Der Babybauch einer Schwangeren wird gesellschaftlich bejubelt – doch nur wenige Wochen nach der Geburt soll derselbe Bauch bitte wieder straff und flach sein. Dieser Doppelmoral erteilte Moderatorin Ruth Moschner in der ZDF-Sendung „Volle Kanne“ eine klare Absage. Und sie berichtete von einem persönlichen Erlebnis, das sie bis heute „sehr schockierend“ findet: Nachdem sie selbst an Gewicht verloren hatte, wurde sie beruflich besser behandelt – und verdiente plötzlich mehr Geld.
„Wir feiern den Bauch der schwangeren Frau, den wir nur wenige Wochen nach der Geburt shamen, weil er nicht mehr die richtige Form hat“, sagte Moschner laut Kölner Stadt-Anzeiger in der Sendung. Damit kritisiert sie einen Widerspruch, der Millionen Mütter betrifft: Erst werden sie für ihren runden Bauch bewundert, dann für genau dieselbe Körperpartie verurteilt.
Weniger Druck, mehr Akzeptanz
Moschner forderte ein grundsätzliches Umdenken. „Lasst uns Druck rausnehmen, lass uns eine friedlichere und umarmendere Gesellschaft kreieren“, appellierte sie. Der ständige Bewertungsdruck mache Frauen krank – unabhängig davon, ob sie Kinder haben oder nicht.
Besonders deutlich wurde Moschner, als sie über ihre eigene Erfahrung sprach. „Es ist sehr schockierend“, sagte sie mit Blick auf die Zeit nach ihrer Gewichtsabnahme. Laut FOCUS online berichtete sie, dass sie nach dem Gewichtsverlust auf einmal besser bezahlt wurde und mehr Aufträge erhielt. Vorher sei sie als „Presswurst“ abgelehnt worden.
Dass Dünnsein in der Gesellschaft „krass positiv bewertet“ werde, ohne nach den Ursachen zu fragen, sei ein fataler Fehler, so Moschner. Sie erzählte von einer Freundin, die krankheitsbedingt abgenommen hatte – und dafür ungefragt Komplimente bekam. Keiner habe gefragt, ob es ihr vielleicht schlecht gehe.
Hate-Kommentare hat keine:r gerne, schätze ich mal. Auch, wenn wir inzwischen wissen, dass die sogenannten Trolle ein wesentlich armseligeres Leben führen als ihre vermeintlichen Opfer.Ruth Moschner, Moderatorin, Schauspielerin und Autorin
Moschner, die selbst seit Jahren immer wieder Opfer von Bodyshaming im Netz wird, hatte sich bereits 2021 mit emotionalen Worten auf Instagram gegen Hasskommentare gewehrt. Damals schrieb sie: „Kein netter Mensch käme auf die Idee, Hass zu verbreiten und herumzumobben“. Die Debatte ist also alt – und doch so aktuell wie nie.
Dass Mütter für denselben Bauch gefeiert und kurz darauf beschämt werden, zeigt: Von einer „umarmenderen Gesellschaft“ ist Deutschland weit entfernt. Ob sich daran etwas ändert, hängt auch davon ab, wie offen solche Widersprüche benannt werden – und wer bereit ist, zuzuhören.





