Esther Schweins: „In die Enge getrieben“ – Gottschalks übergriffiges Verhalten löst Empörung aus
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Wetten, dass..?

Esther Schweins: „In die Enge getrieben“ – Gottschalks übergriffiges Verhalten löst Empörung aus

Im Kino-Dokumentarfilm „Was haben wir gelacht“ spricht die Schauspielerin erstmals über ihr Unbehagen bei einem „Wetten, dass..?“-Auftritt 1996 mit Thomas Gottschalk. Die Archivbilder entlarven ein System männlicher Macht – und spalten das Publikum.

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Erstmals spricht Esther Schweins über Gottschalks Verhalten

Der Dokumentarfilm „Was haben wir gelacht“ der Regisseurinnen Eva Müller und Isabelle Schneider, der am 16. Juli 2026 in den deutschen Kinos startet, beleuchtet das deutsche Unterhaltungsfernsehen der 90er- und frühen 2000er-Jahre aus weiblicher Perspektive. Im Zentrum stehen fünf Protagonistinnen: Esther Schweins, Maren Kroymann, Bettina Böttinger, Gaby Köster und Hella von Sinnen. Besonders ein Ausschnitt sorgt für hitzige Debatten: ein Auftritt der damals 26-jährigen Schweins bei „Wetten, dass..?“ aus dem Jahr 1996, wie t-online berichtet.

Moderator Thomas Gottschalk führt sie an der Hand zur Couch und sagt: „Das ist die letzte Chance, die ich habe, dich an der Hand zu führen“. Er rückt ihr körperlich nahe und liest sexualisierte Kommentare vor. Gäste der Sendung waren unter anderem Marius Müller-Westernhagen, Udo Jürgens und die Backstreet Boys.

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Ich habe heute das Herzklopfen, das ich damals in dieser Situation hatte.
Esther Schweins (Schauspielerin und Komikerin)
Mir selber dabei zuzusehen, wie ich, ganz schön authentisch, in die Enge getrieben war und keine Worte dafür hatte, dass es mir nicht gut ging auf dem Sofa.
Esther Schweins (Schauspielerin und Komikerin)

Gottschalks übergriffiges Muster in der Show

Der 76-jährige Gottschalk, der „Wetten, dass..?“ von 1987 bis 2011 und erneut 2021 bis 2023 moderierte, stand wegen seines Verhaltens gegenüber weiblichen Gästen immer wieder in der Kritik. Er tätschelte Schauspielerin Iris Berben das Knie oder fummelte am Kleid von US-Sängerin Beyoncé, als deren Mikrofon verrutschte. In der Dokumentation werden diese Szenen geballt gezeigt und wirken aus heutiger Perspektive, so die Nachrichtenagentur dpa, „nur noch schwer erträglich“.

Ich habe Frauen im TV rein dienstlich angefasst. Wie ein Schauspieler, der im Film küsst, weil es im Drehbuch steht.
Thomas Gottschalk (Entertainer und Ex-„Wetten, dass..?“-Moderator)

Schweins' Tränen und die gespaltene Social-Media-Community

Die Szenen aus dem Film haben in den sozialen Medien eine kontroverse Debatte ausgelöst. Viele Nutzer zeigen sich entsetzt: „Das ist maximal unangenehm“, „Einfach nur abstoßend“ oder „übergriffig“, heißt es. Andere verteidigen Gottschalk mit dem Argument: „Waren halt andere Zeiten“ oder „Keine der Damen hat sich beschwert. Warum tun sie es jetzt?“ Die Wucht der Reaktionen zeigt, wie aktuell das Thema ist – erst kürzlich löste Dieter Nuhrs Femizid-Scherz eine ähnliche Empörungswelle aus.

Auch Schweins' Kollegin Bettina Böttinger äußert sich in der Doku zu den Machtverhältnissen. Sie sagt gegenüber dem NDR:

Wer den Witz hat, der hat auch ein Stück Macht – von Schmidt bis Gottschalk. Die Art und Weise, wie Männer sich gegeben haben und wie sie mit einer, doch muss man schon sagen, gar nicht witzigen Verachtung auf Frauen geblickt haben, das hat schon etwas Erschreckendes.
Bettina Böttinger (Moderatorin und Journalistin)

Ein Film als Statement gegen alte Rollenbilder

Die Produktionsfirma Port au Prince Films sieht den Dokumentarfilm als dringend notwendiges Zeitdokument. Angesichts eines gesellschaftlichen Backlashs, in dem alte Rollenbilder wieder an Boden gewinnen, werde der Kampf der fünf Frauen zum Statement für die Gegenwart, heißt es laut dpa.

Eine Reaktion von Thomas Gottschalk auf die neuen Vorwürfe steht noch aus. Ob der Entertainer zu Schweins' detaillierten Schilderungen Stellung beziehen wird, ist offen. Der Film könnte der Debatte um Sexismus im deutschen Fernsehen neuen Auftrieb geben.

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