Autofahrer an einer Tankstelle vor Preistafel, im Hintergrund Zapfsäulen und Verkehr
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WirtschaftZapfsäulen-Trick

Tankstellen erhöhen offenbar zu oft: 12-Uhr-Regel wackelt nach SWR-Analyse

Eine SWR-Datenanalyse zählt rund 60.000 mutmaßlich unerlaubte Spritpreis-Erhöhungen in den ersten drei Aprilwochen. Die neue 12-Uhr-Regel sollte Autofahrer schützen – jetzt geht es um Kontrollen, Zuständigkeiten und mögliche Strafen.

Die neue Spritpreis-Regel sollte Autofahrern mehr Sicherheit geben – doch schon nach wenigen Wochen steht sie unter Verdacht, massenhaft missachtet zu werden. Eine Datenanalyse des SWR zählt rund 60.000 mutmaßlich unerlaubte Preiserhöhungen in den ersten drei Aprilwochen.

Seit dem 1. April 2026 dürfen Tankstellen ihre Preise grundsätzlich nur noch um 12 Uhr erhöhen. Bis 12.05 Uhr müssen die Änderungen an die Markttransparenzstelle gemeldet sein. Die Idee dahinter: Verbraucher sollen im Tagesverlauf besser einschätzen können, wann Tanken günstiger wird.

60.000 Auffälligkeiten in drei Wochen

Nach der Auswertung verteilen sich die mutmaßlichen Verstöße auf etwa 3.800 Tankstellen. Bei rund 15.000 Stationen bundesweit wäre damit ungefähr jede vierte Tankstelle mindestens einmal aufgefallen. Entscheidend ist: Die Analyse spricht von mutmaßlichen Verstößen – technische Meldeverzögerungen können einzelne Fälle erklären.

Trotzdem sind die Muster auffällig. Laut Berichten zur SWR-Auswertung soll eine Tankstelle in Nordrhein-Westfalen seit dem 2. April regelmäßig schon um 10.30 Uhr alle Kraftstoffpreise um 15 Cent erhöht haben. Andere Stationen sollen Preise kurz vor oder während typischer Pendlerzeiten angehoben haben.

Für Autofahrer ist das mehr als ein Regel-Detail. Die 12-Uhr-Vorgabe soll verhindern, dass Preise über den Tag mehrfach nach oben springen. Wer morgens, nach Feierabend oder vor längeren Fahrten tanken muss, soll nicht wieder in ein schwer durchschaubares Preisspiel geraten.

Strafen hängen an Zuständigkeiten

SPD-Fraktionsvize Armand Zorn, der die Spritpreis-Taskforce leitet, bezeichnete die Ergebnisse als besorgniserregend und forderte die zuständigen Behörden zum Handeln auf. Auch der ADAC sieht Handlungsbedarf, falls sich die Analyse bestätigt.

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Das Bundeskartellamt verweist jedoch auf die Verantwortung der Länder. Genau dort liegt ein zentrales Problem: In mehreren Bundesländern war zuletzt noch nicht abschließend geklärt, welche Behörde Verstöße ahnden soll. Ohne klare Zuständigkeit bleiben selbst auffällige Daten politisch laut, aber praktisch schwer durchsetzbar.

Parallel wächst der Druck auf die Regel selbst. Eine Studie von ZEW Mannheim und DICE kam laut Auto Motor und Sport zu dem Ergebnis, dass die 12-Uhr-Regel bei Superbenzin in den ersten zwei Wochen nach Einführung mit höheren Gewinnmargen verbunden war.

Für Fahrer zählt der Preis an der Säule

Die Debatte trifft eine ohnehin gereizte Lage. Hohe Kraftstoffpreise belasten Pendler, Familien und Betriebe, die kaum auf das Auto verzichten können. Dazu passt auch der frühere JUX-Bericht über hohe Spritpreise und sinkende Tankmengen in Bayern.

Jetzt geht es um zwei Fragen: Haben Tankstellen tatsächlich systematisch außerhalb des erlaubten Fensters erhöht – und wer setzt die Regeln durch? Für Verbraucher entscheidet sich daran, ob die 12-Uhr-Regel ein echter Schutz bleibt oder nur eine gut klingende Vorgabe auf dem Papier.

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