Moskau droht mit Angriffen auf Friedenstruppe
Die Sprecherin des russischen Außenministeriums, Maria Sacharowa, hat die von westlichen Verbündeten geplante multinationale Schutztruppe für die Ukraine als legitimes militärisches Ziel eingestuft. „Die Stationierung jeglicher Militärkontingente der sogenannten ,Koalition der Willigen‘ in der Ukraine ist für unser Land inakzeptabel“, erklärte sie am Mittwoch in Moskau. Die Warnung richtete sich gegen alle Einheiten, Einrichtungen und Waffendepots westlicher Staaten auf ukrainischem Boden – für Russland wäre dies eine „ausländische Intervention“, so Sacharowa laut Reuters.
Pariser Gipfel als Auslöser
Auslöser der harschen Reaktion ist das 16. Treffen der „Coalition of the Willing“ am 13. Juli in Paris. Im Hôtel des Invalides versammelten sich 37 Staats- und Regierungschefs, darunter Frankreichs Präsident Emmanuel Macron, der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj, Großbritanniens Premierminister Keir Starmer und Bundeskanzler Friedrich Merz. Im offiziellen Abschlussstatement hieß es: „Wir begrüßen, dass die Multinational Force for Ukraine (MNF-U) einsatzbereit ist, um die ukrainischen Streitkräfte zu regenerieren und der Ukraine auf ihrem Territorium Rückversicherung zu bieten, sobald eine glaubwürdige Einstellung der Feindseligkeiten in Kraft ist.“
Die MNF-U ist eine nicht-ständige multinationale Streitmacht unter politischer Führung Frankreichs und Großbritanniens. Ihr Drei-Sterne-Hauptquartier liegt im Fort Mont-Valérien nahe Paris; ein britisches Zwei-Sterne-Kommando operiert von Kiew aus. 26 Staaten haben formell zugesagt, Truppen zu stellen. Berichten zufolge könnten Frankreich und Großbritannien bis zu 15.000 Soldaten entsenden. Das Vereinigte Königreich hat bereits 200 Millionen Pfund bereitgestellt. Übungen sollen in den kommenden Monaten die Handlungsfähigkeit demonstrieren.
Russlands klare Eskalationsdrohung
Sacharowa warf der Koalition vor, nicht auf Frieden, sondern auf „Militarisierung, Eskalation und Ausweitung des Konflikts“ hinzuarbeiten. Die Gipfelerklärung und der geplante Ausbau der Rüstungskooperation zwischen der Ukraine und NATO-Staaten formten eine „Achse des Krieges“. Sie betonte, dass ein Einsatz der MNF-U zu direkten militärischen Konfrontationen mit westlichen Truppen führen könne. Russlands Führung hat seit Beginn der Diskussion über eine Friedenstruppe wiederholt klargemacht, dass sie keine NATO-Soldaten in der Ukraine akzeptiert – nun folgte die bisher schärfste Warnung.
„The deployment of any military contingents from countries of the so-called 'coalition of the willing' to Ukraine is unacceptable to our country. I repeat: this would amount, de facto, to foreign intervention and an escalation of threats to Russia's security. We would regard such units as legitimate military targets.“
Am Rande des Gipfels gründeten zehn Länder – darunter Deutschland, Frankreich, Großbritannien und die Ukraine – eine „Integrated Anti-Ballistic Missile Coalition“. Die rein defensive Initiative soll einen Fahrplan zur Einsatzfähigkeit entwickeln und die Lieferung von Abfangraketen beschleunigen. Selenskyj kommentierte: „Die Ukraine hat sich jahrelang gegen ballistische Raketen verteidigt, und jeden Tag brauchen wir neue Abfangraketen. Wir haben nicht genug, um ballistische Raketen abzuschießen – das ist die Realität.“
Macron betonte unterdessen die europäische Handlungsfähigkeit: „Was wir hier aufbauen, ist nicht nur für die Ukraine – es zeigt, dass Europa seine eigene Sicherheit in die Hand nehmen und seine Interessen verteidigen kann, einig und stark, ohne Naivität gegenüber den Absichten anderer.“
Die Drohung aus Moskau erhöht den Druck auf die Koalition erheblich. Eine Stationierung der MNF-U in der Ukraine ist zwar an einen Waffenstillstand gebunden, doch bereits die Einsatzbereitschaft und geplanten Übungen reizen das Risiko einer gefährlichen Eskalation. Offen bleibt, ob die westlichen Partner die Truppe tatsächlich entsenden – und wie Russland im Ernstfall militärisch reagieren würde.





