Merz kassiert heftigen Gegenwind
Mit seiner Kritik an der Arbeitsmoral der Deutschen hat Bundeskanzler Friedrich Merz eine scharfe Replik des Unternehmers Carsten Maschmeyer provoziert. Der aus der TV-Sendung „Die Höhle der Löwen“ bekannte Investor warf Merz Realitätsferne und eine Täuschung der Bürger vor. Auslöser waren Äußerungen des Kanzlers, die Deutschen seien „ein bisschen zu bequem geworden“ und der Krankenstand mit durchschnittlich 14,5 Tagen pro Jahr zu hoch.
Beim Jahresempfang des Bundesverbandes deutscher Banken (BdB) in Berlin am 20. April 2026 erklärte Merz, man habe sich in Deutschland „ausgeruht“. Mit Blick auf notwendige Reformen betonte er, der bisherige Fokus auf Work-Life-Balance und verkürzte Arbeitszeiten stoße an Grenzen – mehr Effizienz sei nötig, wie die Welt berichtete.
Maschmeyers erste Replik
Carsten Maschmeyer reagierte am 2. Mai 2026 mit einem Instagram-Video. Er widersprach dem Appell von Merz, die Deutschen müssten „die Ärmel hochkrempeln“, direkt. Die Menschen täten dies längst; das eigentliche Problem seien die hohen Lohnnebenkosten, die dazu führten, dass sich Arbeit für viele nicht mehr lohne. Deutschland zählt im internationalen Vergleich zu den Ländern mit einer besonders hohen Abgabenlast.
Die Auseinandersetzung eskalierte, als der Kanzler in den folgenden Wochen erneut die Leistungsbereitschaft infrage stellte. Am 30. Mai legte Maschmeyer mit einem zweiten Video nach und formulierte seinen Widerspruch noch deutlicher.
„Realitätsfern“: Maschmeyer attackiert Merz direkt
„Die Deutschen arbeiten zu wenig? Ernsthaft? Wie realitätsfern ist das eigentlich?“
Maschmeyer stellte klar: „Die Menschen in Deutschland stehen morgens früh auf, zahlen Steuern und Abgaben, halten diesen Laden am Laufen. Die Menschen in Deutschland haben kein Arbeitsmoral-Problem. Sie haben leider ein Kanzlerproblem. Denn ein Kanzler sollte seine Bürgerinnen und Bürger stark reden und nicht schlechtreden.“ Statt pauschaler Schelte brauche es konkrete Reformvorschläge.
„Die Menschen in Deutschland haben kein Arbeitsmoral-Problem. Sie haben leider ein Kanzlerproblem.“
Gleichzeitig griff Maschmeyer die von der Bundesregierung in Aussicht gestellte 1000-Euro-Prämie scharf an. Er nannte die Ankündigung „ein Unfug und eine Täuschung der Bürger“. Das Problem liege nicht in der Haltung der Beschäftigten, sondern in politischen Rahmenbedingungen.
Maschmeyers Videos erreichten binnen kurzer Zeit mehrere hunderttausend Abrufe und lösten eine breite Debatte aus. Der Tonfall des Kanzlers gegenüber den arbeitenden Menschen stößt auf Widerstand – nicht nur bei dem prominenten Unternehmer. Aktuelle Umfragen zeigen Merz ohnehin auf einem Rekordtief, die Zustimmung zu seiner Kanzlerschaft sinkt.
Der Kanzler hatte seinen Reformkurs zuletzt mit den Worten verteidigt: „Mit Vier-Tage-Woche werden wir Wohlstand nicht erarbeiten“. Details zu seinem 34-Punkte-Programm bleiben umstritten. Ob Merz auf Maschmeyers Kritik reagieren wird, ist offen.





