Steuererklärung vom Amt: 212.000 Vorschläge in Hessen
212.000 Steuerpflichtige in Hessen haben in diesen Tagen Post vom Finanzamt bekommen – und das ist ausnahmsweise eine gute Nachricht. Statt einer Aufforderung zur Abgabe der Steuererklärung lag ein fertig ausgefüllter Vorschlag im Briefkasten. Das Modellprojekt „Die Steuer macht das Amt“ dreht den Spieß um: Nicht mehr der Bürger muss alle Belege zusammentragen, sondern das Finanzamt erstellt auf Basis der ihm ohnehin vorliegenden Daten einen Bescheid – und der Steuerzahler muss nur noch zustimmen oder korrigieren.
Der Versand der 212.000 Vorschläge für die Einkommensteuer 2025 wurde am 19. Juni abgeschlossen, wie das hessische Finanzministerium mitteilte. Ursprünglich waren 200.000 Schreiben angepeilt. Adressaten sind Arbeitnehmer, Rentner und Pensionäre ohne Steuerberater, die ausschließlich Einkünfte aus nichtselbständiger Arbeit oder Versorgung beziehen, sowie Eltern mit Kindern unter 18 Jahren.
So funktioniert der neue Service
Die Empfänger können den Vorschlag per QR-Code oder mit dem beigefügten Antwortschreiben bestätigen, ergänzen oder verwerfen. Wer lieber eine eigene Steuererklärung einreicht, kann das nach wie vor tun. Finanzminister Alexander Lorz (CDU) mahnt zur Eile: „Je schneller nun die Rückmeldung eingehe, umso eher könnten der Steuerbescheid zugeschickt und eine mögliche Rückerstattung überwiesen werden.“
Je schneller nun die Rückmeldung eingehe, umso eher könnten der Steuerbescheid zugeschickt und eine mögliche Rückerstattung überwiesen werden.Alexander Lorz, Hessischer Finanzminister (CDU)
Lorz sieht in dem Projekt einen Gewinn für beide Seiten: „Das Pilotprojekt trifft einen Nerv. Das sind Staatsmodernisierung und Bürokratieabbau, von der Bürger und Verwaltung etwas haben. Und dieses Etwas ist vielleicht nicht nur weniger Ärger mit der Steuererklärung, sondern auch mehr Vertrauen in den Staat.“
Was tun, wenn kein Vorschlag kommt?
Wer bislang ohne einen solchen Brief blieb und gesetzlich zur Abgabe verpflichtet ist, muss seine Steuererklärung bis zum 31. Juli 2026 selbst erstellen. Dafür verweist das Ministerium auf die App MeinELSTER+, mit der eine einfache Erklärung mit nur einem Klick möglich sei.
Das hessische Modell stößt bundesweit auf Interesse. Die Landesregierung kündigte an, das Vorhaben auf fünf weitere Bundesländer auszuweiten. Auch der Bund der Steuerzahler und mitteldeutsche Finanzverwaltungen haben den Ansatz begrüßt.
Die Botschaft aus Wiesbaden ist klar: Wer seine Zustimmung schnell zurückschickt, bekommt rasch seinen endgültigen Bescheid – und vielleicht sogar eine Erstattung, bevor der Sommer vorbei ist.
