Vier Werke vor dem Aus: VW plant Schließungen und Abbau von 100.000 Stellen
KI-Bild
WirtschaftVW-Umbau

Vier Werke vor dem Aus: VW plant Schließungen und Abbau von 100.000 Stellen

Volkswagen erwägt die Schließung von vier deutschen Werken und den Abbau von bis zu 100.000 Arbeitsplätzen. Die IG Metall ruft zu Protesten an 18 Standorten auf.

Radikaler Konzernumbau

Volkswagen steht vor dem radikalsten Umbau seiner Geschichte: Am 9. Juli 2026 legte der Vorstand dem Aufsichtsrat einen Plan vor, der die Schließung von vier deutschen Werken und den Abbau von bis zu 100.000 Arbeitsplätzen vorsieht – doppelt so viele wie noch im März kommuniziert. Vor den Werkstoren protestierten zeitgleich Tausende Beschäftigte der IG Metall.

Hannover, Emden, Zwickau und Audi Neckarsulm betroffen

Betroffen sind die VW-Standorte Hannover (ID.Buzz, T7 Multivan), Emden (ID.7) und Zwickau (ID.7, Audi Q4 e-tron) sowie das Audi-Werk Neckarsulm (A5, A6). Laut Reuters sollen die Fertigungen auslaufen, sobald die aktuellen Modelle aus dem Programm genommen werden – möglicherweise Anfang der 2030er Jahre. In den vier Fabriken arbeiten rund 40.000 Menschen.

Gewinneinbruch und hohe Kosten zwingen zum Handeln

Der Konzern hatte bereits im ersten Quartal 2026 einen Gewinneinbruch von 28 Prozent hinnehmen müssen. Die Verkäufe in Nordamerika sanken um neun, in China gar um 20 Prozent. Schon 2025 war der operative Gewinn auf 6,9 Milliarden Euro und die Marge auf ein historisches Tief gefallen. Finanzvorstand Arno Antlitz nannte sie „viel zu niedrig“. Intern war das Ziel ausgegeben worden, die Kosten bis 2028 um 20 Prozent zu senken – nun soll das Sparvolumen bis 2031 auf 50 Milliarden Euro steigen.

Aufgeblähte Struktur: 60 Prozent mehr Personal als Toyota

Ein Grund für die hohen Kosten ist die gewaltige Belegschaft. Mit fast 680.000 Beschäftigten (inklusive China-Joint-Ventures) hat VW 60 Prozent mehr Mitarbeiter als Toyota und 140 Prozent mehr als Stellantis, wie die Deutsche Welle analysierte. Hinzu kommt: Die Fabrikkosten in Deutschland sind nach Expertenschätzung bis zu doppelt so hoch wie die der globalen Konkurrenz.

IG Metall ruft zu Massenprotesten auf

Die Arbeitnehmerseite reagierte mit scharfer Ablehnung. Die IG Metall rief an 18 Standorten zu Arbeitsniederlegungen zwischen 11.20 Uhr und 14.00 Uhr auf. IG-Metall-Vorsitzende Christiane Benner erklärte:

Das sendet ein klares Signal an den Vorstand.
Christiane Benner, Vorsitzende der IG Metall

Die Gewerkschaft warf dem Vorstand vor, "die Verantwortung für die Fehler der letzten Jahre auf die Belegschaft abzuwälzen". Die Entscheidung im Aufsichtsrat gilt als richtungsweisend für die gesamte deutsche Autoindustrie. Rund drei Millionen Arbeitsplätze hängen direkt oder indirekt an der Branche.

Umfrage
Lädt
Mehr aus

Wirtschaft