Handel fordert komplette Freigabe – ver.di warnt vor Jobverlust
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Handel fordert komplette Freigabe – ver.di warnt vor Jobverlust

Nach der geplanten Ausweitung der Sonntagsarbeit für Bäckereien fordern Handelsverbände die völlige Freigabe der Ladenöffnung an Sonntagen. Die Gewerkschaft ver.di spricht von „Totalverweigerung“ und fürchtet um Arbeitsplätze.

Handel fordert komplette Sonntagsöffnung

Die schwarz-rote Koalition hatte am 1. Juli beschlossen, Bäckereien und Konditoreien ab 2027 bis zu acht Stunden Sonntagsarbeit zu erlauben – bisher waren es nur drei. Nun fordern die großen Handelsverbände die völlige Freigabe der Sonntagsöffnung für alle Geschäfte, wie die Zeit berichtet.

Einkaufen ist auch Freizeiterlebnis. Daher setzen wir uns für Sonntagsöffnungen im Einzelhandel ein, um Innenstädte attraktiv und lebendig zu halten.
Stefan Genth, Hauptgeschäftsführer HDE

Genth warf der Gewerkschaft ver.di eine „gewerkschaftliche Totalverweigerung“ vor. Gerade in der schwierigen Konsumlage seien Sonntagsöffnungen wichtig – besonders für Textilhändler.

Rechtssicherheit und Kritik aus Sachsen

Nils Busch-Petersen (Handelsverband Berlin-Brandenburg) argumentiert: „Wer in Deutschland sonntags ein Hemd verkauft, macht sich strafbar. Das ist im Online-Zeitalter von vorgestern.“ Er forderte, die Entscheidung über Sonntagsöffnungen den Kaufleuten und Kunden zu überlassen.

Nach aktuellem Recht bedarf es stets eines besonderen Anlasses für Sonntagsöffnungen. Die Anforderungen sind teils undurchsichtig. Den Kommunen sind rechtssichere Genehmigungen kaum möglich. Es bedarf dringend einer Gesetzesänderung.
René Glaser, Hauptgeschäftsführer Handelsverband Sachsen

Die Rechtslage ist zersplittert: Das Arbeitszeitgesetz des Bundes regelt, wer arbeiten darf; die tatsächlichen Ladenöffnungszeiten bestimmen die Länder. Seit der Föderalismusreform 2006 herrscht ein Flickenteppich.

ver.di warnt vor Jobverlust

Die Gewerkschaft ver.di lehnt eine Ausweitung strikt ab und verteidigt den grundgesetzlichen Schutz des freien Sonntags (Art. 140 GG). Nils Böhlke von ver.di warnt vor zusätzlicher Belastung der Beschäftigten:

Die Beschäftigten haben ohnehin schon sehr familienunfreundliche Arbeitszeiten. Wenn dann noch Sonntage hinzukommen, wird der Job noch unattraktiver.
Nils Böhlke, Gewerkschaftssekretär ver.di

Die Gewerkschaft befürchtet zudem, dass längere Öffnungszeiten keine Umsatzsteigerung bringen, sondern Arbeitsplätze vernichten, weil die Einnahmen nur auf mehr Tage verteilt werden.

Der Zentralverband des Bäckerhandwerks kritisiert die geplante Neuregelung: Sie sei praxisfern. Hauptgeschäftsführer Friedemann Berg stellt klar, dass sich für Verbraucher nichts ändere; Verbandspräsident Roland Ermer bemängelt, die Sonderregeln ignorierten mehrtägige Herstellungsprozesse wie bei Sauerteigbrot.

Eine konkrete Gesetzesinitiative zur völligen Freigabe der Sonntagsöffnung gibt es bislang nicht. Die Forderungen der Handelsverbände sind öffentliche Appelle. Das Reformpaket der Koalition für Bäckereien und Bibliotheken muss noch den Bundestag passieren – frühestens ab Januar 2027 würden neue Regeln gelten.

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