Ex-CDU-Ministerpräsident Münch: „Lasst die AfD regieren!“
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Landtagswahl Sachsen-Anhalt

Ex-CDU-Ministerpräsident Münch: „Lasst die AfD regieren!“

Der frühere CDU-Ministerpräsident Werner Münch bricht kurz vor der Wahl mit seiner alten Partei und fordert eine Regierungsbeteiligung der AfD. Die Union warnt er eindringlich vor einem Bündnis mit der Linken.

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Abrechnung mit der CDU

Der frühere CDU-Ministerpräsident Sachsen-Anhalts, Werner Münch, bricht knapp 50 Tage vor der Landtagswahl mit seiner alten Partei. „Ich würde jetzt nicht die CDU wählen“, sagte der 85-Jährige in einem Interview mit der Wochenzeitung JUNGE FREIHEIT (JF). Münch attestierte der Union einen „verschärften Linkstrend“ und ließ offen, was überhaupt noch der inhaltliche Kern der Partei sei: „Das kann ich nicht beantworten.“

Der einstige Regierungschef, der das Land von 1991 bis 1993 führte und 2009 aus Verärgerung über die Profillosigkeit aus der CDU austrat, gab auch keine Wahlempfehlung ab. „Nicht, weil ich nicht will – ich weiß es einfach nicht. Ich kann Ihnen darauf keine klare Antwort geben“, so Münch. Den amtierenden CDU-Ministerpräsidenten Sven Schulze kenne er „zu wenig“.

Spitze gegen Haseloff und Schulze

Münch kritisierte sowohl Schulzes Vorgänger Reiner Haseloff als auch die Art von Schulzes Amtsübernahme. Haseloff habe einst gesagt, er werde das Land verlassen, wenn die AfD regiere. Dazu Münch: „Das macht man nicht, weil es keine Hoffnung verbreitet.“ Die Installation Schulzes nannte er „keine Meisterleistung“: Die CDU habe ihn als Haseloff-Nachfolger zum Ministerpräsidenten wählen lassen, um ihn bekannt zu machen – dabei sei Schulze jahrelang Minister in Sachsen-Anhalt gewesen.

Das war keine Meisterleistung.
Werner Münch über die vorzeitige Wahl Sven Schulzes zum Ministerpräsidenten

„Lasst die AfD regieren“ – Kooperation statt Ausgrenzung

Der brisanteste Teil des Interviews betrifft Münchs Haltung zur AfD. Auf die Frage der JF, ob es nicht an der Zeit sei, die mit Abstand stärkste Partei regieren zu lassen, antwortete er: „Es könnte auch sein, dass ich dann sage: Lasst die AfD regieren, dass sie mal zeigen kann, was sie politisch draufhat. Sie vertritt verrückte, aber auch vernünftige Punkte.“

Lasst die AfD regieren, dass sie mal zeigen kann, was sie politisch draufhat. Sie vertritt verrückte, aber auch vernünftige Punkte.
Werner Münch im JF-Interview

Münch bezog sich dabei auf das Sofortprogramm des AfD-Spitzenkandidaten Ulrich Siegmund, das er in der FAZ gelesen hatte: „Wenn man für mich indiskutable Punkte weglässt, sind da durchaus vernünftige Positionen dabei. Wenn wir diese Differenzierung nicht vornehmen, dann fühlen sich die Wähler doch veralbert und fragen sich: Was ist meine Stimme überhaupt wert?“

Der Ex-Ministerpräsident sprach sich gegen eine Ausgrenzung der AfD aus. Die Partei habe bundesweit 16 Millionen Wähler – „das sind doch nicht alles unpolitische Menschen“. Die CDU solle mit der AfD zwar nicht koalieren, aber kooperieren. Zugleich warnte er die Union eindringlich vor einem Bündnis mit der Linken.

Auf keinen Fall mit der Linken!
Werner Münch

Sollte Ministerpräsident Schulze nach der Wahl geschäftsführend im Amt bleiben wollen, ohne dass ein neuer Ministerpräsident gewählt wird, sehe er eine „wirklich vertrackte Situation“ kommen. Im Klartext befürwortet Münch demnach eine von der CDU tolerierte AfD-Minderheitsregierung, sollte Ulrich Siegmund die absolute Mehrheit knapp verfehlen.

CDU in der Zwickmühle

Laut einer aktuellen Umfrage liegt die AfD mit 41 Prozent klar vor der CDU (23 Prozent), gefolgt von der Linken (13 Prozent), SPD (6 Prozent), BSW (5 Prozent), FDP (4 Prozent) und Grünen (4 Prozent). Der AfD-Landesverband wird vom Verfassungsschutz als gesichert rechtsextremistisch eingestuft. Spitzenkandidat ist Ulrich Siegmund.

Münchs Aussagen stellen die CDU vor der Wahl am 6. September 2026 vor ein Dilemma. Während die Bundespartei eine strikte Brandmauer zur AfD aufrechterhält, fordern prominente Konservative wie Münch eine pragmatische Kooperation. Sollte die Union an ihrer Haltung festhalten, könnte eine AfD-Minderheitsregierung nur schwer zu verhindern sein.

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