„Deutschland sollte das Rentenalter regelgebunden erhöhen - zwei Drittel der zusätzlichen Lebenszeit gehen in Arbeit und ein Drittel in den Ruhestand."
Martin Werding, Mitglied des Sachverständigenrats zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung („Wirtschaftsweiser“) und Professor für Sozialpolitik und öffentliche Finanzen an der Ruhr-Universität Bochum, hat sich in einem Interview für eine regelbasierte Anhebung des gesetzlichen Renteneintrittsalters ausgesprochen. Der Ökonom plädiert dafür, die steigende Lebenserwartung systematisch zu berücksichtigen: Von jedem zusätzlich gewonnenen Lebensjahr sollten zwei Drittel in Arbeit und ein Drittel in den Ruhestand gehen. Dies würde das Rentensystem nachhaltiger machen, ohne die Beitragszahler übermäßig zu belasten. Neben der Rentenalter-Debatte spricht sich Werding auch für die Abschaffung der Witwenrente aus und fordert stattdessen eine eigenständige Alterssicherung für Frauen, da diese heute in der Lage seien, selbst für sich zu sorgen. Damit greift er ein weiteres kontroverses Thema der deutschen Sozialpolitik auf und unterstreicht den Reformbedarf aus ökonomischer Perspektive.