Sechsfacher Mord aus Wut über Sorgerechtsentzug: Täter in Türkei als Sexualstraftäter gesucht
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PanoramaStade-Attentat

Sechsfacher Mord aus Wut über Sorgerechtsentzug: Täter in Türkei als Sexualstraftäter gesucht

In einer Mutter-Kind-Einrichtung in Stade tötete Fatih Khan G. sechs Menschen, darunter Mitarbeiter des Jugendamts. Zuvor war er wegen sexuellen Missbrauchs verurteilt und aus der Haft geflohen – und deutsche Behörden hatten mehrfach Warnsignale ignoriert.

Sechs Tote, weil ein Vater die Entscheidung des Jugendamts nicht ertragen kann. Am 29. Juni 2026 kommt Fatih Khan G. zu einer Mutter-Kind-Einrichtung in Stade – bewaffnet mit einer Pistole. Er soll an einem Hilfeplangespräch teilnehmen, stattdessen richtet er ein Massaker an.

Der 45-jährige türkische Staatsbürger erschoss fünf Frauen und einen Mann. Alle Opfer waren Mitarbeiter der Jugendhilfe und des Jugendamts. Nach der Tat flüchtete er mit der Patentante seines Kindes, Sylvia S., in einem Auto, das kurz zuvor noch auf den SPD-Politiker Deniz Kurku zugelassen war. Polizisten fassten beide nach kurzer Fahndung. Fatih Khan G. soll versucht haben, sich das Leben zu nehmen.

Täter in der Türkei wegen Sexualdelikten gesucht

Wie die Junge Freiheit berichtet, war Fatih Khan G. in der Türkei mehrfach vorbestraft. 2007 soll er eine schwere Sexualstraftat begangen haben. 2021 brach er aus der Untersuchungshaft aus und stand seither auf der Fahndungsliste. Ein Gericht in Kahramanmaraş verhandelt zudem gegen ihn wegen sexuellen Missbrauchs einer Tochter aus einer früheren Beziehung. Sein Halbbruder erklärte: „Seitdem er aus dem Gefängnis ausgebrochen ist, habe ich keinen Kontakt mehr zu ihm. Ich bin schockiert von den Morden, die ihm vorgeworfen werden.“

In Deutschland führte der Mann eine neue Beziehung, aus der Anfang 2026 eine Tochter hervorging. Am 12. April brachten die Eltern den Säugling mit Erbrechen und Zuckungen in die Medizinische Hochschule Hannover. Ärzte diagnostizierten eine Hirnblutung und äußerten laut SPIEGEL den dringenden Verdacht, der Vater habe das Baby geschüttelt. Fatih Khan G. soll daraufhin die Mediziner massiv bedroht haben. Das Jugendamt nahm Mutter und Kind in Obhut und brachte sie in der Stader Einrichtung unter.

Trotz dieser Warnsignale durfte G. an dem Hilfeplangespräch am 29. Juni teilnehmen. Die Staatsanwaltschaft Hannover hatte ein Ermittlungsverfahren wegen Bedrohung eingeleitet. Ein weiteres Verfahren – mutmaßlich wegen des Schüttelns – war von der Staatsanwaltschaft Stade eingestellt worden. Drei Tage vor der Tat soll die Patentante in einem Hilferuf vor einer Eskalation gewarnt haben.

Ermittlungen und offene Fragen

Die Staatsanwaltschaft Stade wertet die Tat als sechsfachen Mord. Sie gab an, über die Vorstrafen in der Türkei keine eigenen Erkenntnisse gehabt zu haben; der Informationsaustausch mit türkischen Behörden sei „schwierig“. Hunderte Menschen nahmen an einer Trauerfeier teil. Die Bildungsgewerkschaft forderte besseren Schutz für Helfer in sozialen Einrichtungen.

Ein Stadtrat äußerte die Befürchtung, Rechtspopulisten könnten die Bluttat instrumentalisieren, und sagte: „Nichts ist so groß wie die Angst vorm Jugendamt bei migrantischen Familien.“ Die Ermittler prüfen zudem, ob sich die Kindesmutter zum Tatzeitpunkt in unmittelbarer Nähe aufhielt.

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