt.

Artikel 41: Nur der erste Thronfolger darf regieren

Fällt König Harald aus, vertritt ihn Kronprinz Haakon als Regent. Ist auch Haakon verhindert, übernimmt nach geltendem Verfassungsrecht die Regierung im Staatsrat. Prinzessin Ingrid Alexandra bliebe außen vor – eine Lücke, die bereits im April 2024 der Historiker Trond Norén Isaksen öffentlich anprangerte. Sechs Abgeordnete von Arbeiterpartei, Fortschrittspartei, Zentrumspartei, Konservativen, Liberalen und Christlicher Volkspartei griffen seinen Vorschlag auf und brachten im Herbst 2024 einen Antrag zur Änderung von Artikel 41 in den Storting ein.

Der Reformvorschlag sieht vor, dass künftig das erstgeborene Kind des Thronfolgers ab Vollendung des 18. Lebensjahres die Regentschaft übernehmen darf, wenn sowohl Monarch als auch Kronprinz ausfallen. Für Ingrid Alexandra hieße das: Sobald ihr Vater als Regent blockiert ist, könnte sie den Vorsitz im Staatsrat führen. Am 16. Juni 2026 empfahl der zuständige Verfassungsausschuss des Stortings dem Parlament einstimmig die Annahme.

Kritik: Reform zu sehr auf Ingrid zugeschnitten?

Monarchiegegner der Roten Partei lehnen das Königshaus grundsätzlich ab, andere Kritiker monieren die Konstruktion der Neuregelung: Sie schließe Prinz Sverre Magnus dauerhaft aus und sei zu eng auf die aktuelle Krise zugeschnitten. Das Parlament betont, der Wortlaut sei allgemein gehalten und gelte für alle künftigen zweitplatzierten Thronfolger. Die Schlussabstimmung ist für den 3. November 2026 anberaumt, eine Zweidrittelmehrheit gilt als gesichert.

Für Kronprinzessin Mette-Marit bleibt die Zeit knapp: Statistisch überlebt einer von acht Empfängern einer Spenderlunge das erste Jahr nicht, lebenslange Immunsuppressiva sind Pflicht. Sollte Haakon seiner Frau weiterhin Vorrang einräumen, könnte Ingrid Alexandra schon bald jene Rolle einnehmen, die der Storting per Verfassungsänderung festschreiben will.