5.120 Hitzetote bis Juni: Warum der Schutz versagt und die nächste Welle anrollt
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PolitikHitzewelle 2026

5.120 Hitzetote bis Juni: Warum der Schutz versagt und die nächste Welle anrollt

Die meisten Opfer sind über 75 Jahre alt. Während die Politik über Hitzeschutzpläne streitet, fordert die Deutsche Stiftung Patientenschutz 30 Milliarden Euro. Doch die nächste Hitzewelle ist schon im Anmarsch.

Die Bilanz ist verheerend: Allein in der letzten Juniwoche starben in Deutschland schätzungsweise 4.310 Menschen an den Folgen der extremen Hitze. Das Robert Koch-Institut (RKI) meldete am 9. Juli für den gesamten Zeitraum von Mitte April bis Ende Juni insgesamt 5.120 Hitzetote – und die nächste Hitzewelle ist bereits im Anmarsch.

Tödlichste Sommerwoche seit 26 Jahren

Laut Statistischem Bundesamt wurden in der Kalenderwoche 26 (22. bis 28. Juni) 23.665 Sterbefälle registriert – ein Anstieg von 47 Prozent gegenüber dem Durchschnitt der letzten 25 Jahre und die höchste Zahl in einer Sommerwoche seit 26 Jahren. Besonders betroffen sind ältere Menschen: Rund 4.270 der hitzebedingten Todesfälle entfielen auf die Altersgruppe 75+.

Der Juni 2026 war nach Angaben des Deutschen Wetterdienstes (DWD) mit 19,5 Grad Durchschnittstemperatur der zweitwärmste Juni seit Messbeginn. An 46 Wetterstationen in elf Bundesländern wurde die 40-Grad-Marke erreicht oder überschritten, der Spitzenwert lag bei 41,7 Grad in Neißemünde (Brandenburg). Die Nacht vom 27. auf den 28. Juni war die wärmste Nacht seit Aufzeichnungsbeginn.

Milliarden-Forderung und politischer Stillstand

Die Deutsche Stiftung Patientenschutz kritisierte die mangelnde Vorbereitung der Pflegeeinrichtungen. Vorstand Eugen Brysch findet deutliche Worte:

„Schon an einfachsten Maßnahmen wie Außenbeschattungen mangelt es. Hitzeschutzpläne enden dort, wo der Patientenschutz Geld kostet, und die Umsetzung dauert.“
Eugen Brysch, Deutsche Stiftung Patientenschutz

Er forderte ein Hitzestopp-Investitionsprogramm von 30 Milliarden Euro. Eine Reaktion der Bundesregierung blieb zunächst aus. Im Bundestag wurden in der Hitzewoche mehrere Anträge zum besseren Arbeitnehmerschutz beraten, etwa zu Klima-Kurzarbeitergeld und Berufskrankheiten. Doch die Umsetzung des Klimaanpassungsgesetzes von 2024 stockt: Viele Kommunen haben noch immer keine Hitzeaktionspläne.

Nächste Hitzewelle rollt an – Modelle uneins

Während die Temperaturen kurzzeitig sinken, warnen Wetterexperten bereits vor der nächsten Hitzewelle. Diplom-Meteorologe Dominik Jung sagte mit Blick auf aktuelle Prognosen:

„Es sieht so aus, als würde sich das gleiche Schema wie in den vergangenen Tagen wiederholen. Das ist dramatisch.“
Dominik Jung, Diplom-Meteorologe wetter.net

Der DWD rechnet in seiner Zehn-Tage-Vorhersage mit einer deutlichen Erwärmung ab dem 9. Juli, am Oberrhein mit bis zu 35 Grad. Ein Modell berechnet für den 12. Juli sogar 38 Grad. Die Wettermodelle sind sich allerdings uneins über die Stabilität der kommenden Hochdrucklage. Während das europäische ECMWF-Modell eine länger anhaltende Hitzeglocke sieht, rechnet das amerikanische GFS-Modell schon früh mit Gewittern. Wie viele zusätzliche Todesfälle die neue Hitzewelle fordern wird, ist noch unklar.

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Forschungsdirektor Sebastian Klüsener vom Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung ordnete die Zahlen unterdessen ein:

„Der Anstieg ist auf jeden Fall erheblich.“
Sebastian Klüsener, Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung

Er wies darauf hin, dass erst in den Folgewochen erkennbar sei, ob die Hitzewelle vor allem ohnehin schwer kranke Menschen vorzeitig sterben ließ oder auch gesündere traf.

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