Martenstein gegen Lanz: Heftiger Schlagabtausch zur AfD
Schriftsteller und Bild-Kolumnist Harald Martenstein hat in der ZDF-Talkshow „Markus Lanz“ die Brandmauer zur AfD infrage gestellt und eine faire Chance für die Partei gefordert. Moderator Markus Lanz widersprach Martenstein direkt ins Gesicht: „Das ist jetzt nicht einfach nur eine normale Partei.“ Zuvor hatte Publizist Albrecht von Lucke scharf attackiert, Medien wie die Bild-Zeitung würden eine Koalition mit der AfD befördern.
Die Stimmung im Land fasste Autorin Juli Zeh zu Beginn der Sendung mit zwei Worten zusammen: „Alles scheiße.“ Sie verwies auf das, was sie „auf den Straßen, an den Zäunen und zum Teil auch in den Zügen und in den Städten“ höre. Von Lucke mahnte zur historischen Einordnung, doch Zeh hielt dagegen: „Die Stimmung ist in Demokratien halt ein Faktor. (...) Ein Problem der Lage ist, dass genau darauf zu wenig gehört wird.“
Martenstein knüpfte an Zehs Diagnose an und benannte den Kern des Unbehagens: „Das verbreitete Gefühl, dass man mit Wahlen eigentlich nichts mehr ändern kann.“ Der Bild-Kolumnist leitete daraus ab, dass die Brandmauer auf Dauer „keinen Bestand haben“ werde. Von Lucke reagierte entsetzt und warf Martenstein vor, eine Koalition der AfD mit der CDU in die Wege zu leiten – „beispielsweise auch von Medien, für die Herr Martenstein schreibt!“
Martenstein verteidigte sich mit einem Vergleich: „Alle Parteien dieses Landes haben in den letzten Jahren ihre Wählerschaft an dem einen oder anderen Punkt enttäuscht. Nur eine Partei nicht – nur die AfD nicht. Sie hatte nämlich niemals die Chance dazu.“
„Ich finde nicht, dass es Koalitionen geben sollte, aber ich finde, man sollte die AfD als das behandeln, was sie ist – nämlich eine normale Partei, nicht die neue NSDAP.“Harald Martenstein
Auf Lanz’ Widerspruch reagierte Martenstein mit einem demokratischen Argument: „Was eine normale Partei ist, muss ja die Bevölkerung entscheiden! Alle Staatsgewalt geht von der Wahlbevölkerung aus.“ Von Lucke warnte hingegen eindringlich: „Wenn man es nicht deutlich macht, warum die CDU mit dieser Partei nicht regieren kann, dann hat man ein gewaltiges Problem!“
Juli Zeh lenkte den Blick auf die praktische Konsequenz künftiger Wahlergebnisse: „Wir werden bald pragmatisch vor dem Problem stehen, wie man überhaupt handlungsfähig sein kann als Regierung mit solchen Wahlergebnissen dieser Partei.“ Als Lösung schlug Martenstein vor, die Ursachen des Frusts zu beseitigen: „Die Probleme, die die Leute abturnen, müssen angefasst werden – zum Beispiel die Energiekosten senken.“
Bereits im Februar hatte Martenstein bei Lanz ein AfD-Verbotsverfahren abgelehnt und die Gleichsetzung mit der NSDAP als „historischen Unsinn“ bezeichnet. Die jetzige Eskalation zeigt, wie sehr die Brandmauer angesichts hoher Umfragewerte der AfD und sinkender Regierungszufriedenheit unter Druck steht. Ob sich die CDU auf Dauer einer Koalition verweigern kann, bleibt offen.





