Dua Lipa solidarisiert sich mit Protesten
Seit 46 Tagen gehen in Albanien Tausende mit rosa Flamingo-Pappfiguren auf die Straße. Jetzt bekommt die Bewegung prominente Unterstützung: Die britische Popsängerin Dua Lipa hat sich in ihrem „Service95 Book Club“-Podcast hinter die Demonstranten gestellt. Im Gespräch mit der albanischen Akademikerin Lea Ypi nannte sie die anhaltenden Proteste gegen ein milliardenschweres Luxusresort „inspirierend“, wie The Guardian berichtet.
Die 30-jährige Sängerin, deren Eltern aus dem Kosovo stammen, sagte wörtlich: „Ich finde es so inspirierend zu sehen, wie sehr die Menschen sich wirklich kümmern. Tag für Tag gehen sie auf die Straße.“ Besonders alarmiert zeigte sie sich über die Art und Weise, wie das Projekt ermöglicht wurde: „Was mich tatsächlich beunruhigt, ist das Prinzip, dass die Regierung einfach das Gesetz ändern kann, um den Umweltschutz ohne jede öffentliche Konsultation aufzuheben.“ Das albanische Parlament hatte im Dezember 2024 die strengen Schutzgebietsgesetze gelockert und so Bauvorhaben in ökologisch sensiblen Zonen erlaubt.
Das umstrittene Milliardenprojekt
Die Proteste richten sich gegen ein von Jared Kushners Investmentfirma Affinity Partners angeführtes 1,6-Milliarden-Euro-Projekt auf der Insel Sazan und der Halbinsel Zvërnec. Geplant sind Luxushotels, Villen mit bis zu 10.000 Zimmern und ein Yachthafen – mitten im geschützten Vjosa-Narta-Feuchtgebiet, das Lebensraum für Flamingos, Meeresschildkröten und über 200 Zugvogelarten ist. Der Flamingo wurde zum Symbol der Bewegung, die sich selbst „Flamingo-Revolution“ nennt.
Albaniens Ministerpräsident Edi Rama, dessen sozialistische Partei seit 2013 mit absoluter Mehrheit regiert, verteidigt das Vorhaben vehement. Er bezeichnete die Investition als „ein Geschenk an Europa“ und erklärte: „Es gibt absolut keine Chance, dass die Investition gestoppt wird, solange ich hier bin.“ Ivanka Trump, die das Projekt gemeinsam mit ihrem Ehemann Jared Kushner vorantreibt, sprach in einem Podcast von einem „massiven“ und „wunderschönen“ Resort.
Jubel bei Aktivisten und internationale Reaktion
Lipas Statement wurde von der albanischen Umweltbewegung begeistert aufgenommen. Aleksander Trajce, Geschäftsführer der Naturschutzorganisation PPNEA, nannte ihre Worte „fantastisch und gut getimt“ und ergänzte: „Viele, besonders jüngere Albaner, die sie als Idol sehen, wurden inspiriert.“ Die Aktivistin Besjana Gurri sagte, Lipa sende eine „kraftvolle Botschaft“ und helfe, „größere internationale Aufmerksamkeit auf diesen Kampf zu lenken“. In den sozialen Medien wurde die Sängerin dafür gefeiert, dass sie sich trotz ihres Superstar-Status klar positioniert.
Lipas Engagement kommt zu einem Zeitpunkt, an dem die Proteste eskalieren. Am 5. Juli 2026 setzte die Polizei Tränengas und Wasserwerfer gegen Demonstranten vor dem Parlament ein; 15 Beamte wurden verletzt, 25 Personen festgenommen. Die Bewegung hat sich längst zu einer breiteren Opposition gegen die Regierung Rama ausgeweitet, die Oppositionspartei vermutet sogar einen Versuch, sich durch das Projekt „politischen Einfluss bei Trump zu kaufen“.
Ermittlungen wegen gefälschter Urkunden
Parallel zu den Protesten ermittelt die albanische Anti-Korruptionsstaatsanwaltschaft SPAK gegen den Geschäftsmann Artur Shehu, der ein Küstengrundstück an die Entwicklungsgesellschaft des Kushner-Projekts verkauft hatte. Die Behörde geht dem Verdacht gefälschter Eigentumsurkunden und möglicher Geldwäsche nach – rund 110 Millionen Euro aus dem Verkauf wurden eingefroren. Shehus Anwalt weist die Vorwürfe zurück. Bisher gibt es keine Hinweise, dass Kushner oder andere Investoren von den Unregelmäßigkeiten wussten.
Trotz aller Kontroversen hält Ministerpräsident Rama am Projekt fest, während EU-Abgeordnete bereits warnen, dass die Beitrittsverhandlungen mit Albanien gefährdet sein könnten. Die Flamingo-Revolution geht unterdessen weiter – und hat mit Dua Lipa eine mächtige neue Fürsprecherin gewonnen.





