Innerhalb von nur drei Monaten haben sich in Berlin 35 Männer mit der gefährlicheren Mpox-Variante Clade Ib infiziert. 34 dieser Infektionen wurden nicht aus dem Ausland eingeschleppt, sondern mitten in der Hauptstadt erworben. Das geht aus einer aktuellen Eurosurveillance-Studie des Landesamts für Gesundheit und Soziales Berlin hervor.
Der erste Clade-Ib-Fall in Berlin wurde Mitte Dezember 2025 registriert und galt noch als reiseassoziiert. Doch bereits in der ersten Januarwoche 2026 meldeten die Behörden den ersten lokal erworbenen Fall. Epidemiologische Untersuchungen ergaben: Es gibt keinerlei Verbindung zwischen dem importierten Fall und den Autochthonen.
These sequences from MSM-associated cases revealed a genetic cluster that differs from other German MPXV clade Ib sequences obtained from travel-associated cases and their household contacts from 2024 to 2025.Alexander Bartel, Epidemiologe und Hauptautor der Studie, Landesamt für Gesundheit und Soziales Berlin
Die Genomsequenzierung zeigt: Die Berliner Clade-Ib-Fälle sind genetisch eng miteinander verwandt und bilden ein eigenes Cluster. Das Virus zirkuliert in einem lokalen Übertragungsnetzwerk, das unabhängig von früheren Reisefällen gewachsen ist. Sämtliche 35 Clade-Ib-Fälle betrafen Männer, das mediane Alter liegt bei 35 Jahren. 80 Prozent der Infizierten sind Männer, die Sex mit Männern haben (MSM).
Berlin war schon 2022 Europas Mpox-Hotspot
Bereits während des internationalen Clade-IIb-Ausbruchs 2022 spielte Berlin eine zentrale Rolle. Die Stadt galt damals als Ausgangspunkt der Welle in Europa. Jetzt wiederholt sich das Muster mit der gefährlicheren Clade Ib. Alexander Bartel, Epidemiologe am Berliner Landesamt, stellt nüchtern fest:
Berlin represented a hotspot of epidemiological dynamics in Europe.Alexander Bartel, Epidemiologe, Landesamt für Gesundheit und Soziales Berlin
Die Zahlen unterstreichen die Dynamik. In den ersten zehn Kalenderwochen 2026 wurden in Berlin insgesamt 47 Mpox-Fälle registriert – mehr als in den gesamten Jahren 2023 (10 Fälle), 2024 (8 Fälle) oder 2025 (27 Fälle). Seit Kalenderwoche 6 dominiert Clade Ib das Infektionsgeschehen.
Das Landesamt für Gesundheit und Soziales Berlin empfiehlt die Impfung mit dem Mpox-Impfstoff Imvanex® für Risikogruppen. Dazu zählen Männer, trans und nicht-binäre Personen mit häufig wechselnden Sexualpartnern sowie Sexarbeiterinnen und Sexarbeiter. Auch Frauen und FLINTA-Personen mit häufigen anonymen Sexualkontakten können sich impfen lassen.
Die Sorge der Behörden reicht über die Stadtgrenzen hinaus. Im Februar 2026 meldeten mehrere europäische Länder Clade-Ib-Infektionen, die auf sexuelle Kontakte in Berlin zurückgeführt wurden. Die Stadt droht erneut zum Ausgangspunkt einer internationalen Ausbreitung zu werden.
Die Autorinnen und Autoren der Studie fordern flächendeckende Tests, zügige Impfungen und eine lückenlose Genomüberwachung, um die Übertragungskette zu durchbrechen. Ob das gelingt, wird sich in den kommenden Wochen zeigen – die Fallzahlen steigen.





