Polizei räumt Baumhauscamp nach fast neun Monaten – Tesla-Gegner geben nicht auf
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Tesla-Konflikt Grünheide

Polizei räumt Baumhauscamp nach fast neun Monaten – Tesla-Gegner geben nicht auf

Trotz massiver Polizeiaktionen und gegenteiliger Bürgerbefragung treibt Tesla die Erweiterung des Werks Grünheide voran. Während der Konzern neue Arbeitsplätze verspricht, fürchten Anwohner um Wald, Wasser und demokratische Mitbestimmung.

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Am 19. November 2024 beendete die Polizei ein fast neun Monate lang bestehendes Protestcamp von Tesla-Gegnern in Grünheide (Oder-Spree) endgültig. Höhenretter holten die letzten Besetzer aus bis zu 30 Meter hohen Baumhäusern, bevor die Konstruktionen abgerissen wurden.

Das Camp war in der Nacht zum 29. Februar 2024 entstanden, als rund 80 Aktivistinnen und Aktivisten der Initiative „Tesla stoppen“ mehrere Baumhäuser in einem Kiefernwald nahe der Gigafactory errichteten. Ihr Ziel: die geplante Erweiterung des Werks um rund 50 Hektar Wald und einen Güterbahnhof zu verhindern – mitten in einem Trinkwasserschutzgebiet. Bei einer Bürgerbefragung in Grünheide hatten sich zuvor zwei Drittel gegen die Erweiterung ausgesprochen, die Gemeindevertretung stimmte dennoch im Mai 2024 unter Polizeischutz für einen reduzierten Bebauungsplan.

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Für die Profite eines der reichsten Männer der Welt wird die Wasserversorgung einer Region gefährdet.
Janine Korduan (BUND & Bürgerinitiative Grünheide)

Von Gerichten geschützt, dann gewaltsam geräumt

Zwei Eilentscheidungen des Verwaltungsgerichts Potsdam erlaubten den Baumhäusern zunächst das Bleiben – als geschützte Versammlung. Am 10. Mai 2024 eskalierte die Lage jedoch: Hunderte Demonstranten versuchten, auf das Werksgelände vorzudringen. Die Polizei setzte Wasserwerfer, Pfefferspray und Schlagstöcke ein, mehrere Menschen wurden vorübergehend festgenommen. Elon Musk kommentierte auf X: „Es passiert etwas sehr Seltsames, da Tesla als einziger Autokonzern angegriffen wurde!“ Im November 2024 nutzte die Gemeinde Grünheide schließlich eine angeordnete Kampfmittelsondierung, um die Räumung zu erzwingen. Aktivisten weigerten sich, das Gelände zu verlassen, woraufhin die Polizei die Auflösung mit „massiven Verstößen gegen die öffentliche Sicherheit und Ordnung“ begründete. Brandenburgs Innenminister Michael Stübgen (CDU) erklärte:

Wir wissen es nicht genau, ob dort Bomben und andere Munitionsreste liegen. Aber wir müssen ausschließen, dass dort welche liegen könnten.
Michael Stübgen (Brandenburgs Innenminister, CDU)

Proteste flammen immer wieder auf

Trotz Räumung und Polizeipräsenz riss der Widerstand nicht ab. Im Februar 2026 wurden unter Polizeischutz weitere 18 Hektar Wald für die Tesla-Erweiterung gerodet – mitten in der Nacht, um Proteste zu vermeiden, wie das Bündnis „Tesla den Hahn abdrehen“ berichtete. Anschließend organisierten Aktivisten einen Waldspaziergang und eine Fahrradprotestfahrt zum Weltwassertag. Die Bürgerinitiative Grünheide deckte zudem auf, dass Tesla vorgeschriebene Reptilienschutzzäune monatelang nicht errichtet hatte – erst nach schriftlicher Intervention wurden sie aufgestellt.

Die Gigafactory bleibt indes der größte private Arbeitgeber Brandenburgs mit über 11.000 Jobs und treibt den Ausbau voran: Im Juni 2026 kündigte Tesla die Einstellung weiterer 1.000 Mitarbeiter und die Steigerung auf 7.500 Fahrzeuge pro Woche an. Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) nannte dies eine „Erfolgsgeschichte“. Doch die Bürgerinitiative und viele Anwohner sehen das anders: „Man zieht das durch, man hört nicht auf die Befindlichkeiten der Menschen vor Ort. Es dient ausschließlich den Interessen von Tesla“, kritisierte Sprecher Steffen Schorcht. Der Grundkonflikt zwischen Wirtschaft und Umwelt spitzt sich in Grünheide weiter zu – ein Ende ist nicht in Sicht.

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