In der Karlsruher Nordstadt wurde ein 60-jähriger Radfahrer von einem umstürzenden Baum erschlagen – das einzige Todesopfer einer Unwetternacht, die Baden-Württemberg mit Orkanböen, Hagel und Starkregen in Atem hielt. Eine Superzelle war am Donnerstagnachmittag von Echterdingen bei Stuttgart herangezogen und hatte in der Folge weite Teile des Südwestens getroffen.
Feuerwehr im Dauereinsatz
Zwischen 19 und 23 Uhr zählte die Feuerwehr Karlsruhe allein im Stadtgebiet über 250 wetterbedingte Einsätze. Rund 400 Feuerwehrleute und 50 Einsatzkräfte des Technischen Hilfswerks (THW) arbeiteten die Schäden ab: Umgestürzte Bäume blockierten Straßen, Keller liefen voll, Ampeln und Autos wurden durch Hagel zerstört. Die Stadt rief eine „außergewöhnliche Einsatzlage“ aus, um die Koordination zu bündeln.
Neben dem tödlich verunglückten Radfahrer wurden ein weiterer Radfahrer sowie zwei Kinder durch herabfallende Äste verletzt. Insgesamt gab es drei Leichtverletzte durch umherfliegende Gegenstände, teilte die Polizei mit.
DAS FEST AM SEE abgebrochen – Wahrzeichen zerstört
Gegen 19:45 Uhr brachen die Orkanböen auch über die Günther-Klotz-Anlage herein, wo das beliebte VorFest (DAS FEST) in vollem Gange war. Zelte, Getränkestände und Bauzäune wurden zerstört, ein Mitarbeiter des Veranstalters KME Karlsruhe Marketing und Event GmbH verletzt. Geschäftsführer Martin Wacker sagte, die Aufräumarbeiten würden die ganze Nacht dauern.
Das Wahrzeichen des Fests, die beiden Bäume auf dem Mount Klotz, ist dahin: Einer der beiden brach in der Sturmnacht ab. Auch am Freitag blieb DAS FEST AM SEE wegen umgestürzter Bäume und neuer Unwetterwarnungen abgesagt.
Das Rheinstrandbad Rappenwört musste wegen massiver Sturmschäden an zahlreichen Bäumen bis einschließlich Sonntag, 19. Juli, geschlossen werden – das Betreten des Geländes sei lebensgefährlich, warnte das städtische Forstamt und rief generell dazu auf, Wälder zu meiden.
Happiness-Festival: Campingplatz evakuiert
In Straubenhardt-Schwann (Enzkreis) musste das Happiness-Musikfestival unterbrochen werden. Die Veranstalter forderten die Besucher über Instagram dringend auf, das Gelände zu verlassen.
„Begebt euch unverzüglich ins Auto!“
In der Turnhalle in Schwann wurde eine Notunterkunft eingerichtet. Auch am Freitag wurde der Campingplatz wegen erneut drohender Unwetter geräumt.
Schwere Schäden im ganzen Land
Nicht nur Karlsruhe war betroffen: In Pforzheim und im Enzkreis rückte die Feuerwehr rund 30 Mal aus – vollgelaufene Keller, abgedeckte Dächer. In Knittlingen stürzte die Giebelwand eines sanierten Hauses ein, in Ötisheim musste ein Zug evakuiert werden, weil ein umgestürzter Baum die Oberleitung beschädigt hatte.
In Ludwigsburg zählte die Feuerwehr etwa 70 Einsätze; in Besigheim schlug ein Blitz in ein Dach ein und löste einen Brand aus, bei dem Menschen leicht verletzt wurden. Im Rems-Murr-Kreis stürzten Bäume auf ein Gebäude – Schaden rund 100.000 Euro. Im Ostalbkreis gab es über 40 wetterbedingte Einsätze, ein Baum traf ein Auto, ein weiterer ein Haus.
Auf der A8 in Schwaben (Bayern) kam es zwischen Burgau und Günzburg in Fahrtrichtung Stuttgart zu einer Serie von sechs Aquaplaning-Unfällen. Ein Mensch wurde schwer, zwei leicht verletzt; die Fahrbahn musste gereinigt werden, es staute sich auf bis zu zehn Kilometern. In Ulm krachte ein Baum auf ein fahrendes Auto; die Insassen setzten einen Notruf ab, blieben aber unverletzt.
In Neckartailfingen (Kreis Esslingen) begrub ein einstürzender Carport vier Fahrzeuge unter sich – Schaden zwischen 60.000 und 70.000 Euro. Am Flughafen Stuttgart geriet ein Flugzeug in einen Hagelschauer und wurde beschädigt. In Kressbronn am Bodensee zerstörte ein 30 Meter langer Baum mehrere Campingfahrzeuge; eine Familie im Wohnmobil blieb unverletzt, der Sachschaden wird auf rund 150.000 Euro geschätzt.
Auch in Saarbrücken sorgten Starkregen, Sturmböen und ein Blitzeinschlag für über 50 Einsatzstellen; Schwerpunkt war der Osten der Stadt mit Güdingen. Verletzte gab es dort offenbar nicht.
Weitere Unwettergefahr
Der Deutsche Wetterdienst (DWD) hatte bereits am Morgen vor der Unwetterlage gewarnt und sprach von einer Superzelle mit Orkanböen um 120 km/h und Hagelkörnern bis fünf Zentimeter Durchmesser. Für Freitag, 17. Juli, bestand erneut eine Warnung vor schweren Gewittern in weiten Teilen Deutschlands – mit Starkregen, Hagel und Orkanböen. Erst für Samstag erwarteten die Meteorologen eine Beruhigung.





