Nach Fedorov-Entlassung: Tausende protestieren, Vize-Luftwaffenchef tritt zurück
KI-Bild
Ukraine-Krieg

Nach Fedorov-Entlassung: Tausende protestieren, Vize-Luftwaffenchef tritt zurück

Präsident Wolodymyr Selenskyj entlässt überraschend Verteidigungsminister Mykhailo Fedorov. Die Entscheidung löst Massenproteste aus und führt zu Rücktritten in Militär und Politik – mitten in einer offensiven Phase der ukrainischen Streitkräfte.

Veröffentlicht
JUX auf Google folgen

Umbildung mit Sprengkraft

Nur Stunden nach der Entlassung von Verteidigungsminister Mykhailo Fedorov am 15. Juli 2026 gingen in Kyiv, Charkiw, Lwiw und Dnipro tausende Menschen auf die Straße. Es sind die größten Kriegsproteste in der Ukraine seit Jahren, wie NPR berichtet. Zeitgleich reichte der stellvertretende Kommandeur der ukrainischen Luftwaffe, Pavlo Yelizarov, seinen Rücktritt ein – aus Protest gegen die Entscheidung von Präsident Wolodymyr Selenskyj.

Der 35-jährige Fedorov, erst seit Januar im Amt und zuvor als Digitalminister Motor der ukrainischen Drohnenoffensive, zeigte sich kämpferisch. Auf einer Pressekonferenz in Kyiv erklärte er: „Ich muss nicht Verteidigungsminister sein, nur um Verteidigungsminister zu sein. Ich brauche diese Position, damit wir diesen Krieg gewinnen." Eine ihm angebotene Beraterrolle lehnte er ab.

X · @FedorovMykhailo

Der Modernisierer gegen die alte Garde

Fedorov hatte in nur sechs Monaten die Verteidigungspolitik radikal umgekrempelt. Er ließ Starlink-Zugänge für russische Truppen sperren, trieb die massive Drohnenproduktion voran und digitalisierte die Waffenbeschaffung, um Korruption zu bekämpfen. Unter ihm stagnierte Russlands Vormarsch nicht nur, sondern kehrte sich erstmals um. Der Leiter des ukrainischen Rats der Rüstungsindustrie, Ihor Fedirko, nannte ihn ein „Gesicht des modernen und technologischen Krieges" und betonte, Fedorov habe keine Angst, Risiken oder Verantwortung zu übernehmen.

Doch genau dieser Reformeifer brachte ihn in Konflikt mit der militärischen Führung. Der Abgeordnete Oleksandr Merezhko aus Selenskyjs Partei bestätigte gegenüber NPR, Fedorov sei mit altgedienten Generälen – insbesondere mit Oberbefehlshaber Oleksandr Syrskyi – aneinandergeraten. Widerstand gab es auch gegen seine Pläne, das Wehrpflichtsystem zu reformieren. Fedorov selbst hatte kurz nach Amtsantritt eingeräumt, die Armee kämpfe mit rund 200.000 Desertionen und etwa zwei Millionen Wehrdienstverweigerern.

Proteste wie nie zuvor

Die Empörung über die Entlassung entlud sich am 16. Juli auf den Straßen. In Kyiv gingen laut CBS News Tausende auf die Straße – mehr als bei den Protesten im Juli 2025. Ein Student hielt ein Schild mit der Aufschrift: „Fedorov was not the problem." Ein ehemaliger Kampfsanitäter, der die Proteste mitorganisierte, warnte: „Wenn Fedorov entfernt wird, wird die Versorgung unserer Armee stagnieren, es wird weniger Drohnen geben."

Ich glaube, dass die Absetzung von M. Fedorov ein großes Übel für die Verteidigungsfähigkeit des Landes ist.
Pavlo Yelizarov, Stellvertretender Kommandeur der ukrainischen Luftwaffe

Neben Yelizarov reichten mehrere Parlamentsabgeordnete aus Protest ihre Mandate nieder. Das staatsnahe Medienportal United24 kündigte an, seine Veröffentlichungen vorübergehend einzustellen. Ein Offizier der Drohnenstreitkräfte nannte die Entlassung einen „großen Fehler", ein anderer kommentierte lapidar: „Für Russland ist das gut."

Heikle Phase für Kiew

Die Entlassung trifft das Land in einer militärisch sensiblen Lage. Nur Stunden zuvor hatte die Ukraine Abkommen mit der EU zur Ausweitung der Drohnenproduktion unterzeichnet, und US-Präsident Trump hatte auf dem NATO-Gipfel einer Lizenz zur Patriot-Raketen-Produktion zugestimmt. Die Verteidigungsindustrie macht mittlerweile über 30 Prozent des ukrainischen BIP aus. Selenskyj, der seit Kriegsbeginn ohne Wahlen regiert, baut sein Kabinett zum dritten Mal um – doch diesmal formiert sich breiter Widerstand.

Als Nachfolger Fedorovs ist Innenminister Ihor Klymenko vorgesehen, ein ehemaliger Polizeigeneral ohne technologischen Hintergrund. Fedorov lehnte das Angebot, als Berater im Team zu bleiben, ab – für Beobachter ein klares Zeichen, dass der Graben zwischen Modernisierern und alter Garde tiefer ist denn je. Die Stabilität der ukrainischen Führung steht auf dem Spiel.

Umfrage
Lädt
JUX auf Google folgen
Mehr aus

Politik