Der Angriff
In der Nacht zum 18. Juni drangen fast 200 ukrainische Drohnen in die Hauptstadtregion ein. Moskaus Bürgermeister Sergej Sobjanin sprach von rund 180 abgefangenen Drohnen – dennoch gelang es mehreren unbemannten Flugkörpern, die Raffinerie im südöstlichen Bezirk Kapotnja zu treffen und schwere Brände auszulösen. Dichte Rauchwolken stiegen über dem etwa 15 Kilometer vom Kreml entfernten Industriestandort auf. Die vier internationalen Flughäfen Moskaus, darunter Scheremetjewo, stellten den Flugbetrieb für mehrere Stunden ein; mehr als 500 Flüge wurden gestrichen oder verspätet. In der Region Moskau wurden nach offiziellen Angaben mindestens 16 Menschen verletzt, darunter zwei Kinder. Reuters
Selenskyjs Drohung
Wenige Stunden nach dem Angriff übernahm der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj die Verantwortung. Er verwies ausdrücklich auf den russischen Großangriff vom 15. Juni, bei dem das UNESCO-geschützte Höhlenkloster Kyjiw-Petschersk-Lawra schwer beschädigt und mindestens zehn Menschen getötet worden waren. Der Angriff auf Moskau sei eine "vollkommen gerechte Antwort".
Wir wollen diesen Krieg nicht, wir haben ihn nie gewollt, und jeder weiß das, und unsere Partner wissen das. Aber wenn die Ukraine brennt, wird auch Moskau brennen.Wolodymyr Selenskyj (Präsident der Ukraine)
Selenskyj sprach von "Langstrecken-Sanktionen" gegen die russische Ölindustrie. Die Attacke sei nur der jüngste Teil einer Kampagne, die darauf abziele, die Kriegsfinanzierung zu treffen und die russische Bevölkerung die Folgen des Konflikts spüren zu lassen. AP News
Russland droht mit Vergeltung
Russlands Außenminister Sergej Lawrow kündigte umgehend "massive koordinierte Schläge" an. Präsident Wladimir Putin habe die Armee zu regelmäßigen Vergeltungsakten angewiesen, so Lawrow. Der Sprecher der Staatsduma, Wjatscheslaw Wolodin, ging noch weiter.
Deren Aktion wird zu unserer Gegenaktion und härteren Schlägen mit stärkeren Waffen führen.Wjatscheslaw Wolodin (Sprecher der russischen Staatsduma)
Kreml-Berater Juri Uschakow erklärte, der Angriff verschiebe direkte Gespräche zwischen Putin und Selenskyj weiter in die Ferne. Radikale russische Nationalisten wie der Oligarch Konstantin Malofejew forderten sogar den Einsatz von Atomwaffen.
Treibstoffkrise und internationale Reaktionen
Die Moskauer Raffinerie produziert mehr als ein Drittel des Treibstoffs der Region. Russland musste in diesem Monat erstmals Treibstoff auf dem Seeweg importieren, Tankstellen rationieren die Abgabe; der Benzinpreis stieg binnen einer Woche um 19 Prozent. Ynetnews Die EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas kommentierte: "Russland ist auf dem Rückzug: militärisch, wirtschaftlich und politisch. Jetzt ist die Zeit, der Ukraine noch größere Unterstützung zu gewähren und noch mehr Druck auf Russland auszuüben."
Selenskyj selbst reiste noch am Tag des Angriffs zum NATO-Verteidigungsministertreffen nach Brüssel, um weitere Waffenhilfe zu sichern. Deutschland und die Ukraine unterzeichneten dort ein Abkommen zur gemeinsamen Entwicklung eines Luftverteidigungssystems gegen ballistische Raketen.
