Burkini und weite Shorts verboten – Freibäder setzen auf enge Badekleidung
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Freibad-Konflikt

Burkini und weite Shorts verboten – Freibäder setzen auf enge Badekleidung

Aus Hygienegründen und wegen gestiegener Betriebskosten haben mehrere Freibäder in Baden-Württemberg das Tragen von Burkinis und weiten Badeshorts untersagt. Die Regelung spaltet Stadtrat und Badegäste, die Betreiber stehen unter Druck.

Neue Kleiderordnung in Lörrach, Weil am Rhein und Müllheim

Badegäste im Parkschwimmbad Lörrach müssen sich in dieser Saison an strenge Kleidungsvorschriften halten. Seit Mai 2025 gilt hier wie auch im Hallenbad Lörrach, im Laguna Badeland Weil am Rhein und im Freibad Müllheim eine überarbeitete Haus- und Badeordnung. Sie schreibt vor, dass nur noch enganliegende Badekleidung aus Kunstfaser erlaubt ist, die maximal bis zu den Knien und Ellenbogen reicht. Burkinis und weite Badeshorts sind ebenso verboten wie Straßenkleidung oder Unterwäsche im Becken. Die Stadt Lörrach stellt die neuen Kleidervorschriften mit Piktogrammen an den Eingängen dar und setzt zu Saisonbeginn zusätzliches Sicherheitspersonal ein, um die Regeln durchzusetzen.

Vorausgegangen waren eine schwierige Vorsaison mit unzufriedenen und ausbleibenden Stammgästen, Personalmangel sowie zahlreiche Beschwerden über mangelnde Hygiene. In Workshops mit Gemeinderatsvertretern und Stammgästen wurden die neuen Regelungen erarbeitet. Der Betriebsausschuss der Stadtwerke Lörrach stimmte Anfang April nach kontroverser Diskussion nahezu einstimmig zu.

Hygiene und Wirtschaftlichkeit als Begründung

Die Betreiber verweisen auf dringende hygienische und betriebswirtschaftliche Notwendigkeiten. Lange und weite Badekleidung bringe mehr Schmutz und Partikel ins Wasser und erhöhe den Reinigungsaufwand erheblich. „Die steigenden Betriebskosten stellen für jede Kommune eine Herausforderung dar – um das Schwimmbadangebot zu erhalten, müssen wir auf Wirtschaftlichkeit achten“, erklärt die Stadt Lörrach. Konkret nennt sie Probleme mit jungen Männern, die unter weiten Shorts Designer-Unterhosen trugen, sowie Taschentücher und andere Gegenstände, die aus Hosentaschen ins Becken gelangten. Bäderleiter Ralf Großmann betont, dass Baumwollkleidung die Trübung verstärke und im schlimmsten Fall zur Beckensperrung führen könne. Die reinen Materialvorschriften seien notwendig, um die Wasserqualität zu gewährleisten.

Kritik von Grünen und Lehrern – Diskriminierungsvorwurf

Die neuen Regeln stoßen auf Widerstand. Die Grünen im Markgräflerland scheiterten im Mai mit dem Antrag, eine Ausnahme für Ganzkörperbadeanzüge durchzusetzen. Sie nannten die Regelung diskriminierend: „Die jetzige Regelung grenzt aus und diskriminiert Frauen, die aus Glaubensgründen Ganzkörperbadeanzüge tragen wollen“, so eine Sprecherin. Auch Sport- und Schwimmlehrer des Campus Rosenfels äußerten in einem Schreiben Bedenken für den Schwimmunterricht. In sozialen Medien wird die Debatte hitzig geführt; während die einen von Ausgrenzung am Beckenrand sprechen, verweisen andere auf vergleichbare Verbote in Frankreich und nennen den Shitstorm unverhältnismäßig.

Der Geschäftsführer des Laguna Badelands, Carl Stephan Matti, begründete die Maßnahmen mit dem Verlust treuer Stammgäste, die das Bad wegen der Zustände nicht mehr besuchen wollten. Die Stadt Lörrach betont, die Entscheidung sei „zum Wohle der Allgemeinheit“ getroffen worden, auch wenn sie Menschen mit bestimmten religiösen Vorstellungen herausfordere.

Auswirkungen und offene Fragen

Mit der neuen Kleiderordnung stehen die Bäder vor der Aufgabe, die Einhaltung durchzusetzen und gleichzeitig das Vertrauen aller Badegäste zurückzugewinnen. Ob weitere Kommunen in Baden-Württemberg nachziehen oder die Regelung vor Gericht angefochten wird, bleibt offen. Für die laufende Saison gilt: Wer nicht den engen Vorgaben entspricht, riskiert den Zutritt zum Becken.