Eskalation im Showgeschäft
Mit einem einzigen Interview hat Til Schweiger eine beispiellose Eskalation im deutschen Showgeschäft ausgelöst. Der 60-jährige Schauspieler und Regisseur nannte Jan Böhmermann das „größte Brechmittel in der deutschen Medienlandschaft“ und räumte ein, sich früher vorgenommen zu haben, dem ZDF-Satiriker „eine fette Schelle“ zu geben. Das Interview erschien am 25. April 2024 in der Wochenzeitung Die Zeit und hat ein Nachbeben ausgelöst, das an Heftigkeit kaum zu überbieten ist.
Böhmermann ist für mich das größte Brechmittel in der deutschen Medienlandschaft.Til Schweiger, Schauspieler und Regisseur
Schweiger beließ es nicht bei dieser Aussage. Er griff auch Entertainer Oliver Pocher scharf an. Beide hätten keinen echten Humor, sondern würden immer nur auf Kosten anderer lachen. „Wenn ein Joke mal auf ihre Kosten geht, ziehen sie eine Flunsch und kommen sofort mit einem Anwalt um die Ecke. Bäh!“, zitierte ihn der BILD-Bericht.
Ich habe nämlich wirklich einen guten Humor – im Gegensatz zu Leuten wie Jan Böhmermann oder Oliver Pocher, die verachte ich, weil sie immer nur auf Kosten von anderen lachen.Til Schweiger, Schauspieler und Regisseur
Gewaltfantasie und Beinahe-Begegnung
Auf die Frage, ob er Böhmermann jemals begegnet sei, antwortete Schweiger mit einer brisanten Geständigkeit. Er habe sich geschworen, der Satiriker bekomme bei einem Treffen eine „fette Schelle“. Die Gelegenheit bot sich in einer Lufthansa-Lounge, wo Böhmermann sich hinter einer Zeitung versteckt, aber immer wieder zu ihm herübergeschielt habe.
Wenn ich den treffe, das hatte ich mir mal geschworen, kriegt der eine fette Schelle.Til Schweiger, Schauspieler und Regisseur
Zum Glück, so Schweiger, habe er nicht auf das „Teufelchen“ in seinem Kopf gehört, sondern auf das „Engelchen“ und Böhmermann verschont. Dass er jedoch grundsätzlich zu Handgreiflichkeiten fähig ist, räumte er mit einem weiteren Geständnis ein: Am Set von „Manta Manta – Zwoter Teil“ habe er einem Mitarbeiter „einen Klaps“ verpasst. Die Ursache: „Ich hatte noch Standgas von der vorherigen Nacht, als ich ans Set kam.“ Er habe sich am nächsten Tag entschuldigt, und der Mitarbeiter habe ihm verziehen.
Gott sei Dank habe ich nicht auf das Teufelchen in meinem Kopf gehört, sondern auf das Engelchen und habe ihn verschont.Til Schweiger, Schauspieler und Regisseur
Böhmermanns Reaktion: Drohung gegen di Lorenzo
Jan Böhmermann antwortete postwendend. In einer mehrteiligen Instagram-Story veröffentlichte er eine schriftliche „Gegendarstellung“: Er sei Schweiger niemals in einer Lufthansa-Lounge begegnet, und die „Süddeutsche Zeitung“ habe er ebenfalls noch nie gelesen. Dann schwenkte die Kamera auf den ZDF-Moderator, der mit kaum verhohlener Aggression austeilte – allerdings nicht gegen Schweiger, sondern gegen Giovanni di Lorenzo, den Chefredakteur der „Zeit“.
Di Lorenzo müsse die publizistische Verantwortung tragen, so Böhmermann. Er habe sich geschworen, ihm „in die Fresse“ zu hauen, er kriege „eine Schelle von mir“. Den Vorwurf, Gewalt zu verherrlichen oder aufzurufen, gab Böhmermann damit direkt an die „Zeit“ zurück.
Man kann so etwas doch nicht einfach drucken! Wenn man das doch macht, dann kriegt man Schelle, Giovanni!Jan Böhmermann, Satiriker und ZDF-Moderator
Pocher bleibt gelassen
Oliver Pocher, der zweite von Schweiger Attackierte, reagierte deutlich entspannter. Er postete in seiner Instagram-Story ein Archivfoto von sich und Schweiger – kommentarlos, nur mit der minimalistischen Unterschrift: „Ich mag Til Schweiger.“ Ob das ernst oder ironisch gemeint war, ließ er offen.
Der Konflikt ist damit keineswegs beendet. Schweiger hat mit seinem Rundumschlag nicht nur zwei Kollegen erzürnt, sondern auch die Frage aufgeworfen, wo die Grenze zwischen Satire, persönlicher Abrechnung und Gewaltfantasie verläuft. Während Böhmermann weiter auf Konfrontation setzt, bleibt offen, ob und wie die „Zeit“-Redaktion auf die öffentliche Drohung gegen ihren Chef reagieren wird.





