Einstimmig mit nur einer Gegenstimme
Markus Frohnmaier ist Spitzenkandidat der AfD Baden-Württemberg für die Landtagswahl 2026. Auf dem Landesparteitag in Heilbronn stimmten fast alle der rund 400 anwesenden Delegierten für den 34-jährigen Bundestagsabgeordneten und Landesvorsitzenden – bei nur einer Gegenstimme. Das entspricht einer Zustimmung von 99,7 Prozent.
Frohnmaier kandidiert dabei nicht für den Landtag selbst, sondern ausschließlich für das Amt des Ministerpräsidenten. Sein Bundestagsmandat würde er nur im Erfolgsfall aufgeben. Eine solche Kampfkandidatur allein auf die Spitze ist ungewöhnlich und unterstreicht den Führungsanspruch, mit dem er in den Wahlkampf zieht.
Parteiinterne Kritik an „Oligarchisierung“
Trotz des nahezu einhelligen Votums ist die Stimmung im Landesverband nicht ungetrübt. So beklagte ein anonymer Kritiker am Rande des Parteitags: „Wir sind oligarchisiert. Wir sind mittlerweile Altpartei.“ Co-Vorsitzender Emil Sänze hob hingegen die neu gewonnene Disziplin hervor: Man streite mittlerweile über den richtigen Weg, aber nicht mehr extern – „schon gar nicht über die Presse“.
Bereits im Wahlkampf war Frohnmaier mit Vorwürfen der Vetternwirtschaft konfrontiert. Seine Ehefrau arbeitet für den AfD-Bundestagsabgeordneten Johann Martel, was ihm auch parteiinterne Kritik einbrachte. Der scheidende Landtagsabgeordnete Heinrich Klos warf ihm sogar „Goebbels-Methoden“ vor. Frohnmaier selbst entgegnete im SWR, es sei falsch, „per se zu unterstellen, dass das problematisch sei“.
Scharfe Attacke auf Merz
In seiner Rede auf dem Parteitag kritisierte Frohnmaier die Bundesregierung unter Friedrich Merz scharf.
„Friedrich Merz ist der beste Kanzler, den die Ukraine jemals hatte. Friedrich Merz ist der beste Kanzler, den das Ausland jemals hatte.“
Ein Kanzler müsse aber dem deutschen Volk dienen, fügte er hinzu. Frohnmaier, der als enger Vertrauter von AfD-Bundeschefin Alice Weidel gilt, war zuvor mit einer Delegation zum Wirtschaftsforum in Sankt Petersburg gereist – ebenfalls ein umstrittener Schritt.
Keine Mehrheit in Sicht
Trotz der starken Geschlossenheit der AfD in Baden-Württemberg – sie stellt mit 35 Mandaten die stärkste Oppositionsfraktion – ist Frohnmaiers Ziel faktisch unerreichbar. Alle anderen im Landtag vertretenen Parteien schließen eine Zusammenarbeit mit der vom Landesverfassungsschutz als rechtsextremistischer Verdachtsfall eingestuften Partei kategorisch aus.
Dennoch setzt die AfD auf Konfrontation. Co-Chef Sänze rief zum „Widerstand gegen eine Politik, die unser schönes Heimatland ruinieren würde“ auf und hofft auf ein vorzeitiges Ende der Koalition aus Grünen und CDU. Özdemirs Regierung werde an der wirtschaftlichen Lage und internen Streitigkeiten scheitern, so die Erwartung.
Frohnmaier selbst gab die Losung aus: „Die AfD kennt nur noch einen Weg nach oben.“ Ob der 34-Jährige, der einst als Scharfmacher der Jungen Alternative auffiel und heute einen sachlicheren Ton anschlägt, tatsächlich eines Tages Regierungsverantwortung übernehmen kann, bleibt offen.





