Neuer Sender Sat.2 startet 2027 – mit „Bulle von Tölz“ und Co.
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TV-Überraschung

Neuer Sender Sat.2 startet 2027 – mit „Bulle von Tölz“ und Co.

Während die Branche den Niedergang des linearen Fernsehens beschwört, kündigt ProSiebenSat.1 mit Sat.2 einen neuen Free-TV-Kanal an. Der Sender richtet sich an über 50-Jährige und setzt auf deutsche Serien-Nostalgie.

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Die überraschende Ankündigung

Wie DWDL.de berichtet, gab Henrik Pabst, Chief Content Officer der ProSiebenSat.1 Media SE, am 15. Juli 2026 in einem Interview mit der „Süddeutschen Zeitung“ einen ungewöhnlichen Schritt bekannt: Anfang 2027 soll ein neuer linearer Free-TV-Sender mit dem Namen Sat.2 an den Start gehen.

Der Schritt bricht mit dem Branchentrend: Während ARD und ZDF ihr Senderportfolio verkleinern und die gesamte Fernsehbranche den Bedeutungsverlust des linearen Fernsehens beklagt, baut ProSiebenSat.1 sein klassisches TV-Angebot aus. Pabst zeigte sich im SZ-Interview überzeugt: „Ich bin überzeugt, dass es unsere frei empfangbaren Sender noch lange geben wird. Aber wir verteilen unser Programm heute über alle Plattformen.“

Deutsche Serien-Nostalgie als Programm-Schwerpunkt

Das Leitmotiv von Sat.2 lautet „Wiedersehen macht Freude“. Der Sender setzt auf deutsche Fiction aus den vergangenen zwei Jahrzehnten, vor allem aus dem Archiv von Sat.1. Geplant sind Serienklassiker wie „Der Bulle von Tölz“, „Kommissar Rex“ und die Daily-Soap „Verliebt in Berlin“.

Es gibt eine hohe Nachfrage an großen fiktionalen Serien, die man noch sehr gut von früher kennt. Dazu wird ‚Der Bulle von Tölz‘ und ‚Kommissar Rex‘ gehören und viele alte Dailys wie ‚Verliebt in Berlin‘. Es kann aber auch ein paar tagesaktuelle Ausflüge geben.
Henrik Pabst, Chief Content Officer

In einer Pressemitteilung ergänzte Pabst: „Mit Sat.2 wollen wir unser Portfolio strategisch erweitern und insbesondere den Zuschauerinnen und Zuschauern ab 50 Jahren eine neue und zusätzliche Alternative für ihre Entertainment-Bedürfnisse bieten.“

Zielgruppe 50+ – aber jung im Kopf

Sat.2 ist klar auf eine weibliche Zielgruppe ab 50 Jahren ausgerichtet. Ellen Koch, die bei ProSiebenSat.1 bereits die Zielgruppensender sixx, Sat.1 Gold, ProSieben Maxx und Kabel Eins Doku verantwortet und nun auch für Sat.2 zuständig ist, erklärte das Konzept:

Sat.1 wird vom Publikum heiß geliebt. Mit Sat.2 schaffen wir ein perfektes, zusätzliches Angebot. Getreu dem Leitmotiv ‚Wiedersehen macht Freude‘ zeigen wir die besten Sat.1-Programme aus den vergangenen zwei Jahrzehnten – mit einem klaren Schwerpunkt auf deutscher Fiktion.
Ellen Koch, Verantwortliche Zielgruppensender

Koch betonte zudem: „Unsere Zielgruppe fühlt sich heute zehn Jahre jünger und fitter als früher und nutzt Medien extrem flexibel – egal ob linear, im Streaming oder kostenfrei auf Drittplattformen wie YouTube.“ (CI-6244) Der Sender soll deshalb nicht nur linear, sondern auch als Livestream auf Joyn sowie auf YouTube und anderen Plattformen verfügbar sein.

Abgrenzung zu Sat.1 Gold

Der neue Sender tritt neben den bereits 2013 gestarteten Schwestersender Sat.1 Gold, der ursprünglich ähnliche Ziele verfolgte. Heute zeigt Sat.1 Gold jedoch einen Mix aus neuen und alten US-Serien sowie ehemaligen Sat.1-Formaten. Sat.2 hingegen soll sich ausschließlich auf deutsche Produktionen konzentrieren. Pabst räumte ein, dass Sat.2 „Teil eines viel größeren Puzzles“ sei und verwies auf den Zuwachs der Zielgruppensender in den letzten 18 Monaten um 0,9 Prozentpunkte Marktanteil.

Vermarktung gemeinsam mit Sat.1

Sat.2 wird kombiniert mit Sat.1 vermarktet – ein Modell, das an die Strategie der RTL-Gruppe mit Vox und VoxUp erinnert. Lennart Harendza, Geschäftsführer und Chief Revenue Officer von Seven.One Media, erklärte:

Mit der kombinierten Reichweite von Sat.1 und Sat.2 bieten wir für die Werbekund:innen den Zugang zu einer hochattraktiven Zielgruppe. Außerdem unterstreicht der Start von Sat.2 unseren Ansatz, konsequent auf werbefinanzierte Inhalte zu setzen.
Lennart Harendza, Geschäftsführer Seven.One Media

Konkrete Reichweitenziele wollte Pabst im SZ-Interview nicht nennen: „Wir haben eine Planung, die ich Ihnen noch nicht nennen will.“

Offene Fragen

Ein genaues Startdatum innerhalb von „Anfang 2027“ steht noch aus. Auch ob über die genannten Serien hinaus weitere Archiv-Schätze wie Show-Klassiker ins Programm kommen, ist unklar. Die im Herbst 2025 vollzogene Mehrheitsübernahme durch die italienische Media for Europe (MFE) hat laut Pabst keinen Einfluss auf den Sat.2-Start.

Mit Sat.2 wächst das Free-TV-Portfolio von ProSiebenSat.1 auf acht Sender: Sat.1, Sat.2, Sat.1 Gold, ProSieben, ProSieben Maxx, Kabel Eins, Kabel Eins Doku und Sixx. Die Frage bleibt, ob der Markt für lineares Fernsehen tatsächlich noch einen weiteren nostalgischen Sender aufnehmen kann – und wie die Konkurrenz von RTL und ARD/ZDF reagieren wird.

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