Mit scharfen Worten hat Komikerin Hella von Sinnen (67) Kabarettist Dieter Nuhr (65) attackiert. In einem Interview mit der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ (NOZ) warf sie ihm vor, Femizide zu verniedlichen und Frauenhass zu verleugnen. Die Debatte um Nuhrs umstrittene Äußerungen vom 18. Juni spitzt sich damit weiter zu.
In der ARD-Sendung „Nuhr im Ersten XXL“ hatte Nuhr gesagt, die Wahrscheinlichkeit, auf einen Frauenmörder zu treffen, sei „praktisch null“. Man solle den Partner vor dem Geschlechtsverkehr „vielleicht einfach erst mal kennenlernen“. Schon damals löste das eine Welle der Empörung aus. Kritiker warfen ihm Täter-Opfer-Umkehr und Verharmlosung vor.
Hella von Sinnen: „Verniedlichung von Femiziden“
Hella von Sinnen, bekannt aus der Rateshow „Alles Nichts Oder?!“ und zuletzt im Kinofilm „Was haben wir gelacht“ über Sexismus im TV zu sehen, sagte der NOZ, sie sei von Nuhrs Aussage „aus allen Wolken“ gefallen. Ihre Reaktion fällt drastisch aus:
„Jedes Jahr werden an die 350 Frauen von ihren Männern ermordet – und er sagt das? Was ist das für eine unfassbare Unverschämtheit von Nuhr? Was ist das für eine unfassbare Verniedlichung von Femiziden und Verleugnung dieses Frauenhasses? Ich finde das wirklich unglaublich.“
Damit stellt von Sinnen offen die Frage, ob Nuhr weiterhin eine Plattform im öffentlich-rechtlichen Rundfunk erhalten sollte. Konkret sagt sie:
„Ich bin gespannt, ob Herr Nuhr seinen Job bei der ARD behält.“
RBB-Chefin: „Gehört zur Demokratie, das auszuhalten“
Der für die Sendung zuständige Rundfunk Berlin-Brandenburg (RBB) hält trotz massiver Kritik an Nuhr fest. In der Rundfunkratssitzung am 15. Juli bezifferte Intendantin Ulrike Demmer 325 förmliche Programmbeschwerden zur Sendung vom 18. Juni. Sie verteidigte Nuhr mit Verweis auf die Kunstfreiheit:
„Es gehört zur Demokratie, das auszuhalten.“
Dieter Nuhr selbst wies die Vorwürfe auf Facebook zurück. Er betonte, nie Witze über Femizide gemacht zu haben: „Der Vorwurf ist lächerlich. Interneterregung wird zur Volksmeinung umgedeutet. So ist es üblich in diesen Tagen.“ Von den 325 Beschwerden zeigte er sich unbeeindruckt.
Appell an Männer und Blick auf Gottschalk
Im selben Interview appellierte von Sinnen an Männer, angesichts eines ihrer Ansicht nach wieder erstarkenden Rechtstrends Verantwortung zu übernehmen: „Diese Fragen müsst ihr Jungs euch stellen, und dann bitte selbst den Arsch hochkriegen. Das müssen wir nicht auch noch tun.“ Thomas Gottschalk hingegen nahm sie in Schutz: „Der wusste, dass er ein gutaussehender charming Boy ist, und er hatte kein Regulativ.“ Frauenfeindlichkeit unterstelle sie ihm nicht.
Laut Polizeilicher Kriminalstatistik wurden 2024 in Deutschland 308 Mädchen und Frauen getötet. Wie viele davon als Femizide zu werten sind, ist juristisch umstritten. Eine F.A.Z.-Recherche aus 2024 zeigte, dass Gerichte den Begriff unterschiedlich handhaben.
Mit Hella von Sinnen hat sich eine der profiliertesten Stimmen der deutschen Comedy-Szene in die Kontroverse eingeschaltet. Die Debatte um Grenzen des Sagbaren in der Satire und den Umgang mit Femiziden dürfte damit weiter anhalten. Ob der RBB an Nuhr festhält, während die Beschwerden steigen, bleibt offen.





