Beamte arbeiten bis zu acht Wochen vom Strand – nun schafft das Ministerium die Mallorca-Regel ab
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PolitikHomeoffice-Missbrauch

Beamte arbeiten bis zu acht Wochen vom Strand – nun schafft das Ministerium die Mallorca-Regel ab

In vielen Bundesbehörden können Beschäftigte wochenlang vom Ausland aus arbeiten. Nach Enthüllungen über systematischen Missbrauch – Beamte gingen während der Arbeitszeit Skifahren oder an den Strand – zieht das Gesundheitsministerium nun Konsequenzen.

Bis zu acht Wochen vom Strand aus arbeiten – und das nicht im Urlaub, sondern während der regulären Arbeitszeit. In deutschen Bundesbehörden ist das Realität, wie jetzt durch Recherchen von BILD bekannt wurde. Beamte nutzten die großzügigen Homeoffice-Regelungen systematisch aus, gingen Skifahren, Angeln oder verbrachten den Tag am See, während sie offiziell ihrer Arbeit nachgingen.

Gegenüber BILD schilderten Behördenmitarbeiter anonym Fälle aus ihrem Arbeitsalltag. Demnach täuschten Kollegen lediglich Arbeit vor und widmeten sich stattdessen ausgiebigen Freizeitaktivitäten – ohne einen Urlaubstag nehmen zu müssen. In einer der enthüllten Dienstvereinbarungen ist mobiles Arbeiten von nahezu jedem Ort der Welt erlaubt, teils ohne geografische Begrenzung auf Europa.

Arbeiten vom Strand: Die Mallorca-Regel

In manchen Bundesbehörden dürfen Beschäftigte bis zu acht Wochen vom Ausland aus arbeiten. Der Alltag sieht dann oft so aus: morgens ein paar E-Mails, mittags an den Strand, abends Tapas am Hafen. Die als „Mallorca-Regel“ bekannt gewordene Praxis war ursprünglich als Flexibilisierungsinstrument gedacht, wurde jedoch vielerorts zum Freifahrtschein für ausgedehnte Fernreisen.

Die Regelungen basieren auf Dienstvereinbarungen der einzelnen Häuser. Einen bundeseinheitlichen gesetzlichen Anspruch auf mobiles Arbeiten gibt es nicht. Entsprechend unterschiedlich sind die Vorgaben: Während einige Behörden den Auslandsaufenthalt strikt begrenzen, lassen andere ihren Mitarbeitern freie Hand.

Gesundheitsministerium zieht Konsequenzen

Nach den Enthüllungen kündigte das Bundesgesundheitsministerium unter Ministerin Nina Warken (CDU) am 29. Juni 2026 an, die Mallorca-Regel zu kippen. Bereits Mitte Juni hatte das Ministerium verlautbaren lassen, die Privilegien abschaffen zu wollen – dies zeitgleich mit Vorbereitungen zu drastischen Kürzungen im Gesundheitswesen. Ein Ministeriumssprecher bestätigte gegenüber BILD, dass die Regelung überarbeitet werde.

Die dbb Beamtenbund und Tarifunion hatte bereits im September 2025 auf die Notwendigkeit klarer Regeln hingewiesen. Ein Sprecher erklärte damals, Homeoffice sei ein wichtiger Attraktivitätsfaktor für den öffentlichen Dienst, müsse aber klar geregelt sein, um nicht zum Nachteil zu werden.

Unklare Rechtslage und offene Fragen

Während das Gesundheitsministerium als erstes Ressort die Konsequenzen zieht, bleibt unklar, ob andere Bundesbehörden nachziehen werden. Auch die Frage nach möglichen Disziplinarverfahren gegen die betroffenen Beamten ist offen. Fest steht: Der Druck auf die Politik, die Homeoffice-Praxis im öffentlichen Dienst strenger zu regulieren, dürfte nach den Enthüllungen steigen.

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