Die 58-Jährige wollte die Trennung – ihr Mann drohte ihr mit dem Tod. Am Dienstagabend eskalierte der jahrelange Ehestreit mitten in der Kelkheimer Innenstadt: Vor den Augen Dutzender Zeugen griff der 60-Jährige seine getrennt lebende Frau mit einer Machete an und fügte ihr mindestens 30 Stich- und Schnittverletzungen zu. Die Frau starb noch am Tatort.
Die Tat
Gegen 21 Uhr am 14. Juli 2026, als in umliegenden Lokalen das WM-Spiel Spanien gegen Frankreich lief, attackierte der 60-jährige Kroate seine 58-jährige Ehefrau auf der belebten Frankfurter Straße, nahe dem Marktplatz. Die Staatsanwaltschaft Frankfurt sprach später von „mindestens 30 abgrenzbaren Stich- und Schnittverletzungen“ im Bereich des Kopfes, Halses, Nackens und Oberkörpers.
Mehrere Passanten griffen beherzt ein und überwältigten den Angreifer, bevor er weiter zustechen konnte. Sie hielten ihn bis zum Eintreffen der Polizei fest. Der Tatverdächtige wurde dabei verletzt, wie die Behörden mitteilten.
Ein Augenzeuge namens Peter, nur fünf Meter vom Geschehen entfernt, schilderte der dpa: „Alles voller Blut. Ich bin um mein Leben gerannt.“ Er beschrieb den Angreifer als womöglich betrunken. Die Frau sei geflohen und schließlich kollabiert. Die Polizei war mit einem Großaufgebot vor Ort und sicherte Spuren.
Das Motiv: Eifersucht und Besitzdenken
Das Paar war seit 1991 verheiratet, hatte sich aber 2023 getrennt. Die Frau gewährte dem Mann jedoch zwischenzeitlich wieder Unterkunft. Seit August 2025 drängte sie auf die Scheidung – der Beschuldigte akzeptierte dies nicht und drohte wiederholt, sie umzubringen, wie aus Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Frankfurt hervorgeht.
Die Behörde sieht das Tatmotiv in „übersteigertem Besitzdenken und Eifersucht, in der Annahme, sie gehe ihm fremd“. Die 58-Jährige hatte zuvor Hilfsangebote der Polizei abgelehnt – in dem Glauben, der Mann werde ihr nichts antun, weil er sie noch liebe. Ein ähnliches Muster zeigte sich auch in anderen Fällen, etwa bei einem Femizid in Offenburg, wo das Opfer trotz Anzeigen und Stalking die Gefahr unterschätzte.
„Leider waren auch jüngere Menschen vor Ort. Doch die Kräfte der Notfallseelsorge haben sich vorbildlich vor allem um die Jüngeren gekümmert.“
Eine Stadt trauert
Am Tag nach der Tat herrschte in der 30.000-Einwohner-Stadt tiefe Betroffenheit. Menschen legten Blumen und Kerzen am Tatort nieder. Blaue Kreise der Spurensicherung zeichneten noch die Blutspuren auf dem Asphalt nach. „Man merkt, dass die Stadt trauert“, sagte Holger Winter, Leiter der Stadtbücherei.
Anwohnerin Heike Koch, die seit 40 Jahren in Kelkheim lebt, brachte ebenfalls Blumen: „Man kriegt schon ein bisschen Angst, wenn man hier mal irgendwo entlang läuft.“ Sie beobachte eine zunehmende Aggressivität in der Gesellschaft.
Femizid – eine strukturelle Gewalt
Die Tat weist alle Merkmale eines Femizids auf – die Tötung einer Frau aufgrund ihres Geschlechts im Kontext von Macht und Besitzdenken. In Deutschland wird durchschnittlich alle zwei bis drei Tage eine Frau von ihrem aktuellen oder früheren Partner getötet. Die Staatsanwaltschaft Frankfurt stufte den Fall als Mord aus niedrigen Beweggründen ein. Der 60-Jährige sitzt in Untersuchungshaft.
Mit der Anklageerhebung wird in den kommenden Wochen gerechnet. In Kelkheim bleibt die Frage, warum die Hilfsangebote die Frau nicht erreichten – und wie ein solches öffentliches Blutbad zu verhindern gewesen wäre.





