„Ich wurde entsorgt“ – die öffentliche Anklage des Vaters
Seit Jahren überschattet ein tiefer familiärer Bruch das Leben der Bergsteiger-Legende Reinhold Messner. Im Jahr 2019 verteilte der 81-Jährige sein geschätztes Vermögen von 30 bis 37 Millionen Euro vorzeitig an seine vier Kinder. Rückblickend nennt er diesen Schritt seinen „größten Fehler“. In einem Radio-Interview bei Ö3 beklagte er gemeinsam mit seiner dritten Ehefrau Diane: „Ich war so naiv, dass ich gedacht habe, ich gebe mit warmen Händen. Sobald sie alles hatten, kam sofort der Versuch, mich auszugrenzen und Diane auszugrenzen. Ich wurde entsorgt!“
Sohn Simon widerspricht: „Es stimmt nicht, dass wir ihn entsorgt haben“
Dieser Darstellung tritt sein Sohn Simon Messner, selbst Alpinist, Bergbauer und Filmemacher, nun entschieden entgegen. In einem Interview mit t-online reagierte der 36-Jährige mit deutlichen Worten: „Es tut unendlich weh, weil es einfach nicht wahr ist. Es stimmt nicht, dass wir ihn entsorgt haben. Er hat sich uns entzogen. Ich vermisse meinen Vater jeden Tag.“ Er betont, er habe nie um die Übertragung der zwei Bauernhöfe in Südtirol gebeten und die Erhaltung sei keine leichte Aufgabe. Den kausalen Zusammenhang zwischen Erbverteilung und Bruch weist er zurück – stattdessen habe sich die Entfremdung „step-by-step“ vollzogen.
„Es ist schon sehr skurril, zu behaupten, man wurde entsorgt und man weigert sich, zur gleichen Zeit die Kinder zu treffen. Es ist sehr, sehr traurig.“Simon Messner über den Widerspruch in den Aussagen seines Vaters
Keine Versöhnung in Sicht: Kontaktsperre per Anwalt
Jegliche Annäherungsversuche Simons laufen ins Leere und werden mit juristischen Schreiben beantwortet. „Ich habe das öfter schon versucht, aber dann kommt sofort ein Schreiben über einen Anwalt. Er wünscht keinen Kontakt mehr zu mir, was mich sehr schmerzt“, erklärte der Sohn. Briefe und Anrufe blieben erfolglos. Nicht nur ihm, sondern dem gesamten früheren Umfeld der Bergsteiger-Legende sei es so ergangen. „Es ist unerträglich und unbegreiflich“, fasste Simon Messner zusammen. Er und seine Geschwister wüssten nicht, warum ihr Vater sich so verhalte.
„Ich habe das öfter schon versucht, aber dann kommt sofort ein Schreiben über einen Anwalt. Er wünscht keinen Kontakt mehr zu mir, was mich sehr schmerzt.“Simon Messner über die vergeblichen Versuche, seinen Vater zu erreichen
„Ich möchte es anders machen“ – Simon Messner als Vater
Die Geburt seiner eigenen Tochter Valentina hat Simons Blick auf den Vaterkonflikt noch einmal geschärft. Er zieht einen bewussten Vergleich zu Reinhold Messner und macht deutlich, dass er sein Vatersein fundamental anders gestalten wolle: „Ich möchte nicht falsch verstanden werden, aber ich möchte es einfach anders machen. Ich sehe es als meine Verantwortung, als Elternteil da zu sein und mich zu kümmern. Vor allem in den ersten Jahren.“ Diese Haltung habe auch zu einer beruflichen Neuorientierung geführt – er ziehe sich aus dem riskanten Extremsport zurück, um für seine Tochter präsent zu sein.
„Ich möchte nicht falsch verstanden werden, aber ich möchte es einfach anders machen.“Simon Messner über seine eigenen Vorstellungen von Vaterschaft
Trotz der tiefen Zerrüttung würdigt Simon die alpinistischen Leistungen seines Vaters, den er als einen „extrem herausstechenden Alpinisten“ mit einem „unglaublichen Willen“ bezeichnet. Eine Versöhnung scheint derzeit jedoch ausgeschlossen. Reinhold Messner hält die totale Funkstille aufrecht, während sein Sohn weiter auf ein Lebenszeichen hofft, das bislang nur von Anwälten kommt.





