„Als ich ein Schloss kaufen konnte, kaufte ich eins. Basta." – Reinhold Messner und der ewige Kampf
KI-Bild
Interview

„Als ich ein Schloss kaufen konnte, kaufte ich eins. Basta." – Reinhold Messner und der ewige Kampf

Extrembergsteiger Reinhold Messner spricht offen über seine radikale Unabhängigkeit von Banken und den schmerzhaften Zerfall seiner Familie nach vorzeitiger Erbverteilung.

Veröffentlicht
JUX auf Google folgen

Ein Leben ohne Kredit

Dass einer der berühmtesten Abenteurer der Welt noch nie einen Cent geliehen hat, klingt fast wie eine Berglegende. Doch Reinhold Messner meint es todernst: „Zu einer Bank gehe ich nie. Das ist langweilig." Im Interview mit der belgischen Zeitung De Tijd anlässlich der Verleihung des Sabato Lifetime Achievement Award auf seinem Schloss Juval sprach der 81-Jährige über Geld, Freiheit und den Preis der Unabhängigkeit.

Messner finanzierte jede seiner Expeditionen selbst – ohne Kredit, ohne Investoren. „Keine Bank der Welt leiht ihnen Geld, um auf den Everest zu steigen", erklärte er. Eine Bank hätte ihn unter Zugzwang gesetzt, sodass eine Expedition nicht scheitern durfte – und das sei lebensgefährlich gewesen. BUNTE.de zitiert ihn mit den Worten: „Geld hatte ich nur nötig, um meine Träume zu leben."

Diese Haltung zieht sich durch sein gesamtes Leben. Statt auf Aktien oder Berater setzte Messner auf ein einfaches Prinzip: Jede erfolgreiche Besteigung wertete er durch Bücher und Vorträge aus und schuf so die finanzielle Basis für das nächste Abenteuer. Ein Kreislauf, der ihn unabhängig machte – und reich genug, um sich einen Kindheitstraum zu erfüllen: ein eigenes Schloss.

Schloss Juval: Mehr als eine Immobilie

Seit 1983 ist die rund 800 Jahre alte Anlage im Südtiroler Vinschgau im Besitz des Extrembergsteigers. Auf die Frage, warum er es kaufte, antwortete er lakonisch: „Als ich ein Schloss kaufen konnte, kaufte ich eins. Basta."

Als ich ein Schloss kaufen konnte, kaufte ich eins. Basta.
Reinhold Messner (Extrembergsteiger und Museumsgründer)

Juval ist heute mehr als ein Wohnsitz: Es beherbergt das Messner Mountain Museum Juval, das sich mit Bergreligionen und Mythen beschäftigt, sowie Teile seiner umfangreichen Kunstsammlung – zusammengetragen auf unzähligen Reisen, darunter kostbare Stücke aus Tibet.

Einige dieser Objekte sind inzwischen ein Vermögen wert. Doch verkaufen will Messner nichts. „Es gibt ein wichtiges Stück aus einem tibetischen Kloster, das ich für ein Vermögen verkaufen könnte, aber ich habe dem Dalai Lama versprochen, es zurückzugeben, wenn Tibet unabhängig wird", sagte er. Ein Versprechen, das schwerer wiegt als jeder Marktwert.

Es gibt ein wichtiges Stück aus einem tibetischen Kloster, das ich für ein Vermögen verkaufen könnte, aber ich habe dem Dalai Lama versprochen, es zurückzugeben, wenn Tibet unabhängig wird.
Reinhold Messner (Extrembergsteiger und Museumsgründer)

Land als Lebensversicherung

Neben dem Schloss gehören zu Juval ein Weinberg und landwirtschaftliche Flächen; drei weitere kleine Bergbauernhöfe in Südtirol ergänzen den Besitz. Für Messner ist das keine nostalgische Spielerei, sondern eiserne Reserve: „Meine Landwirtschaft bleibt meine Lebensversicherung." In Krisenzeiten sei ein Bauernhof sicherer als alles Geld der Welt – dort könne man im Notfall überleben.

Seine sechs Museen in Südtirol und Belluno – darunter das MMM Juval – hat Messner ohne Bankkredite aufgebaut und so gestaltet, dass sie sich selbst tragen. „Ich habe in meinem Leben nie Geld geliehen", bekräftigte er. Ein Prinzip, das ihm Freiheit brachte – und zugleich eine schwere Hypothek auf die Familie warf.

Der Zerwürfnis ums Erbe

2019 traf Messner eine folgenschwere Entscheidung: Er verteilte sein Vermögen per Testament bereits zu Lebzeiten an seine vier Kinder Layla (45), Magdalena (38), Simon (36) und Anna Juditha (25). Was als großzügige Geste gedacht war, endete im Bruch. „Ich stand mit 75 am Abgrund", sagte er. Der Kontakt zu den Kindern sei abgebrochen; sie hätten ihn nach der Übertragung „entsorgt". Sohn Simon widerspricht: Sein Vater blockiere jeden Annäherungsversuch über Anwälte und wünsche keinen Kontakt mehr – „was mich sehr schmerzt".

Der Erbstreit wirft ein grelles Licht auf Messners lebenslange Geldphilosophie. Absolute Unabhängigkeit hat ihren Preis – und der wird nun von der nächsten Generation bezahlt. Dass der Alpinist ausgerechnet auf einem Schloss sitzt, das er „einfach so" kaufte, während seine Kinder um Zuwendung ringen, verleiht dem Konflikt eine bittere Ironie.

Die Frage, ob und wie sich die Familie wieder versöhnt, bleibt offen. Messner selbst scheint seinen Frieden mit der Einsamkeit gemacht zu haben – umgeben von Kunst, Weinbergen und einer 800-jährigen Burg, die seinen unnachgiebigen Lebensweg symbolisiert wie kaum etwas anderes. „Geld hatte ich nur nötig, um meine Träume zu leben." Der Traum vom freien Leben ist wahr geworden. Die Kosten dafür trägt er nun allein.

Geld hatte ich nur nötig, um meine Träume zu leben.
Reinhold Messner (Extrembergsteiger und Museumsgründer)
JUX auf Google folgen
Mehr aus

Promis