Fast fünf Jahre Haft für Millionenbetrug im Sozialamt
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PanoramaFördergeldbetrug

Fast fünf Jahre Haft für Millionenbetrug im Sozialamt

Ein langjähriger Beamter des Kreises Viersen hat über Jahre Fördergelder für behindertengerechte Arbeitsplätze abgezweigt. Nun wurde er zu vier Jahren und acht Monaten Haft verurteilt – und muss den Schaden von über einer Million Euro zurückzahlen.

Der Verdacht kommt von einer neuen Kollegin

Eine neue Mitarbeiterin des Kreissozialamtes war es, die im November 2024 auf Ungereimtheiten stieß. Ihr war eine Auszahlungsanforderung aufgefallen, die zu einer Firma führte, die es so nicht geben konnte. Wie der WDR berichtet, führte die interne Prüfung schnell zu einem langjährigen Kollegen, der über Jahre hinweg Fördergelder in die eigene Tasche umgeleitet haben soll. Der 51-Jährige wurde noch im selben Monat festgenommen.

Die genannte Firma war merkwürdig und unter der Firmenadresse in Niederkrüchten fand sich ein Getränkemarkt.
Mitarbeiterin der Behörde

Elf Jahre lang fälschte er Anträge

Vor dem Landgericht Mönchengladbach räumte der Angeklagte ein, seit April 2013 fast 90 Mal Förderanträge für behindertengerechte Arbeitsplatzausstattungen gestellt zu haben – im Namen existierender oder frei erfundener Firmen. Er bewilligte die Anträge selbst und überwies die Gelder auf sein eigenes Konto.

Im Schnitt hatte ich 8.000 Euro im Monat.
Der Angeklagte vor Gericht

Die eigentlich vom Landschaftsverband Rheinland (LVR) getragenen Fördersummen flossen so über Jahre in seine private Tasche. Insgesamt geht die Staatsanwaltschaft von einem Schaden von über einer Million Euro aus. Um die Taten zu verschleiern, fälschte der 51-Jährige Kostenvoranschläge, Rechnungen und ganze Akten – ein jahrelanges System, das erst aufflog, als eine aufmerksame Kollegin Verdacht schöpfte.

„Es war zu verlockend“ – das Geständnis

Im Prozess zeigte sich der ehemalige Beamte reumütig, wie die Welle Niederrhein berichtet. Er entschuldigte sich und legte nicht nur die 36 angeklagten Fälle offen, sondern gab auch über 80 weitere, bereits verjährte Taten zu. Als Motiv nannte er seine Familie: „Ich habe das Geld nicht für Luxusgüter verprasst, sondern nur für meine Familie und Reisen mit meinen beiden autistischen Kindern ausgegeben.“

Warum er trotz anfänglicher Bedenken weitermachte? Der Angeklagte beschrieb die Verlockung, die von dem einfachen System ausging.

Erst hab' ich gedacht, das kann doch nicht sein, dass das so einfach geht. Und als das dann klappte, war es zu verlockend.
Der Angeklagte

Urteil: Vier Jahre und acht Monate Haft

Das Landgericht Mönchengladbach verurteilte den 51-Jährigen am 19. Mai 2026 wegen besonders schweren Betrugs zu einer Freiheitsstrafe von vier Jahren und acht Monaten. Die Vorsitzende Richterin verwies auf die hohe kriminelle Energie und den Vertrauensmissbrauch als Beamter. Zusätzlich muss der Mann den gesamten Schaden zurückzahlen – mindestens 500.000 Euro aus den nicht verjährten Fällen, insgesamt jedoch mehr als eine Million Euro.

Der Fall wirft Fragen nach den Kontrollmechanismen im Sozialamt auf. Wie konnte ein einzelner Mitarbeiter über so lange Zeit unentdeckt Fördergelder in Millionenhöhe abzweigen? Für den Kreis Viersen ist die Aufarbeitung noch nicht abgeschlossen.

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