AfD-Kundgebung vor dem Roten Rathaus
Rund 600 Teilnehmer zählte die Polizei bei der Wahlkampferöffnung der Berliner AfD am Montagabend vor dem Roten Rathaus – 1.000 waren angemeldet. Wie der Tagesspiegel berichtete, führten Spitzenkandidatin Kristin Brinker und Bundesvorsitzender Tino Chrupalla die Rednerliste an, gemeinsam mit dem sachsen-anhaltischen Landtagsabgeordneten Ulrich Siegmund und Dennis Hohloch aus Brandenburg. Den Abschluss bildete das gemeinsame Singen der Nationalhymne.
Arbeitspflicht und Abschiebeoffensive
Inhaltlich standen migrationspolitische Forderungen im Zentrum. Ulrich Siegmund kündigte für den Fall einer Regierungsübernahme an, man werde „gleich am ersten Tag“ eine flächendeckende Arbeitspflicht für Asylbewerber einführen und ihnen das Leben „so unbequem wie möglich“ machen. Dennis Hohloch radikalisierte die Forderung mit dem Zwischenruf: „Wir müssen Millionen abschieben“ – obwohl die Zahl der tatsächlich ausreisepflichtigen Personen in Deutschland bei rund 230.000 liegt.
Brinker selbst attackierte den Regierenden Bürgermeister Kai Wegner (CDU) scharf. Sie nannte ihn ein „Paradebeispiel für diesen Verfall“ und warf ihm „Lügereigeschichten“ in Zusammenhang mit dem sogenannten Tennisgate vor. Wegner hatte während eines tagelangen Stromausfalls im Januar eine Stunde Tennis gespielt und dies zunächst verschwiegen.
Tino Chrupalla forderte, Wegner müsse „in Rente gehen“, und erklärte: „Wir werden dieses Rote Rathaus zum ersten Mal blau machen.“ Der Europaabgeordnete Alexander Sell griff zudem die Bildungssenatorin an, verwechselte dabei jedoch deren Ressort mit dem Kulturressort.
Gegenprotest und Neonazi-Präsenz
Die Kundgebung stieß auf erheblichen Widerspruch. Ein antifaschistisches Bündnis unter dem Namen „Autonomes Solidarisches Antifaschistisches Netzwerk Berlin“ (ASAN) hatte zu einer Gegendemonstration aufgerufen. Wie die taz berichtete, versammelten sich vor Ort zahlreiche Protestierende, die mit Trillerpfeifen und Sprechchören wie „Die Schuldigen sitzen da drinnen“ gegen die AfD angingen. Unter den Teilnehmern der AfD-Versammlung wurde zudem der vorbestrafte Neonazi Amin K. gesichtet, der 2022 mit einem Amoklauf an einer Schule gedroht hatte. Die AfD wies jede Verantwortung von sich.
Kristin Brinker, die 2025 mit 92 Prozent zur Spitzenkandidatin gewählt wurde, will am 20. September 2026 als erste AfD-Politikerin ins Amt der Regierenden Bürgermeisterin einziehen. In Umfragen liegt die AfD zuletzt knapp hinter der CDU auf Platz zwei – deutlich vor SPD, Grünen und Linken.
Die AfD strebt ein zweistelliges Ergebnis an und will stärkste Kraft werden, auch wenn eine Regierungsbeteiligung mangels Koalitionspartnern unrealistisch erscheint. Brinker setzt auf eine konfrontative Kampagne gegen die amtierende Regierung und eine harte Linie in der Migrationspolitik – offen bleibt, wie die Wähler darauf reagieren.





