Die ungleiche Partnerin
Sie feiert in Berliner Techno-Clubs, posiert mit der Axt auf dem Eis – und ist die Partnerin der AfD-Vorsitzenden Alice Weidel. Sarah Bossard, 43, teilt mit der Politikerin eine eingetragene Lebenspartnerschaft und zwei adoptierte Söhne. Doch jetzt hat Bossard überraschend ihren Instagram-Account gelöscht, auf dem sie jahrelang private Einblicke gewährt hatte. Der Gegensatz zwischen ihrem offenen Lebensstil und der konservativen Parteilinie der AfD sorgt immer wieder für Irritationen.
Vom Breakdance zur Filmproduktion
Bossard kam 1982 in Sri Lanka zur Welt und wurde mit vier Monaten von einem Schweizer Pfarrerehepaar adoptiert. In ihrer Jugend tanzte sie Breakdance, später studierte sie an einer Filmschule in Los Angeles. Seit 2009 ist sie im deutschsprachigen Filmmarkt aktiv und hat an über 20 Produktionen mitgewirkt – darunter „Die göttliche Ordnung“, „Papa Moll“ und Roman Polanskis „The Palace“. 2019 gründete sie ihre eigene Firma Kopernikus Films AG in Zürich.
Mit Alice Weidel ist sie seit 2009 liiert. Das Paar lebt in einer eingetragenen Partnerschaft, die der Ehe für alle rechtlich gleichkommt – ein Modell, das Teile der AfD ablehnen. 2017 outete sich Weidel öffentlich als homosexuell. Später adoptierten die beiden zwei Söhne, die unterschiedliche Väter haben.
Familienleben zwischen Biel und Einsiedeln
Zunächst wohnte die Familie im schweizerischen Biel. Doch Weidels politischer Aufstieg brachte Anfeindungen: Unterschriftenaktionen und Lichterketten richteten sich gegen sie. Weidel berichtete, ihr ältester Sohn habe „plötzlich niemanden mehr zum Spielen“ gehabt. Einmal seien sie und die Kinder auf der Straße umkreist und als „scheiß Nazis“ beschimpft worden. 2019 zog die Familie ins beschauliche Einsiedeln südlich von Zürich.
Öffentlich privat – bis zur Löschung
Anders als Weidel, die ihr Privatleben politisch strikt abschirmt, gab Bossard auf Instagram freizügige Einblicke: Sie tanzte zu Techno-Beats, zeigte sich beim Bergsteigen oder beim „Cardancing“ mit Weidel im Auto. Zu ihrem 17. Jahrestag postete sie:
Auf 17 Jahre durchs Leben gehen, auf viele Streits und viele Lösungen, auf viel viel Lachen, noch mehr tanzen und laute Musik, auf gutes Essen, aufs Aufräumen jeden Tag und auf die Berge von Wäsche.Sarah Bossard auf Instagram
Im Mai 2025 verschwand das Profil plötzlich. Aus Weidels Umfeld hieß es, Bossard fehle die Zeit, weil sie an einem neuen Filmprojekt arbeite. Beobachter vermuten, dass der Druck der Öffentlichkeit eine Rolle gespielt haben könnte.
Das politische Paradoxon
Bossards Lebensentwurf steht im Kontrast zur AfD, die in Teilen als gesichert rechtsextremistisch eingestuft wird und mit traditionellen Familienbildern Wahlkampf macht. In einem Interview mit dem „Tages-Anzeiger“ sagte Bossard zur Kampagne gegen die „Ehe für alle“:
Die Kampagne ist nicht nur geschmacklos, sondern geht an unserer Lebenswirklichkeit völlig vorbei.Sarah Bossard im Tages-Anzeiger
Sie fügte hinzu: „Viele Schwule und Lesben möchten einfach ihre Ruhe.“ Weidel selbst lehnt es ab, als „queer“ bezeichnet zu werden, und sagte einmal: „Familienpolitische Sprecherin werde ich bestimmt nie werden.“
Bei einer Veranstaltung in Zürich rief Weidel einmal unerwartet in den Saal: „Sarah, ich liebe dich“ und beklagte, dass sie nicht mehr spontan ins Restaurant gehen könne, ohne Angst vor Übergriffen zu haben. Es bleibt eine offene Frage, wie lange Bossard noch die öffentliche Zurückhaltung übt – und ob ihr nächstes Filmprojekt die Kluft zwischen Privatleben und Politik sichtbarer macht.





