Wadephul wirbt in São Paulo um Fachkräfte – und kritisiert „Überreaktionen“ von Deutschen
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Wadephul wirbt in São Paulo um Fachkräfte – und kritisiert „Überreaktionen“ von Deutschen

In Brasilien sucht Außenminister Wadephul dringend benötigte Arbeitskräfte. Gleichzeitig greift er die Migrationsdebatte in Deutschland an – und räumt Ängste vor Rassismus ein.

Deutschland braucht dringend Fachkräfte

Deutschland befinde sich in einem „Lernprozess“ darüber, wer Deutscher sei oder Staatsbürger werden könne. Mit diesen Worten warb Bundesaußenminister Johann Wadephul (CDU) am 2. Juli 2026 im Goethe-Institut in São Paulo für die Zuwanderung junger Brasilianer. Deutschland brauche „die Offenheit, sie in unserem Land willkommen zu heißen“, so der Minister.

Wadephul räumte jedoch auch Probleme ein. Es gebe Widerstände gegen Migration und „problematische Kriminalität in diesem Bereich“. Zugleich kritisierte er scharf, was er als überzogene Reaktionen in der deutschen Bevölkerung bezeichnete:

Es gibt viele Überreaktionen von Deutschen, die auch problematisch sind und die unnötig sind.
Johann Wadephul (Bundesaußenminister (CDU))

Jeder, der bereit sei, sich zu integrieren, die Sprache zu lernen und zur Gesellschaft beizutragen, „soll dazugehören und soll Teil des Ganzen sein“, betonte er. Einige wollten dies zwar politisch anders darstellen, „aber denen werden wir sehr, sehr deutlich widersprechen“.

Ängste vor Rassismus und konkrete Bildungswege

Der Leiter der Spracharbeit Südamerika des Goethe-Instituts, Jörg Klinner, berichtete dem Minister von Ängsten der Sprachschüler vor Ausländerfeindlichkeit und Rassismus in Deutschland. Wadephul versuchte zu beruhigen und ließ sich von einem 18-jährigen Brasilianer dessen Pläne schildern: Victor will für eine Ausbildung zum Krankenpfleger nach Cottbus gehen.

In gibt es vier Goethe-Institute mit jährlich rund 2.800 Kursteilnehmern und knapp 10.000 Sprachprüfungsteilnehmern. Hinzu kommen vier deutsche Auslandsschulen – darunter die größte deutsche Auslandsschule überhaupt in São Paulo mit mehr als 8.000 Schülern. 80 Prozent der Abiturienten dieser Schulen gehen anschließend zum Studium nach Deutschland.

Diplomatische Reise mit Nebenwirkungen

Der Besuch war Teil einer viertägigen Südamerika-Reise mit Stationen in den USA, Paraguay und Argentinien. Begleitet wurde Wadephul vom ehemaligen deutsch-brasilianischen Fußballprofi Cacau als Sportbotschafter – gemeinsam spielten sie mit Sprachschülern Fußball.

Am Folgetag traf Wadephul in Brasília seinen Amtskollegen Mauro Vieira, um über die Umsetzung des EU-Mercosur-Freihandelsabkommens zu beraten, das im Mai 2026 vorläufig in Kraft getreten war. Konkrete Zielzahlen für die Anwerbung brasilianischer Fachkräfte nannte der Minister nicht. Ob ein neues bilaterales Fachkräfteabkommen geplant ist, blieb offen.

Gescheitertes Pflegeabkommen als Vorgeschichte

Bereits unter der Vorgängerregierung scheiterte ein Anwerbeabkommen mit Brasilien für Pflegekräfte, unter anderem weil Abschlüsse nicht anerkannt wurden und Fachkräfte nur als Hilfskräfte eingesetzt werden konnten. Das Abkommen trat Ende 2023 außer Kraft.

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