88 russische Regionen rationieren Benzin – Russland bittet Indien um Lieferungen
KI-Bild
Treibstoffkrise Russland

88 russische Regionen rationieren Benzin – Russland bittet Indien um Lieferungen

Weil ukrainische Angriffe alle großen Raffinerien getroffen haben, ist die Benzinproduktion um ein Viertel eingebrochen. Nun wenden sich russische Energiekonzerne an Indien – ein historischer Tabubruch für den Ölexporteur.

Veröffentlicht
JUX auf Google folgen

Flächendeckende Rationierung nach Angriffen

88 von 89 russischen Regionen haben Ende Juli 2026 Benzin und Diesel rationiert – nur Tschukotka im Fernen Osten ist ausgenommen. Der Grund: Ukrainische Drohnen- und Raketenangriffe haben sämtliche zehn großen Ölraffinerien im europäischen Russland mindestens einmal getroffen, zuletzt am 6. Juli erstmals die Omsk-Raffinerie in Sibirien, mit 2.500 Kilometern Entfernung die größte Anlage des Landes. Die Benzinproduktion brach im Juni um ein Viertel gegenüber dem Vorjahr ein, die gesamte Raffinerieverarbeitung fiel auf 3,91 Millionen Barrel pro Tag – der niedrigste Wert seit März 2005, ein Rückschritt um 21 Jahre.

In der Stadt Tschita warten Autofahrer bis zu 36 Stunden an Tankstellen, Plätze in der Schlange werden für umgerechnet 400 Euro verkauft. Die Benzinpreise stiegen in einer Woche um 2,3 Prozent auf 75,84 Rubel pro Liter, Diesel sogar um 3,2 Prozent. Die Regierung macht Panikkäufe und Spekulanten verantwortlich, doch die Realität sieht anders aus: In mindestens vier Regionen wird Treibstoff nur noch an Personen mit offiziellem Regierungsausweis abgegeben, und die Fahrradverkäufe stiegen im Juni um 131 Prozent.

X · @Exilenova_plus
Es ist buchstäblich ein Kampf ums Überleben.
Anwohnerin aus Gelendschik

Russlands Bitte an Indien – ein historischer Tabubruch

Am 15. Juli meldete Reuters, dass führende russische Energiekonzerne – darunter die Staatsunternehmen Rosneft, Gazprom Neft und Lukoil – indische Raffinerien um zusätzliche Benzinlieferungen ersucht haben. Der ehemalige Energieminister Wladimir Milow kommentierte: „Russlands derzeitiger Ausblick ist im Wesentlichen sehr einfach: ein Importeur von Benzin zu werden. Wie die meisten Länder der Welt. Im Grunde ist das nicht zu beheben." Bereits Mitte Juni brannte die Moskauer Raffinerie nach einem massiven Drohnenangriff, und die Angriffswelle reißt nicht ab.

Die annektierte Halbinsel Krim ist praktisch von der Treibstoffversorgung abgeschnitten: Ukrainische Streitkräfte haben Landkorridore und Seeversorgungsrouten unter Feuer genommen. Allein zwischen dem 6. und 8. Juli wurden 19 russische Tanker und ein Frachtschiff angegriffen. In Sewastopol wird gar kein Treibstoff mehr an Zivilisten verkauft, und die Kertsch-Brücke wird aus Furcht vor Angriffen kaum noch genutzt.

Ernte in Gefahr, Putins Zustimmung sinkt

Landwirtschaftsministerin Oksana Lut räumte am 17. Juli ein, es gebe „raue Stellen vor Ort" bei der Treibstoffversorgung der Bauern. Die Feldarbeiten liegen bereits 2,5 Millionen Hektar – rund zwölf Prozent der Aussaatfläche – hinter dem Zeitplan. Die Duma-Abgeordnete Nina Ostanina kritisierte das Schweigen der Regierung scharf: „Das Land könnte ohne Getreide dastehen, was unter internationalen Sanktionen einem Todesurteil gleichkäme."

Rund 50 Millionen Russen sind laut Financial Times direkt betroffen, und die politischen Folgen zeichnen sich ab: Putins Zustimmungsrate fiel laut einer FOM-Umfrage binnen einer Woche von 74 auf 69 Prozent – der niedrigste Stand seit Kriegsbeginn. Gleichzeitig stieg die Unterstützung für den Krieg laut Lewada-Zentrum auf 36 Prozent. Ob die versprochenen Treibstofflieferungen aus Indien die Lage entspannen können, bleibt offen – die nächsten Wochen dürften über die Stabilität des Landes mitentscheiden.

JUX auf Google folgen
Mehr aus

Wirtschaft