100. „Anstalt“ ohne Danger Dan: ZDF stoppt Antifa-Song – „ein autoritärer Akt“
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Die Anstalt

100. „Anstalt“ ohne Danger Dan: ZDF stoppt Antifa-Song – „ein autoritärer Akt“

Wenige Stunden vor der Jubiläumssendung lädt das ZDF den Rapper und den Pianisten aus – ihr Song gegen Rechtsextremismus sei ein „Aufruf zu Gewalt“. Die „Anstalt“-Redaktion widerruft und stellt sich gegen den eigenen Sender.

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Um 22:15 Uhr am Dienstag strahlt das ZDF die 100. Folge seiner Politsatire „Die Anstalt“ aus – doch einen der geplanten Höhepunkte hatte die Intendanz kurz vor der Aufzeichnung untersagt. Der Rapper Danger Dan und der Pianist Igor Levit sollten ihren neuen antifaschistischen Song „Keine Angst“ spielen und mit der Redaktion diskutieren. Wenige Stunden vor den Proben teilte ihnen der Sender mit: Auftritt verboten.

Songtext „kann als Aufruf zu Gewalt verstanden werden“

In einer FAQ auf ZDFheute.de begründet der Sender: „Der Text des Liedes kann als Aufruf zu Gewalt verstanden werden. Ein solcher Aufruf stünde im klaren Widerspruch zu den Programmrichtlinien des ZDF.“ Der Song, der erst am Freitag offiziell erschien, enthält Zeilen wie „Lasst euch nicht erwischen, schaut nach Überwachungskameras. Nie ohne Handschuhe, nie ’nen Fingerabdruck hinterlassen“ sowie Grüße an die verurteilte Linksextremistin Lina E. und ihre Mitstreiterinnen. Polizisten wird pauschal unterstellt, rechtsextreme Ansichten zu teilen.

Die Entscheidung fiel nach „intensiver redaktioneller Bewertung“ unter Einbeziehung der Geschäftsleitung, so das ZDF. Den Vorwurf der Zensur weist der Sender zurück und kündigt eine dokumentarisch-journalistische Aufarbeitung des Liedes „an einer anderen Stelle im Programm“ an.

Künstler sehen „Eingriff in die Meinungs- und Kunstfreiheit“

Danger Dan und Igor Levit reagierten auf Instagram. Gemeinsam erklärten sie: „Dieser Eingriff in die Meinungs- und Kunstfreiheit ist skandalös.“ Der Song sei dem Sender Wochen vorher vorgelegt worden und habe nach ihren Informationen sogar das grüne Licht des ZDF-Justiziars erhalten – eine schriftliche Begründung für die Ausladung blieb bis zum Aufzeichnungstermin aus.

Dass eine ZDF-Intendanz autoritär in Sendungen eingreift, antifaschistisches Liedgut verbietet und eine Begründung verweigert […] das nennt man nicht Demokratie, das ist ein autoritärer Akt.
Danger Dan (Rapper und Liedermacher, Antilopen Gang)

Gegenüber dem Spiegel sagte Danger Dan: "Dass der Intendant des ZDF anfängt, antifaschistische Lieder zu zensieren, ist leider ein furchtbares Zeichen." Er betonte: "Ich rufe niemanden dazu auf, in den kriminellen Untergrund zu gehen. Ich verabscheue Gewalt. Aber das Problem ist: Sie ist schon längst politische Realität."

„Anstalt“-Redaktion wehrt sich: „Mutlos“

Noch bemerkenswerter ist die Reaktion innerhalb des Senders. Die Macher der Sendung um Claus von Wagner, Max Uthoff und Maike Kühl widersprachen öffentlich: Die Ausladung nannten sie „mutlos“. Man habe den Auftritt bewusst eingeplant und es als öffentlich-rechtliche Pflicht gesehen, das Lied zu präsentieren und anschließend zu diskutieren – „gerade in Zeiten, in denen rechtsextreme Gewalt wieder stark zunimmt“. Die Redaktion kündigte an, in der Ausstrahlung selbst Stellung zu beziehen.

Der Grünen-Politiker Jürgen Trittin kommentierte auf X: „Nicht von der Kunstfreiheit gedeckt: Antifaschismus im ZDF. Ein peinlicher Kotau vor der AfD.“ In den Netzwerken spaltete der Vorgang die Gemüter: Neben viel Kritik an der Sendereinscheidung gab es auch Zustimmung, etwa für Igor Levit, aber Bedenken, der Song gehe „über die Grenzen des Anstands hinaus“.

Nicht der erste Konflikt – und jetzt ein trotziges Live-Konzert

Es ist der wiederholte Zusammenstoß zwischen Danger Dan und dem ZDF. Bereits 2021 sorgte sein mit Levit im „ZDF Magazin Royale“ aufgeführter Song „Das ist alles von der Kunstfreiheit gedeckt“ für hintergründigen Ärger. Vor einer Woche noch hatte das ZDF aus Danger Dans Laudatio für Levit bei der Opus-Klassik-Verleihung das Wort „AfD-Sympathisanten“ herausgeschnitten – angeblich ein „Fehler aus Zeitdruck“.

Verbieten lassen wollen sich die Künstler aber nicht. Für den Abend der „Anstalt“-Ausstrahlung planten sie kurzfristig einen eigenen Live-Auftritt in Berlin – der Song „Keine Angst“ wird also doch zu hören sein, nur nicht im ZDF. Das gleichnamige Album erscheint im Oktober, eine Tournee ist für den Herbst angekündigt.

Ob der Sender mit seiner dokumentarisch-journalistischen Aufarbeitung die Wogen glätten kann, bleibt offen. Die 100. Folge der „Anstalt“ dürfte nun vor allem wegen der Lücke für Aufsehen sorgen.

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