Mehrere Journalisten wurden am Rande der Proteste gegen den AfD-Bundesparteitag in Erfurt körperlich attackiert und verletzt. Das linke Aktionsbündnis „Widersetzen“ rechtfertigte die Übergriffe nun auf einer Pressekonferenz – und erklärte, Reporter bestimmter Medien seien auf ihren Aktionen nicht willkommen.
Besonders betroffen war ein Team des Portals „Apollo News“: Die Reporter wurden nach eigenen Angaben am Samstag, dem 4. Juli 2026, von einer Gruppe Demonstranten zunächst beschimpft, dann verfolgt und schließlich zusammengeschlagen. Einem der Journalisten wurde, als er bereits am Boden lag, gegen den Kopf getreten. Er erlitt eine Platzwunde und musste im Krankenhaus behandelt werden, ein weiterer trug Schürfwunden und Prellungen davon.
Jagd auf Reporter
Videos, die unter anderem FOCUS online und der WELT vorliegen, zeigen den Hergang: Eine Frau ruft mehrfach „Verpisst Euch!“, dann wird ein Reporter geschubst, die drei Medienvertreter rennen los, eine Menge von rund zwanzig Vermummten hetzt ihnen hinterher. Auch ein Team der „Jungen Freiheit“ wurde attackiert – in Anwesenheit von Organisatoren des Bündnisses, wie das Blatt berichtete.
Die Polizei bestätigte, dass aus einer Versammlung heraus zwei Journalisten durch Flaschenwürfe verletzt wurden, einer von ihnen wurde mit einem Rettungswagen abtransportiert. Ein Sprecher erklärte: „Angriffe auf Journalistinnen und Journalisten werden von uns konsequent verfolgt. Wir gehen jedem Hinweis nach.“
„Faschisten mit Presseausweis“
Auf der Pressekonferenz am Sonntag verweigerten die Sprecher von „Widersetzen“ zunächst die Antwort auf die Frage eines „Apollo News“-Reporters, ob das Bündnis die Gewalt verurteile. Als Journalisten anderer Medien dieselbe Frage wiederholten, trat ein Sprecher ans Mikrofon und rechtfertigte die Angriffe mit deutlichen Worten.
Wir sind nach Erfurt gekommen, um Faschisten zu blockieren. Faschisten mit einem Presseausweis sind immer noch Faschisten. Ich weiß nicht, was Sie nicht verstanden haben. Sie sind auf unseren Aktionen nicht willkommen. Sie können auch gerne jetzt gehen.Sprecher des Bündnisses „Widersetzen“ auf der Pressekonferenz am 5. Juli 2026
Diese Position steht im offenen Widerspruch zu den selbst auferlegten Grundsätzen des Bündnisses. Auf seiner Website hatte es zuvor erklärt, von ihm werde „keine Eskalation ausgehen“, der Aktionskonsens sei ein verbindlicher Rahmen für alle Teilnehmenden. Vor Ort riefen Ordner über Megafon: „Wir bleiben ganz ruhig, wir sind friedlich.“
Ermittlungen und Debatte
Die Polizei leitete ein Ermittlungsverfahren ein; die Reporter erstatteten Anzeige. Bereits 45 Minuten nach dem Vorfall filmten Polizisten der Beweisdokumentation die Gesichter sitzender Aktivisten, um mögliche Täter zu identifizieren – bis zum Sonntagabend war noch niemand ermittelt.
Der Vorfall befeuert eine Debatte über die Grenzen politischer Mobilisierung. Im Jahr 2025 registrierte die Polizei deutschlandweit 55 brutale Angriffe auf Journalisten. Politiker und Medienverbände verurteilten die Übergriffe und mahnten, dass Pressefreiheit auch bei polarisierenden Demonstrationen uneingeschränkt gelten müsse. Wie sich die fehlende Distanzierung der Organisatoren auf künftige Proteste auswirkt, bleibt abzuwarten.





