Zahl der Vorfälle steigt um ein Drittel
Im Jahr 2025 dokumentierten Beratungsstellen und die Allianz CLAIM 4.096 antimuslimische Vorfälle in Deutschland. Das entspricht einem Anstieg um 33 Prozent gegenüber dem Vorjahr (3.080 Fälle). Rein rechnerisch passierten 2025 mehr als elf Vorfälle pro Tag.
Die Daten stammen aus 38 Meldestellen in 15 Bundesländern, dem Meldeportal I-Report und einem KI-gestützten Monitoring. CLAIM betont, dass es sich um Taten ober- und unterhalb der Strafbarkeitsgrenze handelt – die Dunkelziffer ist hoch.
Verbale Angriffe dominieren, körperliche Gewalt nimmt zu
61,1 Prozent der Fälle waren verbale Attacken wie Beleidigungen und Bedrohungen (2.379). Diskriminierungen machten 21,5 Prozent aus (840), darunter Benachteiligungen bei der Wohnungssuche oder in Behörden. 17,4 Prozent (689) entfielen auf schädigendes Verhalten wie Körperverletzungen oder Sachbeschädigungen.
Die Zahl der Körperverletzungen stieg von 198 auf 214, darunter vier versuchte Tötungen. Zwei Tötungsdelikte mit antimuslimischem Motiv wurden gemeldet, außerdem fünf Brandstiftungen und 61 Angriffe auf Moscheen. Mehrere Moscheen in Nordrhein-Westfalen erhielten Bombendrohungen.
Wir dokumentieren eine besorgniserregende Zunahme von Diskriminierungen, Übergriffen bis hin zur Gewalt gegenüber Muslim*innen und als solche wahrgenommenen Menschen. Das hat nicht nur gravierende Folgen für Betroffene, sondern Auswirkungen auf uns alle.Rima Hanano, Leitung von CLAIM
Frauen mit Kopftuch besonders betroffen
Fast zwei Drittel der individuellen Opfer (64,5 Prozent) sind Frauen. Besonders sichtbare muslimische Frauen, etwa mit Kopftuch, werden Opfer von Beleidigungen und tätlichen Angriffen. In Dresden versuchte eine Frau, einer 14-Jährigen das Kopftuch herunterzureißen, in Berlin wurde einer Frau das Kopftuch zerrissen.
Auch Kinder sind betroffen: In Bayern wurden zwei Schulkinder mit einem Hammer angegriffen und verletzt. Viele Vorfälle im Alltag werden aus Angst oder Resignation nicht gemeldet, warnt CLAIM.
Ich sehe, dass muslimische Menschen in Debatten vor allem als Sicherheits- und Integrationsproblem vorkommen, aber nicht als Betroffene von Ausgrenzung und Gewalt.Rima Hanano
CLAIM fordert von der neuen Bundesregierung verbindliche Maßnahmen gegen antimuslimischen Rassismus. Hanano spricht von einer „neuen Qualität“ der Gewalt – mit zunehmender Normalisierung und Brutalität. Die Organisation weist darauf hin, dass Deutschland mit rund 5,5 Millionen Musliminnen und Muslimen die zweitgrößte muslimische Bevölkerung Westeuropas hat.





