Die deutsche Gesellschaft hält mehrheitlich an ihrem christlichen Fundament fest: 55 Prozent der Wahlberechtigten sind dafür, dass Deutschland seine christliche Prägung bewahrt, nur 22 Prozent lehnen dies ab. Das ist das Ergebnis einer repräsentativen Umfrage des Instituts INSA-CONSULERE, die zwischen dem 17. und 20. Juli unter 2.005 Teilnehmern durchgeführt und am 21. Juli veröffentlicht wurde.
„Die Mehrheit der Deutschen mag keiner Kirche mehr angehören. Sie ist aber trotzdem mehrheitlich dafür, dass die christliche Prägung Deutschlands erhalten bleibt.“
Doch der Schein der Einigkeit trügt. Die Zustimmung zur christlichen Prägung ist nicht in allen Bevölkerungsgruppen gleich verteilt. Vor allem beim Alter zeigt sich ein tiefer Graben.
Nur eine Altersgruppe ohne Mehrheit
Während in allen Altersgruppen ab 30 Jahren klare absolute Mehrheiten für den Erhalt der christlichen Werte stimmen, kippt das Bild bei den 18- bis 29-Jährigen: In dieser Kohorte ist die Ablehnung mit 38 Prozent größer als die Zustimmung mit 33 Prozent. 29 Prozent sind unentschieden oder machten keine Angabe.
„Ausschließlich in der jüngsten Altersgruppe gibt es eine relative Mehrheit, der die christliche Prägung Deutschlands nicht wichtig ist. In allen anderen Altersgruppen ist eine absolute Mehrheit für die Bewahrung der christlichen Prägung.“
Die Zustimmungswerte steigen mit dem Alter nahezu linear an: Bei den 30- bis 39-Jährigen sind 54 Prozent dafür (25 % dagegen), bei den 50- bis 59-Jährigen 59 Prozent (18 % dagegen), bei den über 70-Jährigen sogar 69 Prozent bei nur 13 Prozent Ablehnung.
Parteipolitische Heimatlose: Nur die Linken-Wähler lehnen ab
Deutliche Unterschiede offenbart die Parteianhängerschaft. Während Wähler von Union (72 %), FDP (68 %), SPD (62 %), AfD (61 %) und BSW (57 %) mehrheitlich für die christliche Prägung stimmen, sind die Grünen-Wähler gespalten: 47 Prozent dafür, 32 Prozent dagegen. Eine klare Ablehnung zeigt sich einzig bei den Anhängern der Linkspartei: Dort stehen 45 Prozent gegen die Bewahrung, nur 37 Prozent dafür.
Union trotz Rekordtief bei Sonntagsfrage erste Adresse
Doch wem trauen die Bürger die Bewahrung der christlichen Werte zu? Unter den Befürwortern der christlichen Prägung nennen 41 Prozent die Union, 24 Prozent die AfD. SPD, Grüne, Linke, BSW und FDP spielen mit Werten zwischen 1 und 6 Prozent praktisch keine Rolle. 12 Prozent glauben, dass sich keine Partei dafür einsetzt.
Diese Vertrauenswerte stehen in einem bemerkenswerten Kontrast zur aktuellen Sonntagsfrage, die INSA parallel erhob. Die Union fiel dabei auf ein Rekordtief von 20,5 Prozent, während die AfD mit 29 Prozent ihren Vorsprung ausbaute. CDU-Fraktionschef Jens Spahn landete im Politikerranking mit 69 Prozent Unglaubwürdigkeit auf dem letzten Platz.
West-Ost-Gefälle und die Frage der Zukunft
Auch zwischen West und Ost zeigen sich Unterschiede: In Westdeutschland sind 57 Prozent für die Bewahrung (21 % dagegen), in Ostdeutschland sinkt die Zustimmung auf 46 Prozent (27 % dagegen). Dennoch gebe es dort ebenfalls eine relative Mehrheit, betonte INSA-Chef Binkert.
Die Umfrage legt ein Spannungsfeld offen: Das christliche Erbe genießt in der Breite erheblichen Rückhalt, doch die junge Generation und die Wähler links der Mitte entfernen sich davon. Zugleich taumelt die Partei, der die Menschen diese Werte am ehesten zutrauen, in der Wählergunst auf ein historisches Tief. Ob andere Parteien wie die AfD in die christdemokratische Lücke stoßen können, ist offen.





