Erschöpfte Soldaten bei einer militärischen Gedenkszene, symbolisch für nordkoreanische Kämpfer im Ukraine-Krieg
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PolitikNordkoreas Frontbefehl

Kims Soldaten sollen sich lieber sprengen als ergeben

Kim Jong-un hat nordkoreanische Soldaten gelobt, die sich im Ukraine-Krieg offenbar selbst töteten, um nicht gefangen genommen zu werden. Die Aussagen zeigen, wie tief Pjöngjang an Russlands Seite in den Krieg verwickelt ist.

Kim Jong-un macht aus dem Tod nordkoreanischer Soldaten eine Heldenerzählung. Der Machthaber hat Kämpfer gelobt, die sich im Krieg gegen die Ukraine offenbar selbst töteten, um nicht in Gefangenschaft zu geraten.

Nach Reuters-Berichten über Kims Rede sprach der nordkoreanische Diktator bei einer Gedenkveranstaltung über Soldaten, die an Russlands Seite in der Region Kursk gekämpft hatten. Pyongyang bestätigte damit öffentlich einen besonders extremen Teil seines Kriegseinsatzes.

Gefangenschaft soll keine Option sein

Laut den Berichten pries Kim Soldaten, die Granaten oder andere Mittel gegen sich selbst eingesetzt haben sollen, um nicht von ukrainischen Kräften gefangen genommen zu werden. Er stellte diese Taten als Ausdruck von Treue und Opferbereitschaft dar.

Für Nordkorea ist das mehr als eine militärische Randnotiz. Das Regime behandelt Gefangenschaft nicht wie ein normales Kriegsrisiko, sondern als ideologischen Bruch. Genau diese Logik macht den Einsatz nordkoreanischer Soldaten für Russland so brutal.

Die Zahlen bleiben schwer unabhängig zu prüfen. Südkoreanische Angaben und westliche Berichte gehen davon aus, dass rund 14.000 nordkoreanische Soldaten an Russlands Seite eingesetzt wurden. Mehrere Tausend sollen im Kampf um Kursk gefallen sein.

Russland bekommt Soldaten, Kim bekommt Einfluss

Nordkoreas Einsatz hilft Russland, eigene Verluste abzufedern und zusätzliche Kräfte an der Front einzusetzen. Für Kim Jong-un bringt die Unterstützung Moskaus politische Nähe, wirtschaftliche Hilfe und nach Einschätzung von Geheimdiensten auch Zugang zu militärischer Technologie.

Der Krieg verschiebt damit nicht nur Frontlinien in der Ukraine. Er bindet auch autoritäre Verbündete enger zusammen. Während Europa über Abschreckung, Aufrüstung und Sicherheit diskutiert, zeigt der Fall, warum auch Deutschlands steigende Militärausgaben politisch immer stärker mit Russlands Krieg verknüpft werden.

Besonders hart trifft der Einsatz die jungen Soldaten selbst. Sie kämpfen weit weg von ihrer Heimat, unter einem Regime, das Gehorsam über Überleben stellt. Wer fällt, wird öffentlich geehrt. Wer überlebt oder gefangen genommen wird, steht unter enormem politischen Druck.

Propaganda mit echten Toten

Kims Gedenkinszenierung passt zu Nordkoreas staatlicher Erzählung: Der Soldat gehört nicht sich selbst, sondern dem Regime. Der Tod wird nicht als Verlust beschrieben, sondern als Beweis absoluter Loyalität.

Für die Ukraine bedeutet das eine zusätzliche Herausforderung. Gegner, die sich nicht ergeben sollen, sind schwerer gefangen zu nehmen und schwerer zu verhören. Für Menschenrechtsgruppen stellt sich zudem die Frage, was mit gefangenen Nordkoreanern geschehen kann, wenn ihnen bei einer Rückkehr schwere Strafen drohen.

Kims Botschaft ist deshalb doppelt gerichtet: nach innen an sein eigenes Militär und nach außen an Moskau. Nordkorea will zeigen, dass es für Russland nicht nur Munition und Raketen liefert, sondern auch Soldaten, die bis zum äußersten Einsatz gedrillt wurden.

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