Am 2. Februar 2026 versiegelten griechische Behörden eine illegale Moschee im Athener Stadtteil Agios Nikolaos. Der 34-jährige bangladeschische Betreiber wurde verhaftet, seine Aufenthaltsgenehmigung widerrufen. Es war der Auftakt einer landesweiten Razzia, die Migrationsminister Thanos Plevris wenige Tage später mit drastischen Worten ankündigte: „Was in Agios Nikolaos passiert ist, wird überall passieren.“
Im Großraum Athen werden 60 bis 80 nicht genehmigte Moscheen vermutet, die meisten in Kellern, Wohnungen oder Lagerhallen. Die Gebetsräume sind oft ohne Belüftung oder Toiletten, und sie stehen außerhalb jeder staatlichen Kontrolle.
„Was in Agios Nikolaos passiert ist, wird überall passieren. Alle illegalen Gebetsstätten werden geschlossen und die rechtlichen Dokumente der Betreiber widerrufen. In Zusammenarbeit mit den zuständigen Ministerien werden illegale Moscheen versiegelt und die Verantwortlichen abgeschoben.“
Null-Toleranz-Politik auf Grundlage von Artikel 28
Rechtliche Grundlage der Razzien ist Artikel 28 des Gesetzes 5224/2025. Er stellt den Betrieb einer nicht genehmigten Gebetsstätte unter Strafe: Neben der Versiegelung drohen Haftstrafen von zwei bis sechs Monaten, erhebliche Geldbußen und für ausländische Betreiber die automatische Abschiebung.
Nur zwei Tage nach Agios Nikolaos wurde eine zweite Moschee im Stadtteil Agios Panteleimonas geschlossen. Bis Ende März folgten zwei weitere; 20 weitere Standorte waren zu diesem Zeitpunkt identifiziert und zur Schließung vorgemerkt.
Athens einzige legale Moschee – und Hunderttausende Muslime
Athen war jahrzehntelang die einzige EU-Hauptstadt ohne offizielle Moschee. Erst 2020 wurde die staatlich finanzierte Votanikos-Moschee eröffnet – ein Gebäude ohne Minarett, das lediglich 300 bis 350 Gläubige fasst. Dem stehen schätzungsweise 200.000 bis 300.000 in der Hauptstadtregion lebende Muslime gegenüber.
Im Rest Griechenlands existieren über 300 Moscheen für die muslimische Minderheit in Westthrakien und auf dem Dodekanes, die von den aktuellen Razzien ausdrücklich nicht betroffen sind. Anders als in vielen EU-Staaten unterliegen Imame und Muftis in Griechenland einer strikten staatlichen Kontrolle, ausländische Finanzierung ist verboten.
Kritik: Symbolpolitik kurz vor den Wahlen?
Die konservative Regierung von Premierminister Kyriakos Mitsotakis steht vor den Wahlen 2027 unter Druck. Umfragen sahen die Nea Dimokratia im Herbst 2025 bei nur noch 28,5 Prozent, zuletzt erholte sie sich leicht auf 31,1 Prozent – ein Effekt, den Beobachter auf Plevrisʼ harten Kurs zurückführen.
„Es geht nicht um Religion. Es geht um Legalität. Es geht auch um die Notwendigkeit grundlegender Registrierung und Aufsicht, denn in diesen informellen Räumen gibt es oft keinerlei Kontrolle.“
Der Politikwissenschaftler Dr. Ioannis Kolovos nannte das Vorgehen einen „symbolischen Akt“, mit dem die Regierung nur den Abfluss von Wählern an rechte Anti-Migrations-Parteien stoppen wolle. „Die Gewährung von Asyl bleibt hoch – sechs von zehn Antragstellern erhalten Schutz. Es wurde keine jährliche Obergrenze für Asylanträge festgelegt, und die Zahl der illegal einreisenden Migranten übersteigt die Zahl der Abschiebungen und Rückführungen um ein Vielfaches“, sagte Kolovos dem European Conservative.
„Jedes Mal, wenn UN-Gesandte Bedenken zu meiner Gesetzgebung äußern, macht mich das stolz auf diese Gesetzgebung. Je mehr Amnesty International, der UN-Hochkommissar für Flüchtlinge oder UN-Gesandte sich an unserer Migrationspolitik stören, desto mehr betrachte ich das als Ehrenabzeichen.“
Internationale Menschenrechtsorganisationen und muslimische Gemeinschaften reagierten mit scharfer Kritik. Sie sehen in den Razzien den Versuch, Migranten allein wegen ihrer Religionsausübung aus dem Land zu drängen. Plevris wies das zurück: „Die Zeiten, in denen Bürokraten aus Brüssel oder von den Vereinten Nationen einfach auftauchen und Griechenland vorschreiben konnten, wie es die Migrationskrise zu bewältigen hat, sind vorbei.“
Weitere Verschärfungen der Migrationspolitik
Die Moschee-Schließungen sind Teil einer breiteren Verschärfung der griechischen Asyl- und Grenzpolitik. Plevris, seit Juni 2025 im Amt, verhandelt mit afrikanischen Staaten über Aufnahmezentren für abgelehnte Asylbewerber und kooperiert mit ostlibyschen Behörden, um die Migrationsrouten über das Mittelmeer einzudämmen. 2025 kamen rund 48.300 Migranten illegal nach Griechenland – ein Rückgang um 21 Prozent –, doch nur etwa 6.000 wurden abgeschoben.
Wie viele der geschätzten 60 bis 80 illegalen Moscheen tatsächlich geschlossen werden, bleibt offen. Kolovos rechnet damit, dass die Regierung bis zur Wahl 2027 „noch ein paar weitere schließen wird, nur um das Thema am Leben zu halten“.





