Es war der Tag, an dem TV-Koch Johann Lafer eigentlich nur stolzer Vater sein wollte – doch er saß bei Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) zum Frühstück. Die Geburt seines Sohnes Jonathan verpasste er deshalb. „Kompletter Schwachsinn“, gesteht der 68-Jährige nun im Podcast „May Way – Promi Deep Talk“ mit Tanja May, wie BUNTE.de berichtet.
Lafer stand zwischen zwei Welten: als Gastronom wollte er dem mächtigen Gast gerecht werden, als werdender Vater hätte er bei seiner Frau Silvia in der Uniklinik sein müssen. Er wählte den Kanzler. „Ich würde ein paar Dinge anders machen“, räumt er heute ein. Die Entscheidung verfolgt ihn bis heute: „Ich war nicht immer da, wenn es wichtig war“, sagte er gegenüber BILD, auch FOCUS online zitiert die Aussagen.
„Das war ein kompletter Schwachsinn und ich habe heute noch ein schlechtes Gewissen gegenüber meiner Frau, meiner Familie.“
Die größte Angst: Abwendung der Kinder
Nicht nur die verpasste Geburt quält Lafer. Als Vater, der durch Restaurant, Fernsehen und Veranstaltungen viele Verpflichtungen hatte, plagte ihn über Jahre eine große Sorge: „Meine größte Angst war, dass die Kinder sich von mir abwenden, weißt du, sie sagen: Mensch, Papa, du hast ja nie Zeit für uns gehabt.“ Das sagte der Koch mit bewegter Stimme bei Tanja May.
Seine Kinder Jennifer und Jonathan hätten ihm das glücklicherweise nie zum Vorwurf gemacht. Dennoch fühlt er sich schuldig. Rückblickend glaubt Lafer aber, dass nicht allein die Anwesenheit zählt: „Wenn auch nicht die Menge der Zeit, aber die Intensität der Zeit.“ Das habe er besonders an den geschlossenen Montagen gespürt, wenn er mit seinen Kindern Ausflüge unternahm – ohne Telefon, nur für sie. „Die Kinder haben gemerkt: Aha, der telefoniert jetzt nicht immer gleichzeitig. Der beschäftigt sich mit mir. Das sind Momente, die ich nie vergessen kann, weil sie so nah waren. So intensiv.“
Diagnose Krebs: „Wir sind alle Gast auf Erden“
Die Gedanken über Familie und verpasste Momente gewinnen vor dem Hintergrund von Lafers schwerer Erkrankung an Dringlichkeit. Im Mai 2026 gab der Koch bekannt, dass er an unheilbarem Lymphdrüsenkrebs leidet und seit Anfang des Jahres Chemotherapie bekommt. Die Behandlung ist kräftezehrend: Er kann kaum essen und nichts schmecken – eine bittere Ironie für einen Mann, der sein Leben dem Genuss gewidmet hat.
Trotz der schweren Zeit zeigt sich Lafer kämpferisch: „Ich bin dabei, hoffe, dass meine körperliche und physische Konstellation das Nötige noch in sich trägt.“ Und er versucht, seinen Frieden zu finden: „Wir sind alle Gast auf Erden“, sagte er weise.
In seinem tiefen Bedauern über die persönlichen Fehler liegt auch eine Liebeserklärung an seine Familie. „Ich wusste immer: Meine Frau und die Kinder lieben mich wirklich. Auch deswegen konnte ich immer wieder aufstehen.“ Das Gespräch im Podcast war für Lafer eine Gelegenheit, sich zu öffnen und vielleicht etwas loszulassen.





