Ermittler durchsuchen die Deutsche Bank
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Cum-Cum-Ermittlungen

Ermittler durchsuchen die Deutsche Bank

Ermittler durchsuchten die Frankfurter Zentrale der Deutschen Bank. Im Zentrum: Cum-Cum-Geschäfte der Postbank mit einem Steuerschaden von 376 Millionen Euro. Unter den Beschuldigten ist der heutige Risikovorstand Marcus Chromik.

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Großeinsatz im Morgengrauen

Kurz nach Tagesanbruch rückten am 22. Juli 2026 rund 70 Ermittler der Staatsanwaltschaft Düsseldorf und der Steuerfahndung an der Frankfurter Taunusanlage an. Ihr Ziel: die Zentrale der Deutschen Bank. Zeitgleich durchsuchten Fahnder auch andere Standorte, wie die ZeFin NRW später bestätigte. Beobachter berichteten, wie mehrere Gruppen unbeirrt Zugang zu den Zwillingstürmen erhielten.

Die Maßnahme richtet sich gegen zehn ehemalige Topmanager der Postbank. Ihnen wirft die Staatsanwaltschaft gemeinschaftliche Steuerhinterziehung vor. Konkret geht es um das interne Projekt „Riesling“ – eine Serie von Cum-Cum-Geschäften aus den Jahren 2008 bis 2010. Die mutmaßlich falschen oder unvollständigen Körperschaftsteuererklärungen sollen einen Steuerschaden von mindestens 376 Millionen Euro verursacht haben.

Cum-Cum: Der milliardenschwere Aktientrick

Bei Cum-Cum-Deals werden Aktien deutscher Unternehmen rund um den Dividendenstichtag zwischen in- und ausländischen Akteuren verschoben. Ausländische Anleger verleihen ihre Papiere kurz vor dem Stichtag an eine inländische Bank. Diese kann sich die einbehaltene Kapitalertragsteuer vom Fiskus erstatten lassen – ein Vorteil, der ausländischen Investoren nicht zusteht. Danach wandern die Aktien zurück. Anders als die kriminellen Cum-Ex-Geschäfte sind Cum-Cum-Transaktionen nicht per se illegal, werden aber zunehmend kritisch bewertet. Der Gesetzgeber schob dem Steuerschlupfloch 2016 einen Riegel vor. Insgesamt schätzt man den kumulierten Steuerschaden auf 28 Milliarden Euro.

Die Deutsche Bank betont, sie werde als „Drittpartei“ durchsucht und stehe nicht im Mittelpunkt der Ermittlungen. Als Rechtsnachfolgerin der 2018 vollständig integrierten Postbank kooperiere man jedoch „vollumfänglich“ mit den Behörden. Über die Razzia berichteten zuerst die Rechercheverbünde von Süddeutscher Zeitung, NDR und WDR sowie Business Insider und WELT.

Unter den zehn Beschuldigten findet sich ein prominenter Name: Marcus Chromik, der heutige Risikovorstand der Deutschen Bank. Der promovierte Kernphysiker begann seine Karriere 2004 bei der Postbank und war dort in Risiko- und Kapitalmarktfunktionen tätig, bevor er 2009 zur Commerzbank wechselte. 2024 holte ihn die Deutsche Bank als Chief Risk Officer zurück. Die Staatsanwaltschaft äußert sich mit Verweis auf das Steuergeheimnis nicht zu den Personen.

Die Razzia ist bereits die dritte bei Deutschlands größtem Geldhaus im laufenden Jahr. Im Januar durchsuchte das Bundeskriminalamt die Standorte Frankfurt und Berlin wegen des Verdachts verspäteter Geldwäsche-Verdachtsmeldungen im Umfeld des Oligarchen Roman Abramowitsch. In der Vorwoche gab es eine Durchsuchung in einer Frankfurter Flagship-Filiale – ein Mitarbeiter soll eine sechsstellige Summe veruntreut haben. Der Fall „Riesling“ wiegt jedoch schwerer: Erstmals gerät ein aktives Vorstandsmitglied ins Visier der Steuerfahnder.

Die Staatsanwaltschaft Düsseldorf und die Spezialeinheit ZeFin NRW führen die Ermittlungen. Wann mit Ergebnissen zu rechnen ist, bleibt offen. Die Akten aus der Postbank-Ära werden weiter gesichtet – für die Deutsche Bank und ihren Risikovorstand steht viel auf dem Spiel.

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