Timmy ist endlich in Bewegung – aber von Entwarnung kann keine Rede sein. Der gestrandete Buckelwal liegt in einer wassergefüllten Barge, die ein Schlepper Richtung Nordsee zieht. Nach Angaben von ZDFheute übernahm der Schlepper „Robin Hood“ den Lastkahn, nachdem kleinere Boote ihn aus der Kirchsee bei Poel in die Wismarbucht gebracht hatten.
Für die Helfer ist das der bislang sichtbarste Erfolg nach Wochen voller Stillstand, Streit und Sorge. Timmy war in flachen Gewässern vor der Insel Poel festgekommen und hatte nicht mehr aus eigener Kraft in tiefere See gefunden. Der Transport soll ihn nun über die Ostsee in Richtung Nordsee bringen.
Der erste Schritt ist geschafft, der schwerste folgt
Die Barge ist kein normales Transportschiff, sondern ein abgesenkter, mit Wasser gefüllter Lastkahn. Timmy soll darin genügend Auftrieb behalten, während der Schleppverband langsam weiterfährt. Genau darin liegt das Risiko: Der Wal ist geschwächt, die Strecke lang, das Wetter auf See ein zusätzlicher Faktor.
Laut Welt-Bericht zum Schleppverband befand sich die Barge am Morgen bereits südöstlich von Fehmarn. Ziel bleibt, Timmy über die Ostsee und weiter um Dänemark herum in die Nordsee zu bringen, wo er freigelassen werden soll.
Schon vorher hatte der Fall eine massive öffentliche Debatte ausgelöst. Während Unterstützer jeden Rettungsversuch für gerechtfertigt halten, warnen Kritiker vor zusätzlichem Stress für das Tier. Genau diese Frage stand bereits im Raum, als Timmys Zustand zuletzt als immer schwächer beschrieben wurde.
Private Initiative treibt Rettung voran
Die aktuelle Aktion geht auf eine private Rettungsinitiative zurück. Sie hatte in den vergangenen Tagen versucht, die nötige Technik, Schiffe und Genehmigungen zusammenzubringen. Der Plan: Timmy nicht weiter in der flachen Ostsee kämpfen lassen, sondern ihn kontrolliert in tieferes, für Buckelwale geeigneteres Wasser bringen.
Ganz ohne staatliche Begleitung läuft das nicht. Schiffe der Wasserschutzpolizei und weitere Einsatzkräfte begleiteten den Verband zeitweise. Auch Veterinärmediziner sollen die Fahrt beobachten. Entscheidend ist jetzt nicht nur, ob die Route technisch gelingt, sondern ob Timmy den Transport körperlich verkraftet.
Warum die Nordsee das Ziel ist
Buckelwale können in der Nordsee und im Atlantik deutlich bessere Bedingungen finden als in flachen Küstenbereichen der Ostsee. Dort aber muss Timmy erst ankommen. Der Schleppverband fährt langsam, weil jede stärkere Belastung den Lastkahn, die Stabilität des Wassers im Inneren und damit auch den Wal gefährden könnte.
Offen bleibt, wann Timmy tatsächlich freigelassen werden kann. Die nächsten Etappen hängen von Wetter, Seegang, Technik und dem Zustand des Tieres ab. Der wichtigste Satz dieser Rettung bleibt deshalb unbequem: Timmy ist unterwegs – aber gerettet ist er erst, wenn er lebend und stabil wieder frei schwimmen kann.





