Meta prämiert Tierquäler
Zwei Facebook-Profile mit bis zu 57.000 Followern verbreiteten über Wochen Videos, in denen Makaken systematisch gefoltert wurden. Eines der Accounts erhielt von Meta ein Creator-Abzeichen – eine Auszeichnung für Ersteller mit großer Reichweite. Die Welttierschutzgesellschaft (WTG), Mitglied der internationalen Koalition SMACC, meldete die Seiten mehrfach. Meta sah jedoch keinen Verstoß gegen die eigenen Regeln. Erst öffentlicher Druck führte zur Löschung.
Ein drei Minuten langes Video mit dem Titel ‚The baby is interested in learning to swim‘ zeigt, wie ein Affenbaby immer wieder gewaltsam ins Wasser getaucht wird und zu ertrinken droht – über 11.000 Menschen sahen es, bevor die Seite nach Interventionen endlich offline ging. Die WTG hat in Analysen dokumentiert, dass rund 60 Prozent der Makaken-Arten vom Aussterben bedroht sind, doch in unzähligen Clips werden die Tiere wie menschliche Säuglinge in Windeln und Kinderkleider gesteckt, unter Drogen gesetzt oder ertränkt. Viele Täter verdienen mit exklusiven Abonnenteninhalten an der Qual.
Meta ignorierte Warnungen seit Jahren
Bereits seit Oktober 2020 schlägt die WTG mit der Kampagne #StopptTierleid Alarm. Trotz wiederholter Gespräche mit Meta-Vertretern blieben konkrete Maßnahmen aus. Im Juli 2023 eskalierte die SMACC mit einem offenen Brief an Mark Zuckerberg und forderte ein Einschreiten gegen die Tierleid-Inhalte. Die automatisierte Antwort auf Meldungen der Aktivisten lautete regelmäßig, die Videos verstießen nicht gegen die Gemeinschaftsstandards.
Die aktuellen Beispiele grausamer Affenqual zeigen, dass Meta seine eigenen Richtlinien bei der Moderation von Inhalten und auch den Kriterien zur Anerkennung von Creator*innen nicht umsetzt.Wiebke Plasse, Leiterin Kommunikation der Welttierschutzgesellschaft
Die Tierschützer sehen auch die deutsche Politik in der Pflicht. Bei einem SMACC-Gipfel auf Bali diskutierten Ermittler und Aktivisten im vergangenen Jahr über Wege, die Verbreitung solcher Gewaltvideos einzudämmen. In anderen Ländern wie den USA, Großbritannien und Indonesien kam es nach Recherchen und einer BBC-Dokumentation mit dem Titel „Saving Mini: Inside the global network torturing baby monkeys“ bereits zu Festnahmen und Verurteilungen. Die WTG setzt sich dafür ein, dass der Tierschutz im digitalen Raum bereits in Koalitionsverhandlungen mitgedacht wird und Plattformen gesetzlich stärker belangt werden können.
Hintergründe: Netzwerke des Tierhasses
Neben den Affenquälereien boomen auf sozialen Medien auch andere brutale Trends wie das Zertreten von Kleintieren („Crushing“) oder inszenierte Tierrettungen. Über Telegram bestellen selbsternannte Affenhasser gezielt Foltervideos. Die Welttierschutzgesellschaft appelliert an die Bundesregierung, rasch zu handeln. Ohne konsequentes Einschreiten der Tech-Konzerne, so die Befürchtung, werde das millionenfache Leiden für Klicks weitergehen.
