Mieten +4 %, Angebot kollabiert: IW-Index zeigt tief gespaltenen Markt
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Mietpreiskrise

Mieten +4 %, Angebot kollabiert: IW-Index zeigt tief gespaltenen Markt

Die Angebotsmieten steigen bundesweit um 4 Prozent gegenüber dem Vorjahr, während das Mietangebot in Hamburg um mehr als die Hälfte einbricht. Der Kaufmarkt stagniert dagegen – der Deutsche Mieterbund warnt vor einer sich verschärfenden Krise.

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Mietmarkt: Preissprung bei rasant schrumpfendem Angebot

Die Angebotsmieten in Deutschland sind im zweiten Quartal 2026 um 4,0 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal gestiegen – und damit deutlich stärker als die allgemeine Inflation von rund 2,6 Prozent. Das geht aus dem IW-Wohnindex des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) hervor, der am 20. Juli veröffentlicht wurde. Während die Kaufpreise für Immobilien fast stagnieren, erleben Mieter einen nie dagewesenen Druck.

Besonders hart trifft es Großstädte außerhalb der Top-7-Metropolen: Dort kletterten die Angebotsmieten im Jahresvergleich um 4,9 Prozent. Köln verzeichnete mit plus 7,9 Prozent den bundesweit stärksten Anstieg, gefolgt von Leipzig (+5,4 Prozent) und Essen (+5,0 Prozent). Selbst in den Top-7-Städten, die lange als Preistreiber galten, legten die Mieten um 2,9 Prozent zu – mit Ausreißern wie Hamburg (+5,5 Prozent).

Gleichzeitig bricht das Angebot an Mietwohnungen vielerorts dramatisch ein. Hamburgs Inserate haben sich im Vergleich zu Anfang 2022 mehr als halbiert, in Frankfurt am Main ging das sichtbare Angebot um 43 Prozent zurück. Bundesweit liegt das Inseratevolumen knapp 12 Prozent unter dem Niveau von vor gut vier Jahren, so die IW-Studie.

Viele Menschen verblieben in Wohnungen, die nicht zu ihrer Lebenssituation passten und zu groß oder zu klein seien, weil sie ihre günstigen Mieten nicht aufgeben wollten.
Pekka Sagner, IW-Senior Economist für Wohnungspolitik

Kaufmarkt: Stagnation trotz verdoppelten Angebots

Im Gegensatz zum Mietmarkt herrscht auf dem Kaufmarkt nahezu Stillstand. Die Preise für Eigentumswohnungen stiegen bundesweit nur um 0,8 Prozent zum Vorjahr, bei Ein- und Zweifamilienhäusern waren es ebenfalls 0,8 Prozent. Gegenüber dem Vorquartal legten Wohnungen lediglich um 0,2 Prozent zu, Häuser um 1,0 Prozent.

Dabei ist das Angebot riesig: Es stehen nahezu doppelt so viele Eigentumswohnungen und 140 Prozent mehr Einfamilienhäuser zum Verkauf wie Anfang 2022. Das ist jedoch weniger eine Bauoffensive als vielmehr Ausdruck gesunkener Nachfrage – viele Interessenten scheitern an den hohen Finanzierungskosten. In Dortmund, wo die Kaufpreise mit plus 5,0 Prozent am stärksten anzogen, spiegelt sich die Flucht aus den Metropolen wider, während München als einziges Top-7-Mitglied einen Rückgang von 1,9 Prozent verzeichnete.

Wer mieten will, trifft auf knappes Angebot und steigende Preise – wer kaufen will, scheitert oft an der Finanzierung.
Pekka Sagner

DMB-Bundesdirektor: „Mietpreiskrise verschärft sich weiter“

Der Deutsche Mieterbund (DMB) sieht eine dramatische Entwicklung. „Die Zahlen zeigen erneut: Die Mietpreiskrise verschärft sich weiter. Dass die Angebotsmieten deutlich stärker steigen als die Inflation und Lohnentwicklung, ist für Wohnungssuchende nicht nur der unteren Einkommensgruppen dramatisch“, sagte Bundesdirektor Florian Becker gegenüber Reuters.

Die Zahlen zeigen erneut: Die Mietpreiskrise verschärft sich weiter. Dass die Angebotsmieten deutlich stärker steigen als die Inflation und Lohnentwicklung, ist für Wohnungssuchende nicht nur der unteren Einkommensgruppen dramatisch.
Florian Becker, Bundesdirektor des Deutschen Mieterbundes

Die Forderungen des Mieterbundes nach gesetzlichen Mietpreisbremsen und einer massiven Bauoffensive stoßen in der Bundesregierung bislang auf taube Ohren. Neue Daten zeigen, dass die Neubautätigkeit 2026 nur 58 Prozent des tatsächlichen Bedarfs deckt. Ob die Politik mit Mietendeckeln oder Investitionsanreizen gegensteuern kann, bleibt angesichts knapper Kassen und gestiegener Baukosten fraglich.

Der Mietwohnungsmarkt funktioniert mittlerweile in großen Teilen Deutschlands nicht mehr.
Florian Becker
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