Es ist der erste Export aus dem neuen „Werk Niedersachsen“: Am 14. Juli 2026 gab der Düsseldorfer Rüstungskonzern Rheinmetall die Auslieferung von Artilleriemunition an die ukrainischen Streitkräfte bekannt. Die Lieferung markiert einen Meilenstein für die im August 2025 feierlich eröffnete Produktionsstätte in Unterlüß (Landkreis Celle).
Die Charge umfasst eine niedrige fünfstellige Anzahl an 155-mm-Geschossen des Typs RH1412. Mehr als die Hälfte des Auftrags ist damit bereits abgearbeitet. Die fehlenden Projektile sowie die Treibladungen – letztere stammen aus anderen Rheinmetall-Werken – sollen bis Ende 2026 folgen. Insgesamt hat Rheinmetall für das Werk ein Investitionsvolumen von 500 Millionen Euro veranschlagt.
Das RH1412 ist die neueste Base-Bleed-Munition von Rheinmetall mit hoher Reichweite und insensitive-munition-Eigenschaften. Es handelt sich um eine HEER-Variante (High Explosive Extended Range), die mit nahezu allen 155-mm-Artilleriesystemen der NATO kompatibel ist und als besonders wirkungsvoll gilt. Die Ukraine setzt solche Granaten massenhaft gegen die russischen Invasoren ein.
Rheinmetall-Chef Armin Papperger hatte bei der Eröffnung des Werks ambitionierte Pläne verkündet:
„die neue Produktionsstätte werde bei voller Auslastung das größte Munitionswerk Europas, „wenn nicht gar der Welt““
Für die Ukraine ist die Fertigung in Deutschland strategisch wichtig: Sie unterliegt keiner ausländischen Reglementierung und kann somit ungehindert in das Kriegsgebiet geliefert werden. Die Bundesregierung fördert den Ausbau solcher Kapazitäten massiv. Erst im Juni 2026 bewilligte Berlin weitere 300 Millionen Euro für Artilleriegeschosse im Rahmen der tschechischen Munitionsinitiative.
Börse reagiert verhalten
Der operative Fortschritt spiegelt sich nicht im Aktienkurs wider. Am 14. Juli notierte die Rheinmetall-Aktie bei rund 975 Euro – ein Minus von 39 Prozent seit Jahresbeginn und fast 47 Prozent auf Zwölfmonatssicht. Vom Rekordhoch von 1.995 Euro am 12. September 2025 ist der Kurs weit entfernt; der Börsenwert hat sich seitdem mehr als halbiert.
Produktion soll massiv hochgefahren werden
Ungeachtet der Börsenschwäche baut Rheinmetall die Kapazitäten zügig aus. Für das laufende Jahr 2026 plant das Werk Niedersachsen eine Produktion von 140.000 Schuss. Ab 2027 sollen jährlich bis zu 350.000 Granaten vom Band laufen. Langfristig peilt der Konzern bis 2030 eine Jahresproduktion von 1,5 Millionen 155-mm-Geschossen an – genug, um einen erheblichen Teil des ukrainischen Bedarfs zu decken.
Der Spatenstich für das Werk in der Lüneburger Heide war im Februar 2024 erfolgt. Die feierliche Eröffnung am 28. August 2025 wurde von Spitzenpolitikern begleitet: Vizekanzler Lars Klingbeil, Verteidigungsminister Boris Pistorius und NATO-Generalsekretär Mark Rutte wohnten dem Festakt bei.
Mit der ersten Lieferung aus Unterlüß demonstriert Rheinmetall, dass der Aufbau der Rüstungsinfrastruktur planmäßig vorankommt. Für die Ukraine bedeutet jeder zusätzliche Schuss Munition eine Stärkung ihrer Verteidigungsfähigkeit. Derweil könnte der anhaltend schwache Aktienkurs den Druck auf das Management erhöhen, die Profitabilität der neuen Fabrik rasch unter Beweis zu stellen.





