4.996 Firmenpleiten in drei Monaten: Insolvenzen erreichen 21-Jahres-Hoch
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Insolvenz-Tsunami

4.996 Firmenpleiten in drei Monaten: Insolvenzen erreichen 21-Jahres-Hoch

Die Zahl der Firmeninsolvenzen ist im zweiten Quartal 2026 auf den höchsten Stand seit 2005 gestiegen. 45.500 Arbeitsplätze sind akut gefährdet – und die Frühindikatoren deuten auf weitere Steigerungen hin.

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Rekordwert seit 21 Jahren

4.996 Insolvenzen von Personen- und Kapitalgesellschaften binnen drei Monaten – so viele wie seit dem zweiten Quartal 2005 nicht mehr. Das ist der traurige Rekord, den das Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung Halle (IWH) am Donnerstag vermeldete. Allein im Juni 2026 gab es 1.702 Firmenpleiten – 12 Prozent mehr als im Mai, 20 Prozent mehr als im Vorjahresmonat und satte 80 Prozent mehr als in einem durchschnittlichen Juni der Jahre 2016 bis 2019.

45.500 Arbeitsplätze betroffen

Die Betroffenheit der Beschäftigten übertrifft sogar den Rekord von 2005: Rund 45.500 Arbeitsplätze gingen im zweiten Quartal durch Insolvenzen verloren oder sind akut gefährdet, damals waren es 41.500. Allein bei den größten zehn Prozent der insolventen Firmen im Juni standen mehr als 14.000 Stellen auf dem Spiel – 26 Prozent mehr als noch im Mai.

Pleitewelle erfasst fast alle Branchen

Seit Erhebungsbeginn im Januar 2020 verzeichneten das Baugewerbe, der Handel, das Gastgewerbe, das Grundstücks- und Wohnungswesen sowie Dienstleistungen neue Höchstwerte. Einzig das Verarbeitende Gewerbe blieb unter dem Peak aus dem zweiten Quartal 2025. Auch fast alle Bundesländer erreichten neue Rekordstände, besonders Nordrhein-Westfalen und Hessen stachen im Juni hervor.

„Insolvenzen treffen die Wirtschaft in der Breite“

Die IWH-Frühindikatoren, die dem Insolvenzgeschehen um zwei bis drei Monate vorauslaufen, liegen 13 Prozent über dem Niveau des zweiten Quartals 2025. Auch wenn sie im Vergleich zum ersten Quartal 2026 leicht zurückgingen, warnt Institutsleiter Steffen Müller vor falschen Hoffnungen.

Die aktuellen Zahlen zeigen, dass das Insolvenzgeschehen weiterhin auf einem außergewöhnlich hohen Niveau liegt. Die Lage ist schwierig: Die Insolvenzen treffen die Wirtschaft in der Breite. Viele Branchen und Regionen sind gleichzeitig betroffen. Für das dritte Quartal ist weiterhin mit höheren Insolvenzzahlen als im Vorjahr zu rechnen.
Steffen Müller, Leiter IWH-Insolvenzforschung

Müller bestätigt, dass die pleitebedingten Jobverluste den Negativrekord von 2005 übertroffen haben. Insgesamt meldete der Inkassodienstleister Creditreform für das erste Halbjahr 12.900 Unternehmensinsolvenzen – den höchsten Stand seit 2013.

Corona-Hilfen und Strukturprobleme

Ein Teil der Pleitewelle geht auf die Pandemie zurück: Laut einer ZEW-Studie konnten staatliche Hilfen rund 140.000 Unternehmen vor der Insolvenz bewahren. Nun müssen sich diese Firmen unter verschärften Bedingungen behaupten. Hinzu kommen der demografische Wandel, hohe Bürokratiekosten, gestörte Lieferketten und hohe Energiepreise. Dass die Sanierungsquote bei Großinsolvenzen – so eine Analyse von Falkensteg – von 57 Prozent im Jahr 2020 auf 32,1 Prozent im Jahr 2025 gesunken ist, verschärft die Lage zusätzlich.

Immerhin gab es im Mai 2026 den vierten Monat in Folge steigende Exporte und eine wachsende Industrieproduktion. „Für die deutsche Wirtschaft war der Mai ein guter Monat“, sagte Thomas Gitzel, Chefvolkswirt der VP Bank. An der Insolvenzfront ist von dieser konjunkturellen Erholung jedoch nichts zu spüren.

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