Ungefragter Ratschlag auf Instagram
„Bitte unbedingt noch an ein gutes Make-up denken", schrieb eine Userin unter einen Instagram-Beitrag von Patrice Aminati. Die 31-Jährige, die seit drei Jahren mit metastasiertem schwarzen Hautkrebs kämpft und palliativ behandelt wird, hatte das Video am Wochenende geteilt, um auf ihre bevorstehende Auszeichnung mit dem „Ring of Courage" aufmerksam zu machen. Der Kommentar traf sie hart.
Aminati antwortete zunächst direkt in der Kommentarspalte: „Ich gebe seit Jahren mein Bestes die Erkrankung 'wegzuschminken' – drei Jahre Krebstherapie nonstop und monatelange Einnahme von Cortison und diversen Krebsmedikamenten lassen sich nicht ganz verbergen." Doch dabei blieb es nicht. Am Montag veröffentlichte sie eine emotionale Instagram-Story, in der sie die Kommentare als „eine Oberfrechheit" bezeichnete.
Die Belastung durch Therapie und Vorurteile
Mit zitternder Stimme schilderte sie die Nebenwirkungen ihrer Behandlung: „Ich bin seit drei Jahren Krebspatient, Palliativpatientin und ich bin vollgestopft bis unters Dach mit Cortison und das seit Monaten." Die Folge: „Natürlich hab ich irgendwann ein Mondgesicht und gehe auf wie so ein Hefezopf, obwohl ich jeden Tag Sport mache, literweise Wasser trinke." Sie wirkt erschöpft – körperlich und emotional.
Ihre Therapie aus Immun- und Strahlenbehandlung verursacht Wassereinlagerungen und Gewichtszunahme, gegen die auch Disziplin kaum ankommt. „Glaubt mir, das ist sehr ermüdend und das nervt brutal", sagte sie. Ihr Kampf gegen die Krankheit ist öffentlich – und die Reaktionen darauf manchmal gnadenlos.
Misstrauen statt Mitgefühl
Auch Skepsis schlägt ihr immer wieder entgegen. Eine andere Userin kommentierte: „Seit Jahren geht es ihr schlecht!!! Und sie sieht aus wie das blühende Leben. Ich weiß nicht mehr, was ich noch glauben soll. Mein Vater hatte auch Krebs und der wäre nicht in der Lage gewesen, sich so zu stylen." Aminati konterte: „Wenn du mich kennen würdest, wüsstest du, dass ich nicht aussehe wie das blühende Leben. Ich trage eine Perücke, habe nach vielen Hirnbestrahlungen Wassereinlagerungen und ein aufgequollenes Gesicht von monatelanger Cortisoneinnahme."
Trotz aller Schwere gibt sich die Ex-Partnerin von Daniel Aminati kämpferisch. Im Podcast „Sitzengeblieben" betonte sie: „Es ist für mich überhaupt keine Option, dass das hier zeitnah endet. Ich glaube, dass ich uralt werde." Für ihren Mut, über Angst, Hoffnung und den Alltag mit Krebs zu sprechen, erhält sie nun den „Ring of Courage".
Ein Appell für mehr Menschlichkeit
Am Ende ihrer Story richtete Aminati einen eindringlichen Appell an ihre Community und alle, die im Netz über kranke Menschen urteilen: „Wenn jemand schon so geschlagen ist vom Schicksal (...) bitte lasst lieber ein bisschen Liebe da. Und wenn ihr nichts Nettes zu sagen habt, dann haltet einfach den Mund." Ein Satz, der die Debatte über den Umgang mit Prominenten und Patienten in sozialen Medien weiter anheizen dürfte.
Bereits im Januar hatte Aminati offen über Haarausfall und andere Nebenwirkungen gesprochen und sich bei ihrer Community für substanzielle Rückmeldungen bedankt. Dass sie nun erneut zur Zielscheibe oberflächlicher Kritik wird, zeigt: Der Kampf um Respekt ist für schwer Erkrankte oft ebenso ermüdend wie die Therapie selbst.





